Pfarrer Ludwin Seiwert spricht in seinem Kursus auch über den Tod, den man sich als Mensch nicht recht vorstellen kann.

Interview
Pfarrer Ludwin Seiwert hat schon viele Menschen beerdigt.

Pfarrer Ludwin Seiwert hat schon viele Menschen beerdigt.

Achim Blazy

Pfarrer Ludwin Seiwert hat schon viele Menschen beerdigt.

Erkrath. Das Interesse an dem Bibelkursus von Ludwin Seiwert ist ungebrochen. Zu den Terminen ist die Heilig-Geist-Kirche in Hochdahl fast immer voll besetzt und der Diskurs teilweise sehr hitzig. Kommenden Montag geht es weiter. Thema ist der Tod.

Jeder Tag bringt irgendwo neue Tragödien. Kann ein existierender Gott das wirklich wollen?

Ludwin Seiwert: Es ist nicht immer leicht, an Gott zu glauben. Aber ich kann nicht Gott für alles verantwortlich machen, was Tag für Tag geschieht. Ich weiß nicht, warum Gott den Menschen so viel Freiheit gegeben hat. Aber jeder Mensch ist für sein Tun selber verantwortlich. Ich glaube, dass Gott mit vielem nicht einverstanden ist, was auf der Erde geschieht. Deshalb appellieren die Christen im Vaterunser an Gott: „Dein Wille soll geschehen!“

Manchmal folgt im Leben eine Hiobsbotschaft auf die nächste. Die Gottesbeziehung des frommen Hiob wurde dadurch auf die Probe gestellt. Wie soll der Mensch sich zu Gott stellen?

Seiwert: Nicht nur Hiobs Gottesbeziehung wurde auf die Probe gestellt. Jesus betete am Kreuz: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Er war von Gott bitter enttäuscht und hat trotzdem nicht von ihm losgelassen. Glauben heißt nicht, dass man auf alles eine Erklärung weiß. Sondern: dass man trotz allem versucht, an Gott festzuhalten.

Wie kann man mit dem eigenen Leid leben und welchen Trost kann es geben?

Seiwert: Freude und Leid gibt es in jedem Leben. Die Kunst besteht darin, im Glück nicht übermütig zu werden und im Leid nicht zu verzweifeln. Und man muss versuchen, tapfer zu sein. Jesus hat am Kreuz die dunkle Seite des Lebens erlitten. Erst Ostern hat er erfahren: Gott hat mich doch nicht verlassen.

Ein Mensch stirbt nach langem Leiden oder ein Kind nach einer schweren Krankheit. Was sagen sie denen, die ein solches Geschehen nur schwer fassen können und (ver)zweifeln?

Seiwert: Ich würde am liebsten gar nichts sagen. Aber ich würde den Menschen zeigen, dass ich bei ihnen bin und zu ihnen stehe. Und dass ich hoffe: So ist auch Gott! Er hält zu uns, auch wenn wir nicht immer zu ihm halten können.

Gott liebt die Menschen und hat dennoch den Tod gemacht?

Seiwert: Ich habe meine Eltern beerdigt und meine Schwester. Ich habe ganz viele Menschen beerdigt, gute Freunde, Kinder, Alte und Kranke. Auch solche, die mit ihrem Leben Schluss gemacht haben. Aber ich weiß nicht: Wie ist Sterben wirklich? Ich habe es ja noch nicht selber erlebt. Ich glaube, der Tod ist ganz anders als alles, was wir uns jetzt vorstellen. Man spricht wohl mit Recht vom „Geheimnis des Todes“.

Und worauf dürfen wir nach dem Tod hoffen?

Seiwert: Ich weiß es nicht, aber ich bin neugierig. Wir haben sicherlich auch nach dem Tod viel Freiheit und müssen nicht ja sagen zu Gott. Er wird uns zu nichts zwingen nach dem Motto: Ich nehme Dich, ob Du willst oder nicht.“ Möglicherweise wundere ich mich über die neuen Erkenntnisse, die ich dann in Gottes Gegenwart machen darf – und lächle über all die Dinge, die ich in meinen Bibelkurs so erzählt habe.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer