Margit Seiwert hat für die ersten Wochen des Jahres ihr Atelier ins Kunsthaus verlegt. Dort können Gäste ihr über die Schulter schauen.

Im Kunsthaus in Erkrath lässt sich Margit Seiwert bei der Arbeit über die Schulter schauen.
Im Kunsthaus in Erkrath lässt sich Margit Seiwert bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Im Kunsthaus in Erkrath lässt sich Margit Seiwert bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Achim Blazy

Im Kunsthaus in Erkrath lässt sich Margit Seiwert bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Erkrath. Sehr überzeugend ist es der Gerresheimer Künstlerin Margit Seiwert gelungen, den von ihr gewählten Schautitel „Unsortiert“ im Kunsthaus praktisch umzusetzen. Gut die Hälfte ihres Gesamtwerkes hat sie dort in loser Ordnung an die Wände gebracht.

„Es entspricht auch meinem Wesen, etwas unsortiert zu sein“, lautet ihre Selbsteinschätzung. Gezeigt wird eine Werkschau mit Exponaten der vergangenen zwölf Jahre in Atelieratmosphäre samt Werktisch in der Raummitte. Der Kunsthaus-Vorsitzende Wolfgang Sendermann hat dieses Format des Neujahrsateliers bereits seit der Gründungszeit vor vier Jahren im Programm etabliert und gute Erfahrungen gemacht: „Man hat noch mal andere Möglichkeiten mit den Besuchern zu diskutieren, als bei einer normalen Ausstellung.“

Neben Sendermann selbst haben in den Vorjahren die Kunsthaus-Kreativen Hyacinta Hovestadt und Werner Rutz bereits ein solches Neujahrsatelier eingerichtet. Täglich verbringt nun Seiwert, die zum Gründungsvorstand des Kunsthauses gehörte, vier Stunden inmitten ihrer Bilder und die Zeit wird ihr dabei nicht lang: „Es war bislang ständig Betrieb. Es kommen Leute, die noch nie hier waren, weil sie sehen, dass Licht an und etwas los ist. Es kommen aber auch viele Freunde aus Düsseldorf. Die Resonanz ist gut.“

Ins Auge fallen sofort die leicht verfremdeten Stadtporträts von Köln, Berlin und München. In der Isarstadt wohnt Margit Seiwerts Tochter und darum ist sie dort oft malender Gast: „Ich male hauptsächlich auf Reisen, sei es in Städten oder in Landschaften.“ In Gemeinschaft mit Kunstfreunden bricht die Ruheständlerin bevorzugt zu Malreisen auf; etwa nach Salzburg oder auf die griechische Insel Patmos: „Dabei ist es mein Ziel, nicht postkartenähnlich zu gestalten und trotzdem ausdruckstark zu bleiben.“

„Ich demonstriere, wie sich die Farben, mit denen ich arbeite, verhalten.“

Margit Seiwert, Künstlerin

An dem Werktisch gibt Margit Seiwert Kurzeinführungen in ihre Techniken: „Ich demonstriere, wie sich die Farben beim Aquarell, mit dem ich vorwiegend arbeite, verhalten. Hierbei kann nicht immer völlig gezielt gemalt werden, weil es schlicht verläuft.“ Auch auf ihrem gerade neu angefangenen Blatt sei nicht abzusehen, ob sich daraus ein Bild entwickelt; aber es könne durchaus sein.

Neben Aquarellfarben des Unterfeldhauser Unternehmens Schmincke nutzt sie kreidige Gouache, weiße Tusche oder kräftiges Acryl, um Pigmenteffekte zu ändern oder Dynamiken einzufügen. Doch ihre Leidenschaft gilt den Wasserfarben, weil sie „so schön unberechenbar“ sind. Wegen der Saugfähigkeit sei Papier in der kräftigen Stärke von 600 Gramm pro Quadratmeter aus reiner Baumwolle für ihren Stil am besten geeignet. Eine Eigenerfindung ist die Entlehnung von Schaschlikstäben, die im Kochbedarf erhältlich sind, zum Pinselersatz. Mit diesen flexiblen Stangen lassen sich je nach Biegungsgrad dünne wie breite und gerade wie mäandernde Linien ziehen.

Zur Kunst kam Margit Seiwert vor zwölf Jahren ganz unverhofft. Im oberbayrischen Murnau wollte sie an einen Kursus im Schattenboxen teilnehmen. Dieser Kursus fiel aus, ersatzweise wurde stattdessen ein Malkurs angeboten. Interessiert nahm sie daran teil. In der aktuellen Ausstellung ist auch das damals dort entstandene Erstlingswerk zu sehen.

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