Zum Stundenplan im Gymnasium am Neandertal gehören seit dem Sommer auch freie Lernzeiten. Bildungsministerin Löhrmann hat sich das Konzept genauer angesehen.

Zum Stundenplan im Gymnasium am Neandertal gehören seit dem Sommer auch freie Lernzeiten. Bildungsministerin Löhrmann hat sich das Konzept genauer angesehen.
NRW-Bildungsministerin Löhrmann informiert sich im Gespräch mit Schülern über das neue Lernzeitmodell.

NRW-Bildungsministerin Löhrmann informiert sich im Gespräch mit Schülern über das neue Lernzeitmodell.

Red

NRW-Bildungsministerin Löhrmann informiert sich im Gespräch mit Schülern über das neue Lernzeitmodell.

Erkrath. Regelmäßig besucht die Ministerin Schulen, die ihre Konzepte weiterentwickeln. Jetzt fragte sie im Gymnasium am Neandertal in Alt-Erkrath nach, das mit Beginn des neuen Schuljahres das Lernzeitenkonzept einführt hat: In fest im Stundenplan integrierten Stunden arbeiten die Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis neun selbstständig an Unterrichtsstoff, den sie ihren Lernplänen entnehmen. Zur Beratung bei Fragen oder Problemen stehen ihnen Lehrkräfte und Mitschüler aus anderen Jahrgangsstufen zur Seite. Die Ergebnisse der Arbeit in den Lernzeiten sind feste Bestandteile des Unterrichts, der weiterhin im Klassen- und Kursverband stattfindet. Bildungsministerin Löhrmann machte sich nun ein Bild davon, wie das selbstständige Arbeiten in den Lernzeiten aussieht und welche Formen das freie Lernen annehmen kann.

„Mir gefällt vor allem, dass ich keine Hausaufgaben mehr machen muss.“

Jonathan, Schüler

Schülersprecher Christoph Ruhs berichtete von einer Umfrage in der Schülerschaft, die auf eine positive Einstellung gegenüber dem neuen Konzept schließen lasse: „Vor allem der Wegfall des ungeliebten Vertretungsunterrichts wird positiv gesehen. Wenn ein Lehrer nicht da ist, können die Schüler einfach an ihren Lernplänen weiterarbeiten.“ Philippa aus der 6. Klasse fand die Umstellung nicht schwer: „Ich kannte das System schon von meiner Wochenplanarbeit an der Grundschule.“ Sie findet es gut, dass man in den Lernplan schaut, wenn man krank war, und so den versäumten Stoff nacharbeiten kann. „Die Zehn-Minuten-Pausen zwischen den Stunden sind praktisch“, sagt Kerstin aus der achten Klasse, „dann kann man entspannt den Raum wechseln und noch etwas essen.“ Trotz Ganztagsschule bleibe ausreichend Zeit für Spiel oder Sport am Nachmittag.

Jonathan (Klasse fünf) merkte an: „Mir gefällt vor allem, dass ich keine Hausaufgaben mehr machen muss. Man erledigt seine Aufgaben in der Schule und nicht zu Hause.“ Nie wieder Hausaufgaben – ist das tatsächlich schon Realität für die Gymnasiasten am Neandertal? Schulleiter Hans Gruttmann erklärt: „Nein, das bekommen wir noch nicht hin, dass alle es in der Zeit schaffen. Das Lernzeitenmodell gleicht unterschiedliche Arbeitsgeschwindigkeiten nicht auf Anhieb aus – wer vorher langsam gearbeitet hat, tut das jetzt auch noch. Es geht aber genau darum, diesen Faktor zu trainieren und Schüler dahin zu bringen, Zeit effektiver zu nutzen“, so Gruttmann. Für etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Schüler am Neandertal sind Hausaufgaben, die zuhause beendet werden müssen, derzeit noch Alltag.

Die Erfahrung von Schulen, die das Prinzip schon lange praktizieren, zeige allerdings, dass der Anteil mit der Zeit „deutlich zurückgeht“, so Gruttmann. Er zeigte sich nach den zehn Wochen, in denen das Konzept an seiner Schule praktiziert wird, recht zufrieden mit der Umsetzung. 2014 habe man sich in Sachen Lernzeitenmodell auf den Weg gemacht und für das laufende Schuljahr mit der Einführung geworben. Den Anmeldezahlen habe das nicht geschadet, es kämen mittlerweile auch Schüler von weiter weg nach Erkrath, etwa aus dem Düsseldorfer Süden. hup/Red

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