Kreis Mettmann. Beamte der Autobahnpolizei Düsseldorf haben am Dienstagnachmittag bei einer Kontrolle in der Autobahnausfahrt Langenfeld, Fahrtrichtung Köln, zwei Männer festgenommen.

Im Kofferraum ihres Wagens wurden Utensilien zur Ausspähung von Kundendaten an Geldautomaten gefunden - wie Werkzeug, Mobiltelefone, Klapprechner, Navi- Geräte, Ladegeräte, Datenspeicher und Tastaturen für Geldwechselautomaten.

Trotz umfangreicher Ermittlungen konnte den beiden Männern ein EC-Kartenbetrug nicht nachgewiesen werden. Sie wurden am Abend wieder auf freien Fuß gesetzt. Jetzt hoffen die Beamten der Kreispolizei auf die noch ausstehende Auswertung der sichergestellten Datenträger und Computer.

Die Fallzahlen dieses Deliktes stiegen in den vergangenen Jahren deutlich. Allein 2007 betrug die Steigerung 50 Prozent. Noch deutlicher ist der Anstieg bei der Manipulation von Geldausgabeautomaten: In Nordrhein-Westfalen die Anzahl der gemeldeten Manipulationen an Geldausgabeautomaten und Türöffnern von 85 Fällen im Jahr 2006 auf 191 Fälle in 2007.

Bundesweit wurden der Polizei 459 Fälle von manipulierten Geldausgabeautomaten gemeldet. Nach den bisherigen Erkenntnissen handelt es sich überwiegend um organisiert vorgehende ausländische Tätergruppen, die mit den ausgespähten Daten Geld vom Konto des Opfers abheben.

Mit den ausgespähten Daten fertigen die Täter eine Kopie der EC-Karte, mit der sie dann im Ausland Bargeld abheben. Eine Geldabhebung in Deutschland ist aufgrund einer Prüfung durch die Geldausgabeautomaten nicht möglich.

Für die Herstellung einer EC-Kartenkopie benötigen die Täter die Daten des Magnetstreifens der EC-Karte und die PIN (vierstellige Geheimnummer). Um in den Besitz der Daten auf dem Magnetstreifen zu kommen, bringen die Täter zusätzlich einen manipulierten Kartenleser vor dem Original des Geldausgabeautomaten an.

Diese Kartenleser sind optisch dem jeweiligen Modell des Geldautomaten angepasst und so gebaut, dass die eingeschobene EC-Karte zum originalen Kartenleser weiter transportiert wird. So können die Daten des Magnetstreifens ausgelesen werden, ohne dass die Bedienung des Geldautomaten beeinträchtigt und der Kunde misstrauisch wird.

Eine andere Variante ist die Manipulation des Kartenlesers am Türöffner der Filiale. Entweder verwenden die Täter hierzu ebenfalls Aufsatzgeräte oder bauen in die häufig nicht ausreichend gesicherten Gehäuse einen weiteren Kartenleser ein. Äußere Merkmale einer Manipulation der Türöffner sind häufig nicht erkennbar.

Um an die für eine Abhebung zwingend erforderliche Pin zu gelangen, wird diese bei der Eingabe durch den rechtmäßigen Kartennutzer am Geldautomaten von einem Täter ausgespäht, mit einem über der originalen Tastatur angebrachten Tastaturnachbau gespeichert oder mit einer Videokamera aufgezeichnet.

Am häufigsten ist der Einsatz einer Videokamera, die oberhalb der Tastatur, seitlich am Geldautomaten oder an der Raumdecke angebracht ist. Eine vollflächige Abdeckung des Tastaturfeldes mit der Hand kann das Ausspähen der Pin- Eingabe wirkungsvoll verhindern.

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