Initiative macht Bürger mobil. Die gefahrenen Kilometer reichen einmal um den Globus.

Initiative macht Bürger mobil. Die gefahrenen Kilometer reichen einmal um den Globus.
Wolfgang Peter sitzt regelmäßig hinter dem Steuer des Bürgerbusses.

Wolfgang Peter sitzt regelmäßig hinter dem Steuer des Bürgerbusses.

Stephan Köhlen

Wolfgang Peter sitzt regelmäßig hinter dem Steuer des Bürgerbusses.

Erkrath. Die Fahrer sind für Doris Bell schon fast wie alte Bekannte: „Jetzt, wo ich die Herren habe, nutze ich den Bürgerbus drei bis viermal pro Woche“, verrät die 82-Jährige, während sie am Haltepunkt Bouleplatz an der Gerberstraße wartet. Bis vor fünf Jahren habe sie noch selbst ein Auto gehabt. Doch ohne Fahrgelegenheit sei der Heimweg mit den alltäglichen Einkäufen beschwerlich.

„Ich wohne auf dem Berg, wo es keine Geschäfte gibt und sonst kein Bus fährt“, stellt Bell fest – und teilt dieses Schicksal mit vielen Erkrathern, die von den Fahrstrecken des öffentlichen Personennahverkehrs mehr oder weniger abgeschnitten sind.

Um diesem Problem zu begegnen, gründete sich im Jahr 2006 der Bürgerbusverein – und seit nunmehr fast sieben Jahren steuern die ehrenamtlichen Fahrer mit dem Kleinbus 40 Haltestellen in der ganzen Stadt an. Mehr noch: „Wir dürfen auch zwischen zwei Haltepunkten einmal stehenbleiben, um jemanden praktisch an der Haustür abzusetzen“, erklärt Wolfgang Peter. Der Vorsitzende des Vereins kann auf eine echte Erfolgsgeschichte verweisen: „17 181 Fahrgäste haben wir insgesamt bereits mitgenommen.“ Und im März knackte der Bürgerbus eine magische Grenze: Erstmals lösten 3000 Fahrgäste ein Ticket. „Sonst schwanken unsere monatlichen Zahlen immer zwischen 2700 und 2900“, erklärt Harald Mars, der wie Wolfgang Peter regelmäßig hinter dem Steuer des Busses sitzt und zudem die Vereinszeitung „Kleeblatt“ herausgibt. Und noch einen imposanten Fakt hat er mit einem Schmunzeln parat: „Legt man alle Kilometer zusammen, die wir im Jahr fahren, haben wir ungefähr einmal die Erde am Äquator umrundet.“ Einmal im Monat treffen sich die 17 Fahrer – unter ihnen viele Rentner, die einst in unterschiedlichsten Berufen arbeiteten – zur Gestaltung des Dienstplans. „Gefahren wird in drei Schichten“, so Mars. „Von 8 bis 11 Uhr, von 11 bis 15 Uhr und von 15 bis 18.30 Uhr.“

„Wir erleben sehr viel Dankbarkeit.“

Harald Mars, Bürgerbus-Fahrer

Unterstützung erhält die bürgerschaftliche Initiative von verschiedener Seite: Bei der Rheinbahn nahm der Verein ein Darlehen für den auf acht Personen ausgelegten Kleinbus auf, das er frühzeitig ablösen konnte. Und das Land Nordrhein-Westfalen fördert den Kauf eines neuen Busses mit 50 000 Euro. Die restliche Summe für das insgesamt gut 100 000 Euro teure Gefährt, das künftig mehr Platz für Rollatoren und Einkaufstrolleys bieten soll, übernimmt der Verein. Viele Sponsoren greifen der Buslinie unter die Arme. Aber auch die Bürger lassen sich nicht lumpen: So kämen zu den Fahrpreisen auch Trinkgelder hinzu, so Peter.

„Wir erleben sehr viel Dankbarkeit“, freut sich der pensionierte Lehrer: „Gönnt Euch doch mal was“, höre er immer wieder von Fahrgästen. Einmal im Jahr unternehmen die Fahrer, zu denen auch Vereinsgründer Jürgen Hampel weiterhin gehört, eine Wochenendtour. „Wir sind wie eine große Familie“, schwärmt Wolfgang Peter. Und so sei der Bürgerbus nicht nur für die Fahrgäste ein Gewinn, sondern auch für die Fahrer selbst: „Es macht uns einfach großen Spaß.“

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