Vor den Wahlen zu den Integrationsräten am 7. Februar ist in sieben Städten im Kreis Aufklärungsarbeit angesagt.

Mettmann. Etwa 54 000 Ausländer leben im Kreis Mettmann. Doch dies spiegelt bei weitem nicht die Zahl derer wider, die, wie es neudeutsch heißt, einen Migrationshintergrund haben. "Genau betrachtet gehört dazu jeder vierte Einwohner im Kreis. Entweder ist er seit 1960 selbst eingewandert oder hat einen Elternteil, der nicht in Deutschland geboren ist", sagt Daniela Hitzemann, Sprecherin der Kreisverwaltung.

Vor diesem Hintergrund erhalten die Wahlen der Integrationsräte oder -ausschüsse, die zeitgleich am 7. Februar in sieben Städten durchgeführt werden, eine besondere Bedeutung.

Die Integrationsräte, die in der Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen für alle Gemeinden mit mehr als 5000 Ausländern festgeschrieben sind, sollen Interessenvertretungen und Anlaufstelle für die Migranten sein. Sie werden an der Stadtratsarbeit beteiligt und bei allen die Integration berührenden Tagesordnungspunkten gehört.

Der in Mettmann lebende Türke Ali Kuran, der sich seit 30 Jahren im dortigen Integrationsrat engagiert, bringt die Bedeutung der Einrichtungen auf einen einfachen Punkt: "Wenn wir ein kommunales Wahlrecht für die Migranten bekommen, brauchen wir keine Integrationsräte mehr."

Bruno Pascali sieht die Integrationsräte als wichtige gesellschaftliche und demokratische Einrichtungen: "Sie sind nicht nur soziale Hilfseinrichtungen, sondern sollen die Menschen am öffentlichen Leben beteiligen." Pascali ist nicht nur in der Langenfelder Intergrationsarbeit aktiv, sondern verkörpert sprachlich schon selbst ihren Erfolg. In seinen italienischen Akzent mischt sich immer wieder deutlich rheinischer Zungenschlag. "Wir haben bisher versäumt, den Menschen zu erklären, wofür die Integrationsräte da sind und dass es sie überhaupt gibt", sagt er.

Integrationsräte müssen in Gemeinden mit mehr als 5000 ausländischen Einwohnern eingerichtet werden und bei mindestens 2000 ausländischen Einwohnern, wenn das mehr als 200 Wahlberechtigte beantragen.

Alle Ausländer ab 16 Jahren, die sich seit mindesten einem Jahr rechtmäßig in Deutschland aufhalten (im Kreis Mettmann 34617), und Deutsche, die vor maximal fünf Jahren eingebürgert wurden.

In den Integrationsrat gewählt werden kann jeder Bürger ab 18 Jahren.

Ein Problem, dass auch Guiseppe Maddente aus Mettmann kennt. Er hat sogar schon mehrmals erlebt, dass die Migranten die Integrationsräte mit dem Ausländeramt verwechseln. "Wenn wir sie dann weiter verweisen und sie keine Hilfe finden, sagen sie uns, dass sie nicht mehr wählen gehen."

2004 lag die Wahlbeteiligung nur bei acht bis 15 Prozent

Im Kreis gibt es nur in Haan, Wülfrath und Heiligenhaus keine Integrationsräte. Allerdings gibt es in Wülfrath ein Integrationsforum und in Heiligenhaus einen Arbeitskreis. In Haan wird im Stadtrat über die Einführung eines Gremiums für die Interessen der Ausländer beraten.

Dass die Wahlen der Integrationsräte in Erkrath, Hilden, Langenfeld, Mettmann, Ratingen, Velbert und Monheim auf einen Tag gelegt wurden, soll ihnen mehr Beachtung und so möglichst eine größere Wahlbeteiligung bringen. Denn 2004 waren es nur zwischen acht und 15 Prozent, die zur Urne gingen.

Dieses Mal können sich erstmals auch Menschen, die innerhalb der vergangenen fünf Jahre eingebürgert wurden, in das Wählerverzeichnis eintragen lassen. Auch ein Grund, warum Ali Kuran optimistisch ist: "Diesmal hoffen wir auf 20 Prozent."

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