Die Bergische Kaffeetafel hat Tradition. Die richtige Zusammenstellung des „Koffeedrenkens mit allem dröm und dran“ muss aber unbedingt eingehalten werden.

Sie ist keine einfache Kaffeekanne aus Zinn, sondern die Königin der Bergischen Kaffeetafel: die „Dröppelmina“ auf drei Füßen und mit kleinem Kran.
Sie ist keine einfache Kaffeekanne aus Zinn, sondern die Königin der Bergischen Kaffeetafel: die „Dröppelmina“ auf drei Füßen und mit kleinem Kran.

Sie ist keine einfache Kaffeekanne aus Zinn, sondern die Königin der Bergischen Kaffeetafel: die „Dröppelmina“ auf drei Füßen und mit kleinem Kran.

Sie ist keine einfache Kaffeekanne aus Zinn, sondern die Königin der Bergischen Kaffeetafel: die „Dröppelmina“ auf drei Füßen und mit kleinem Kran.

Kreis Mettmann. Für Touristen, Zugereiste oder Neubürger mag sie auf den ersten Blick ein wenig befremdlich wirken, doch sie gehört zur Region wie der Matjes zu den Niederlanden: die Bergische Kaffeetafel.

Ihren Ursprung hat sie - zumindest darin sind sich die Heimatforscher sicher - in den wichtigen Festen wie den Kindstaufen und Hochzeiten im 19.Jahrhundert. Ob sie im Bergischen, das neben der Eifel zu den ärmeren Regionen im Rheinland gehörte, immer so üppig ausgefallen ist - darüber gibt es keine einheitlichen Aufzeichnungen. Fest steht nur, dass die Gastgeber alles auf den Tisch brachten, was die Speisekammer und der Keller so hergab.

Nur nicht auf die Kalorien achten, sondern genießen

Denn schließlich ist die Kaffeetafel auch als "Koffeedrenken mit allem dröm on draan" ein Begriff geworden. Und dieses Drum und Dran hat es kalorienmäßig in sich: Rosinenhefestuten verschiedene Brotsorten in Schwarz und Grau, Butter, Quark, Käse, Wurst und Schinken, Milchreis mit Zucker und Zimt, die süßen Burger Brezeln und natürlich die Bergischen Waffeln. Waffeln, die, wenn sie traditionell sein sollen, aus Hafermehl hergestellt und warm gegessen werden.

Bei so viel kulinarischer Vielfalt gibt es zum Abschluss - und zur besseren Verdauung - einen bergischen Klaren oder Aufgesetzten.

Doch was wäre eine Kaffeetafel ohne Kaffee? Zu dieser Gelegenheit kommt im Bergischen die "Dröppelmina" - für manche die " Königin der Kaffeetafel" - zum Einsatz. Die birnige Kaffeekanne, die auf drei Füßen steht und einen kleinen Kran hat, zeugt von trockenem Humor.

Bis heute ist die "Dröppelmina" ein unverzichtbarer Bestandteil der Bergischen Kaffeetafel, des beliebten "Koffeedrenkens met allem dröm on dran". Die seit Generationen überlieferte Kaffeetafel, eine üppige Mahlzeit, nimmt keine Rücksichten auf Kalorien oder Joules. Es gibt Rosinenstuten, Milchreis mit Zimt und Zucker, Honig, deftiges Schwarzbrot, Quark ("Klatschkäs"), Butter, Burger Brezeln und Waffeln. Man bestreicht den Stuten mit Butter und Honig und türmt darauf den Reis mit Zucker und Zimt. Danach isst man das Schwarzund Graubrot mit dem deftigen Belag. Die Waffeln müssen immer heiß verzehrt werden.

Viele Restaurants im Bergischen Land bieten die Kaffeetafel an. Wer es aber historisch mag, kann sich an das Niederbergische Museum in Wülfrath wenden. Dort wird die Kaffeetafel nach Voranmeldung dienstags, mittwochs und samstags durchgeführt. Sie dauert insgesamt zwei Stunden von 14.30-16.30 Uhr. Kosten: 13 Euro, (Telefon: 02058/ 782 66 90). Aber auch der Heimatverein "Aule Mettmanner" lädt nach vorheriger Anmeldung montags bis donnerstags ab 14.30 Uhr zur Kaffeetafel. Es müssen sich mindestens zwölf Personen anmelden. Kosten: 7,50 Euro, (Telefon 02104/ 74 738).

Weil sich der Kaffeesatz in dem Ausfluss festsetzte und verstopfte, dröppelte (tröpfelte) die Kanne nach einiger Zeit. Und hinter Mina verbirgt sich die Kurzform der Wilhelmine, ein häufiger Name der Dienst-mädchen in der damaligen Zeit.

Dabei ist ausgerechnet das Prunkstück auf der Tafel überhaupt nicht bergisch. Die Kaffeekanne stammt nämlich aus den Niederlanden, fand aber über Handelsbeziehungen und niederländische Wanderarbeiter Einzug in die bergischen Haushalte.

Ein Ausdruck für Gastfreundschaft

Die Bergische Kaffeetafel ist Ausdruck der Gastfreundschaft dieser Region und ersetzte im ursprünglichen Sinne ein ganzes Mittagessen. Wer sich also im Niederbergischen Museum in Wülfrath an die Bergische Kaffeetafel niederlässt - dieses kulinarisch-museale Angebot gibt es dort drei mal in der Woche ab 14.30 Uhr - sollte zuvor nicht viel gegessen haben. In der behaglichen Atmosphäre des bäuerlichen Kaminraumes oder bürgerlichen Barockraumes wird nämlich gut aufgetafelt. "Bis zu 300 Gruppen haben wir im Jahr", berichtet Karin Klosterreit.

Doch bevor die Teller und Tassen klappern, erfahren die Museumsbesucher erst einmal ein paar geschichtliche Hintergründe der "Original Bergischen Kaffeetafel" und ihres wichtigsten Gerätes, der "Dröppelmina". Und diese ist natürlich nicht so alt wie die Geschichten.

"Es gibt im Oberbergischen noch eine Firma, die die ,Dröpelmina’ produziert", so Karin Klosterreit. Zur Erinnerung: Die Zinngießerei war ein eigenständiges Handwerk, die Zinngeräte das "Tafelsilber" der bergischen Hausfrau. 1981 schloss der letzte Zinngießer in Wuppertal seine Werkstatt.

Mit zunehmendem Wohlstand wurde auch die Tafel vielseitiger. Rodonkuchen und Ballbäuschen (kleine, in Fett gebackene Teigbällchen) haben an vielen Kaffeetafeln Einzug gehalten. In neuerer Zeit wird die Kaffeetafel ganz entgegen der Tradition mit anderen Köstlichkeiten wie Konfitüre, gedünstete Sauerkirschen, Schnittkäse, Schinken und Wurst erweitert.

Kein Pardon hingegen gibt es beim Ablauf: Mit dem Rosinen-stuten, der dick mit Butter und Honig bestrichen wird. Bedeckt wird das Ganze mit Milchreis, Zucker und Zimt. es folgen die herzhafteren Brotsorten, belegt mit Käse, Quark oder Wurst.

Danach folgt mit der Burger Brezel wieder etwas Süßes. Und natürlich die Waffeln, die wesentlicher Bestandteil der Bergischen Kaffeetafel sind, und gegessen werden, sobald sie aus dem Waffeleisen kommen. Dass aus der "Dröppelmina" während der ganzen Zeit ein möglichst starker Kaffee ausgeschenkt wird, versteht sich fast von selbst.

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