Erkrather Oberstufenschüler diskutierten mit Politikern von SPD, Grünen und CDU über gesellschaftspolitische Themen.

Bei der knapp vierstündigen Debatte im Gymnasium Neandertal ging es vor allem um das Turbo-Abi.
Bei der knapp vierstündigen Debatte im Gymnasium Neandertal ging es vor allem um das Turbo-Abi.

Bei der knapp vierstündigen Debatte im Gymnasium Neandertal ging es vor allem um das Turbo-Abi.

Matzerath

Bei der knapp vierstündigen Debatte im Gymnasium Neandertal ging es vor allem um das Turbo-Abi.

Erkrath. „Es ist verdammt schwer, sich in der kurzen Zeit den ganzen Lehrstoff reinzustopfen“, beklagte eine Schülerin aus der sogenannten Qualifizierungsstufe (Q1). „Käme G9 zurück, bräuchten wir nicht viel mehr Lehrer?“, fragte ein Mitschüler nach und was ist eigentlich mit dem Unterrichtsausfall? Im Medienraum am Gymnasium Erkrath hatten die Oberstufenschüler zusammen mit ihren Jahrgangskollegen aus Hochdahl die Politiker Christian Untrieser (CDU), Manfred Krick (SPD) sowie Peter Knitsch (Die Grünen) zur Diskussion eingeladen.

Vier Schüler dürfen schon an die Wahlurne gehen

Alle drei treten zur Landtagswahl im Mai an. „Wer von Ihnen ist wahlberechtigt“, fragte der Moderator zum Auftakt nach. Vier Finger hoben sich. Gesprächsbedarf hatte aber nicht nur dieses Quartett. Zu den weiten Feldern von Migration sowie Integration, Sicherheitspolitik und generellen Ausblicken in Sachen Chancen auf dem Arbeitsmarkt hatten sich die Q1er akribisch vorbereitet.

Einen thematischen Schwerpunkt bei der knapp vierstündigen Debatte bildeten natürlich das Turbo-Abi und die eventuelle Rückkehr zum alten und gerade erst eliminierten klassischen Abitur nach 13 Schuljahren. „Ich mache aus meinem Herzen keine Mördergruppe. Ich bin für G9“, plädierte Knitsch zur Rückkehr zum alten System. „Wir wollen keine starre Festlegung“, bekundete Manfred Krick. „Schüler sollen in Klasse 10 selbst entscheiden ob G8 oder G9“, ist er sich mit Christian Untrieser einig. Der CDU-Mann allerdings will die Weichen für diese Entscheidung früher stellen.

„Bei G8 traut sich doch keiner mehr, ein Auslandsjahr zu machen. Dabei bringt das total viel“, waren sich viele Schüler einig. „G8 hat keine Vorteile“, resümierte Hilary. Sie muss es wissen, ebenso wie Jelena und Jasmina (alle 17) wird sie im kommenden Jahr Abitur machen. Das Ziel ist fest gesteckt: „Ich will unbedingt einen guten Schnitt erreichen, um anschließend alle Möglichkeiten offen zu haben, meinen eigenen Weg gehen zu können.“

Auch Jasmina hat konkrete Pläne: „Ich möchte Jura studieren.“ Dieser Wunsch und exzellente Noten waren Gründe, warum sie von der Realschule aufs Gymnasium wechselte. Allerdings plädiert auch sie für G9: „Das ist jetzt echt ein enormer Leistungsdruck.“

In der Kürze der Zeit sein Schulpensum gut zu schaffen, stellt „vor Herausforderungen“, weiß auch Jelena, ebenso ambitioniert, „so gut wie möglich Abi zu machen“. „Freunde treffen oder ins Kino gehen, das geht nur am Wochenende“, beschreibt sie das Verhältnis von Lernpensum zu Freizeit.

Die Freundinnen kritisieren jenseits der aktuellen Abi-Diskussion noch mehr. Wer nicht das Gymnasium besuche, sei in der Gesellschaft stigmatisiert. „Man wird ganz schnell abgestempelt“, und dass es in Skandinavien nicht mehr klassische Schulfächer, sondern sozusagen themenübergreifende Projekte gibt, finden sie auch gut. „Das ist dann alles viel praxisorientierter. Das fehlt hier“, sind sie sich einig.

Thema war aber auch, ob die AFD wohl in den Landtag kommt und wie man mit ihr umgeht. „Sie muss man immer mit zur Diskussion bitten“, waren sich die drei Politiker einig. Im Gespräch würden sie ihre wahren Interessen offenbaren.

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