Der pensionierte Lehrer Hartmut Kindel besitzt mittlerweile 90 Galloway-Rinder. Die Herden sind im gesamten Stadtgebiet verteilt.

Hartmut Kindel versorgt täglich seine 90 Rinder, die auf verschiedenen Flächen stehen.
Hartmut Kindel versorgt täglich seine 90 Rinder, die auf verschiedenen Flächen stehen.

Hartmut Kindel versorgt täglich seine 90 Rinder, die auf verschiedenen Flächen stehen.

„Ira“ ist der jüngste Nachwuchs des Galloway-Clans. Die Kleine weicht nur selten von Mama Seite.

Dirk Thomé, Bild 1 von 2

Hartmut Kindel versorgt täglich seine 90 Rinder, die auf verschiedenen Flächen stehen.

Hochdahl. Sich dieses Leckerli entgehen lassen? Bloß nicht. Schließlich ist es eine willkommene Abwechslung zum ständigen Grünzeug auf den Wiesen: Innerhalb weniger Sekunden ist Hartmut Kindel von seinen Rindern umringt. Gierig machen sie sich über die trockenen Brötchen her, die er in einem großen, schwarzen Eimer mitgebracht hat, und die regelmäßig von einem Düsseldorfer Bäcker spendiert werden. „Das ist für die Tiere wie ein Schokoriegel für uns“, sagt der 69-Jährige und lacht.

„Ist mal was anderes, oder?“

Hartmut Kindel – über sein ungewöhnliches Hobby

Lediglich Kuh „Ela“ lässt auf sich warten. Kein Wunder, holt sich ihr Kälbchen „Ira“ doch gerade eine Portion Milch ab. „Die Kleine ist eine Woche alt“, erklärt Hartmut Kindel, „Ira“ ist damit der jüngste Spross des Erkrather Galloway-Clans.

Die Kühe, Bullen und Kälber, die auf den Wiesen an der Max-Planck-Straße tagtäglich grasen, sind nämlich keine „normalen“ deutschen Rinder. Es sind Galloways, deren Heimat eigentlich die sagen- und mythenumwobenen Highlands in Schottland sind. „Ist mal was anderes, oder?“, sagt Hartmut Kindel schmunzelnd.

Seit 1995 frönt der ehemalige Lehrer der Berufsbildenden Schulen Düsseldorf seinem außergewöhnlichen Hobby. Angefangen hat er, als er pensioniert wurde, mit zwei Tieren. Heute dagegen nennt er insgesamt 90 sein Eigen. Die Herden sind in ganz Erkrath und Umgebung auf rund 50 Hektar verteilt.

Der dreifache Großvater wird von seiner Familie tatkräftig unterstützt

Die Areale hat der 69-Jährige gepachtet – unter anderem vom Bergisch-Rheinischen Wasserverband, dem die Wiesen an der Max-Planck-Straße gehören. „Hier habe ich aktuell 14 Tiere“, sagt der dreifache Großvater, der von seiner Familie in der Hege und Pflege unterstützt wird.

Es gibt zum Beispiel Belted Galloways wie die auf der Wiese an der Max-Planck-Straße. Sie zeichnen sich durch den weißen Streifen aus, der sich wie ein Gürtel (Belt) in der Mitte um das Tier legt. Sie gibt es in den Färbungen Rot und Schwarz. Dann gibt es rein rot- oder weißfarbene Galloways sowie Riggits – Tiere, bei denen ein weißer Strich über den Rücken führt.

Wie Hartmut Kindel erklärt, sind die Galloways schon vor Jahrhunderten gezüchtet worden. „Damals dienten sie den schottischen Schafhirten dazu, bestimmte Randpflanzenarten und Büsche zu vertilgen, weil die Schafe da nicht herangingen.“

Christa und Hartmut Kindel, Friedrich-Rückert-Straße 14, 40699 Erkrath, Telefon 0211/25 16 97 und 0172/177 33 64, Fax 0211/2 77 03 29, E-Mail info@neandertal-galloways.de

Jeden Tag fährt Hartmut Kindel seine Runden, kontrolliert die Zäune und guckt, ob es seinen Schützlingen auch gut geht. Denn Stallungen haben die Galloways nicht. „Sie sind ganzjährig draußen“, sagt der gebürtige Ostpreuße, der seit Anfang der 1970er-Jahre in Erkrath lebt. Schließlich seien die Galloways, die es in verschiedenen Farbschlägen gibt und nicht zuletzt durch ihr lockiges Fell auffallen, sehr robuste Tiere (siehe Infokasten).

Und wie ist Hartmut Kindel zu seinem „etwas anderen“ Hobby gekommen? „Ich bin seit ewig und drei Tagen Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Landschaftsschutz Erkrath“, sagt der ehemalige Lehrer. „Und darüber bin ich damals in Kontakt mit einem Erkrather gekommen, der Galloways gehalten hat.“ So sei dann eins zum anderen gekommen, hätten gezielte Käufe bei anderen Züchtern und sogar in Schottland stattgefunden.

Vom absoluten Laien zum Experten, der jetzt sogar ein Buch schreibt

Angefangen habe er allerdings mit „null Ahnung“, so Kindel, der sich unter dem Motto „Learning by Doing“ nach und nach zum Profi entwickelte und mittlerweile sogar dabei ist, ein Buch über die Galloways und deren Haltung zu schreiben.

Die meisten seiner Rinder hat Kindel von der Geburt bis zum Tod – nach etwa 17 Jahren – unter seinen Fittichen. Allerdings werden manche auch an andere Liebhaber in ganz Europa für rund 3000 Euro verkauft – oder sogar geschlachtet. Schließlich müsse auch Geld in die Kasse kommen. „Ich mache damit sicher keinen Gewinn“, sagt Kindel, „sondern packe obendrauf“. Unterm Strich sei es reiner Enthusiasmus. „Es macht einfach Spaß“, sagt Kindel – mit einem Glänzen in den Augen.

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