Damit an der Hauptstraße gebaut werden kann, erhalten die Pächter der Gärten die Kündigung. Offiziell informiert wurden sie nicht.

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Reinhard Wischnewski in seinem Kleingarten an der Hauptstraße. Mitte des Jahres wird er wohl die Kündigung erhalten, weil das Gelände bebaut werden soll.

Reinhard Wischnewski in seinem Kleingarten an der Hauptstraße. Mitte des Jahres wird er wohl die Kündigung erhalten, weil das Gelände bebaut werden soll.

Dirk Thomé

Reinhard Wischnewski in seinem Kleingarten an der Hauptstraße. Mitte des Jahres wird er wohl die Kündigung erhalten, weil das Gelände bebaut werden soll.

Hochdahl. Im vergangenen Jahr hat Reinhard Wischnewski sechs Kilogramm Kartoffeln in die Erde seines Kleingartens an der Hauptstraße gesetzt. Geerntet hat er 80 Kilogramm. „Das war nicht schlecht“, sagt der 51-Jährige. Auch Rote Beete, Möhren, Porree, Salat und Grünkohl hat er 2012 gesät und nach der Ernte in der Familie verteilt.

Viel Zeit verbringt Wischnewski zwischen Frühjahr und Herbst in seinem Garten an der Bahnlinie. Im März müsste er wieder anfangen zu säen. Entsprechendes Saatgut für die unterschiedlichsten Gemüsesorten hat er bereits gekauft. „Aber lohnt es sich noch, etwas zu säen und zu pflanzen?“, fragt er nach der WZ-Berichterstattung über die geplante Bebauung des Geländes zwischen Hauptstraße und S-Bahnstrecke.

„Nun scheint mein Gartenglück am Ende.“

Reinhard Wischnewski

Im Oktober 2010 hat er den Garten von der Bahnlandwirtschaft, die laut Wischnewski im Auftrag des Immobilienentwicklers Aurelis arbeitet, gepachtet und dort „versucht, alles neu aufzubauen. Nun scheint mein Gartenglück am Ende“.

Sein Vorgänger hatte die Fläche 60 Jahre lang bearbeitet. „Die war ziemlich heruntergekommen, als ich sie übernommen habe“, erinnert sich der Vater von zwei Kindern. Er hat mit Fleiß den Garten bearbeitet, hat Obstbäume gesetzt und seinen Nachbarn immer wieder in deren Gärten geholfen.

An der Bürgeranhörung in der vergangenen Woche, bei der die Firma Deutsche Reihenhaus, die das Gelände kaufen und bebauen will, ihre Planungen vorstellte, hat Reinhard Wischnewski nicht teilgenommen. Ihn interessiert vor allem, wann mit der Bebauung des Grundstücks begonnen werden soll. Denn eine Kündigung für das 480 Quadratmeter große Grundstück hat er bislang nicht erhalten. „Auch die anderen Gartenbesitzer haben noch keine Post bekommen“, sagt er. Insgesamt sind dort vier Kleingärten verpachtet.

Zahlreiche Anfragen – aber keine Antworten

Inhaber des ehemaligen Bahngeländes an der Hauptstraße ist zurzeit noch die Aurelis Real Estate GmbH & Co. KG – ein großer Immobilienentwickler. Das Unternehmen plant, das Grundstück an die Firma Deutsche Reihenhaus zu verkaufen.

Eine von drei Varianten sieht 21 Häuser, 37 Garagen und Stellplätze vor. Eine einheitliche Gestaltung der Außenanlagen, Trennwände, Fassaden und der Gartenhäuser (als Kellerersatz) sei vorgesehen. Vier Gebäudekörper sollen entstehen, die zentral über die Hauptstraße erschlossen werden. Vor dem Lärm der Bahn soll eine vier Meter hohe Wand schützen. Auch eine Abschottung zum P&R-Parkplatz ist vorgesehen. Alternativ könnten auch 20 Häuser und ein Mehrfamilienhaus mit zehn Wohnungen entstehen.

Wischnewski hat sich sowohl an die Firma Deutsche Reihenhaus, die Bahnlandwirtschaft und auch die Stadt gewandt. Zufriedenstellende Antworten hat er bislang erhalten. Jetzt befürchtet er, die Pacht für dieses Jahr (245 Euro) noch zahlen zu müssen, aber nichts pflanzen zu können, weil ihm irgendwann in den kommenden Monaten die Kündigung ins Haus flattert.

Laut Dirk Dratsdrummer, Sprecher für Aurelis in der Region NRW, können die Kleingärtner in diesem Frühjahr noch säen und pflanzen. „Momentan laufen die Gespräche über den Verkauf des Grundstücks“, sagt Dratsdrummer auf Nachfrage.

Dann müsse der Bau genehmigt und die Bauvoranfrage gestellt werden. „Wir gehen vorsichtig davon aus, dass mit ersten Arbeiten Ende 2013 begonnen wird“, sagt er. Für die Kleingärtner würde dies bedeuten, dass sie Mitte des Jahres die Kündigungen erhalten. Alternative Flächen kann Aurelis den Hobbygärtnern nicht anbieten.

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