Unzufrieden mit der Politik, haben einige Männer 1877 den Bürgerverein Hochdahl gegründet.

historie
Diese Postkarte aus dem Jahr 1899, die damit 22 Jahre nach Gründung des Bürgervereins erschienen ist, zeigt prägnante Gebäude der damaligen Zeit wie den Gasthof zur Station Hochdahl (oben Mitte) oder das Restaurant zur Post (oben r.).

Diese Postkarte aus dem Jahr 1899, die damit 22 Jahre nach Gründung des Bürgervereins erschienen ist, zeigt prägnante Gebäude der damaligen Zeit wie den Gasthof zur Station Hochdahl (oben Mitte) oder das Restaurant zur Post (oben r.).

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Diese Postkarte aus dem Jahr 1899, die damit 22 Jahre nach Gründung des Bürgervereins erschienen ist, zeigt prägnante Gebäude der damaligen Zeit wie den Gasthof zur Station Hochdahl (oben Mitte) oder das Restaurant zur Post (oben r.).

Hochdahl. Sie sorgten sich um ihren Stadtteil. Sie wollten sich einmischen. Sie waren die Wutbürger des vergangenen Jahrhunderts. Vor 135 Jahren machten einige Männer in Hochdahl jedenfalls „Nägel mit Köpfen“. Sie gründeten einen Verein und nannten ihn „Bürgerverein Hochdahl“.

„Um die gemeinschaftlichen Interessen der in Hochdahl zusammenstoßenden Teile benachbarter Gemeinden zu pflegen und für die Zukunft die Schaffung einer Gemeindezugehörigkeit anzustreben“, so stand es in der ersten Satzung.

„Die Politiker entfernen sich vom Bürger.“

Friedrich Kampschulte, ehemaliger Vorsitzender der Bürgervereins

Umringt von wachsenden Ansiedlungen fürchteten die Vereinsgründer, vom städtebaulichen Fortschritt regelrecht verschlungen zu werden. Eine Befürchtung, die sich andernorts tausendfach zu bestätigen schien. Alte Gebäude wurden abgerissen, ganze Straßenzüge dem Erdboden gleichgemacht. Es war also durchaus angebracht, sich einzumischen.

Dabei ging es keineswegs darum, Unfrieden zu stiften. Im Gegenteil, im Mittelpunkt stand das Zusammengehörigkeitsgefühl. Ob am Stammtisch einer Wirtschaft oder im Wohnzimmer: Es wurde diskutiert und debattiert.

"Eine menschenwürdige Stadt wird uns nicht geschenkt, wir müssen sie erkämpfen“, schrieb Ralf Dantscher in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Vereins. Das galt in Gründerzeiten, und es gilt auch heute – 135 Jahre später – noch.

Wurden anfangs politische Belange ausdrücklich per Satzung ausgeschlossen, weil der Verein sich hauptsächlich um die Heimatpflege bemühen wollte, so hat sich das längst verändert.

„Wenn um 1900 die Rede von der Pflege deutschpatriotischer Gesinnung war und alle konfessionellen und politischen Erörterungen ausgeschlossen wurden, so ist dieser Standpunkt für mündige Demokraten des 20. Jahrhunderts nicht mehr tragbar“, kommentierte der damalige Vereinsvorsitzende 100 Jahre nach Vereinsgründung den Richtungswechsel.

Friedrich Kampschulte war der aufmerksame Beobachter

Einmischung in die Stadtentwicklung: Das wurde fortan zum vordringlichen Ziel. Ob Straßenplanung oder öffentlicher Nahverkehr, ob Bebauungsplanänderungen oder Betriebserweiterungen – mit dem langjährigen Vorsitzenden Friedrich Kampschulte hatte der Bürgerverein über viele Jahre hinweg einen aufmerksamen Beobachter.

1992 erhielt Kampschulte für sein ehrenamtliches Engagement das Bundesverdienstkreuz und nutzte die Gelegenheit, um sich zu Wort zu melden: „Die Politiker entfernen sich vom Bürger“, bemängelte er.

Skeptisch schaute er damals nach der Eröffnung der S-Bahn-Strecke auf den Durchgangsverkehr, der die Anwohner der Hauptstraße plagte. „Ein Zuhause ohne Lärm- und Abgasbelästigung für möglichst alle Bürger sollte endlich oberstes Ziel der Planung sein“, hat der Bürgerverein Hochdahl seit langem als Ziel formuliert.

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