1944 stürzte ein Halifax-Bomber über Trills ab. Der Bruder des damaligen Navigators aus Kanada besucht den geschichtsträchtigen Ort.

Historie
Beim Besuch im Hochdahler Lokschuppen sehen Ron Rowley (links) und sein Sohn James (rechts) erstmals den Hercules-Motor des Halifax-Bombers, mit dem ihr Bruder/Onkel im November 1944 über Trills abgeschossen wurde. Hanna Eggerath (2. von links) und Thomas Boller (Mitte) – hier mit Gottfried Bander, zweiter Vorsitzender des Lokschuppen-Vereins – haben den Besuch initiiert.

Beim Besuch im Hochdahler Lokschuppen sehen Ron Rowley (links) und sein Sohn James (rechts) erstmals den Hercules-Motor des Halifax-Bombers, mit dem ihr Bruder/Onkel im November 1944 über Trills abgeschossen wurde. Hanna Eggerath (2. von links) und Thomas Boller (Mitte) – hier mit Gottfried Bander, zweiter Vorsitzender des Lokschuppen-Vereins – haben den Besuch initiiert.

Dirk Thomé

Beim Besuch im Hochdahler Lokschuppen sehen Ron Rowley (links) und sein Sohn James (rechts) erstmals den Hercules-Motor des Halifax-Bombers, mit dem ihr Bruder/Onkel im November 1944 über Trills abgeschossen wurde. Hanna Eggerath (2. von links) und Thomas Boller (Mitte) – hier mit Gottfried Bander, zweiter Vorsitzender des Lokschuppen-Vereins – haben den Besuch initiiert.

Hochdahl. „Es müssen dramatische Momente gewesen sein“, sagt Thomas Boller ernst. Im Luftraum über Trills tobte am 21. November 1944 ein Luftkampf zwischen der Mannschaft eines Halifax-Bombers und der Wehrmacht. Zweimal beschossen die Deutschen das gegnerische Flugzeug auf das Heftigste, bis es schließlich explodiert und über Trills abgestürzt ist. „Das müssen Bruchteile von Sekunden gewesen sein. Die Soldaten müssen unter Schock gestanden haben“, versucht Hanna Eggerath das Gefecht zu rekonstruieren.

„Die Kriegszeit war einfach furchtbar, aber wir haben endlich die Gelegenheit, sie besser zu verstehen.“

James Rowley, Neffe des über Trills abgeschossenen Halifax-Navigators

Mit Thomas Boller recherchiert sie seit über sechs Jahren die Hergänge des tragischen Unglücks. Auslöser dafür war der auf einem Bauernhof entdeckte „Hercules“-Motor des abgestürzten Flugzeugs, der nun dem Lokschuppen als Ausstellungsstück dient.

Zum ersten Mal arbeitet aber auch der 80 Jahre alte Kanadier Ron Rowley dieses Kriegsdrama auf. Damals saß sein zehn Jahre jüngerer Bruder Adelbert Rowley als Navigator im Bomber. Den Absturz überlebte er nicht. Seine Reise über den Atlantischen Ozean nach Deutschland tritt der Rentner in Begleitung seines 40-jährigen Sohnes James an.

Beim Anblick des enormen Hercules-Motors des Flugzeugs kann sich der 80-Jährige die tragischen Momente seines Bruders bildlich vorstellen. Der Koloss aus Zylindern, Metall und Schrauben ist das einzige Überbleibsel des Luftkampfes. „Es ist überwältigend, diesen Motor zu sehen, und zu erfahren, was tatsächlich mit meinem Bruder geschehen ist“, sagt der Rentner nachdenklich. Er gibt aber offen zu, dass er über dieses Drama lange Zeit geschwiegen hatte.

James Rowley ist vom Engagement der Denkmalpfleger begeistert

Nun setzen Eggerath und Boller alles daran, die Lokalgeschichte ans Tageslicht zu bringen. Die beiden haben sich über die Denkmalpflege kennengelernt und diese Weltkriegsgeschichte gemeinsam aufgearbeitet. Vom Engagement der beiden Denkmalpfleger ist James Rowley begeistert. Nach fünf Jahren E-Mail-Kontakt treffen die Halifax-Familie und die Spurensucher aufeinander.

Hanna Eggerath und Thomas Boller haben bereits ein Werk über die Halifax verfasst. In sechs Jahren intensiver Recherche in Archiven und über das Internet sind neue Details über die Halifax und den Krieg aufgekommen. Unter anderem haben die Denkmalpfleger alte Briefe und Aufzeichnungen der Mannschaft sowie ihrer Ehefrauen entdeckt. Nun denken sie über eine Fortsetzung des Buches nach.

„Die Kriegszeit war einfach furchtbar, aber wir haben endlich die Gelegenheit, sie besser zu verstehen“, sagt der 40-jährige Neffe des Navigators. Der Kontakt zu den beiden Deutschen habe dazu geführt, dass endlich nicht mehr über die Vergangenheit geschwiegen werde. „Es ist keinesfalls selbstverständlich, dass über den Zweiten Weltkrieg geredet wird“, sagt Boller.

Inzwischen haben Eggerath und Boller schon viele Begegnungen und Kontakte initiiert. Der damalige Pilot Jim McPhee aus Kanada, einziger Überlebender des Absturzes, arbeitete damals die tragische Vergangenheit mit ihnen auf. „Wir fühlen uns gezwungen, an die Schrecken des Zweiten Weltkrieges zu erinnern“, sagt Eggerath. Die Feindschaften im Krieg sind aber kein Thema mehr. Vielmehr verbindet die Deutschen und Kanadier nun eine tiefe Freundschaft.

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