Die SPD konnte sich mit einem Antrag im Hauptausschuss nicht durchsetzen. Ein Gutachten gibt den Gegnern Recht.

Die SPD konnte sich mit einem Antrag im Hauptausschuss nicht durchsetzen. Ein Gutachten gibt den Gegnern Recht.
In Haan hatten sich im Februar 113 Schüler für die neue Gesamtschule angemeldet. Archiv

In Haan hatten sich im Februar 113 Schüler für die neue Gesamtschule angemeldet. Archiv

Olaf Staschik

In Haan hatten sich im Februar 113 Schüler für die neue Gesamtschule angemeldet. Archiv

Erkrath. Im Haupt- und Finanzausschuss wurde zum wiederholten Mal über die Einrichtung einer Gesamtschule in Erkrath diskutiert. Auslöser war der Schulentwicklungsplan, der vom Gutachterbüro GEBIT erarbeitet worden war und nach Beteiligung der Schulleitungen, der Stadtschulpflegschaft, der Schülerschaft und der Nachbarstädte nun beschlossen werden sollte. In seinem 184 Seiten starken Werk kommt das Gutachterbüro zu dem Schluss, dass es für eine Gesamtschule in Erkrath keine Ideallösung gebe und empfiehlt, diese Idee nicht weiter zu verfolgen.

Sozialdemokraten und Grüne werben für die Gesamtschule

Das sah die SPD-Fraktion anders. „Längeres gemeinsames Lernen wird immer mehr nachgefragt“, sagte Detlef Ehlert. „Es geht um das Kindeswohl“. Wenn Eltern ihre Kinder an Gesamtschulen in Nachbarstädten anmeldeten, entstünden nicht nur mehr Fahrtkosten. „Sie entziehen dem Kind auch sein soziales Umfeld“ argumentierte Reinhard Knitsch, dessen Grünen-Fraktion die SPD-Position unterstützt. Volker Teich brachte also die SPD-Anträge aus dem Schulausschuss vom Mai erneut ein, wonach eine Elternbefragung durchgeführt werden und außerdem der Schulentwicklungsplan jedes Jahr fortgeschrieben werden solle.

Für die Gegner einer Gesamtschule in Erkrath sprach Christian Ritt (BmU), der selbst Gesamtschullehrer ist. „Problematisch ist, dass eine Elternbefragung bindend wäre“, so Ritt. Sobald 100 der rund 350 betroffenen Eltern für eine Gesamtschule stimmen, müsse diese gemäß Landesgesetz geschaffen werden.

„Das ist nicht unbedingt demokratisch“, gab Ritt zu bedenken. Viele Eltern wünschten sich tatsächlich, dass ihr Kind auf eine Gesamtschule geht. „Dass dann aber zwei bis vier bestehende Schulen in Erkrath geschlossen werden müssten, das wissen die Eltern nicht, sonst würden sie es anders sehen“.

Die Gesamtschule in Hilden sei nicht wegen des längeren gemeinsamen Lernens so beliebt, sondern weil es eine Privatschule sei und das G9-System praktiziere. Da die neue Landesregierung die generelle Rückkehr zu G9 im Koalitionsvertrag festgeschrieben hat, fällt dieses Argument für Gesamtschulen künftig weg.

Gutachter prüften sechs Varianten und fanden viele Nachteile

Beigeordneter Ulrich Schwab-Bachmann zeigte sich leicht genervt. „Diese Diskussion haben wir jetzt seit 25 Jahren“ sagte er. „Wenn es Druck zu einer Gesamtschule gäbe, wäre es schon längst erfolgt“.

Die Gutachter hätten sechs Varianten einer Gesamtschule geprüft und zu viele Nachteile festgestellt. „Die Situation in Erkrath ist so kompliziert wie nirgendwo anders“, so Schwab-Bachmann. Und so wurden beide SPD-Anträge mehrheitlich abgelehnt.

Das Schulentwicklungsplan dagegen wurden positiv beschlossen, mit der Änderung, dass Kooperationen mit den Trägern der Gesamtschulen in den umliegenden Städten angestrebt werden sollen.

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