Michael Baaske ist bereits als junger Mann der Faszination von Filmstar Marlene Dietrich erlegen.

So antwortet die Dietrich auf die Bitte um ein Treffen: „Sie müssen wohl sehr jung sein, um zu denken, dass ich fremde Menschen empfange oder anrufe! Lesen Sie lieber meine Bücher!“  Fotos (2): Dirk Thomé
So antwortet die Dietrich auf die Bitte um ein Treffen: „Sie müssen wohl sehr jung sein, um zu denken, dass ich fremde Menschen empfange oder anrufe! Lesen Sie lieber meine Bücher!“ Fotos (2): Dirk Thomé

So antwortet die Dietrich auf die Bitte um ein Treffen: „Sie müssen wohl sehr jung sein, um zu denken, dass ich fremde Menschen empfange oder anrufe! Lesen Sie lieber meine Bücher!“ Fotos (2): Dirk Thomé

Fries, Stefan (fr)

So antwortet die Dietrich auf die Bitte um ein Treffen: „Sie müssen wohl sehr jung sein, um zu denken, dass ich fremde Menschen empfange oder anrufe! Lesen Sie lieber meine Bücher!“ Fotos (2): Dirk Thomé

Ratingen. Die Schenkel lasziv übereinandergeschlagen, die Lider leicht gesenkt, der Gesichtsausdruck zwischen erotisch und blasiert – es ist das Bild, das wohl die meisten im Kopf haben, wenn sie an die Filmdiva Marlene Dietrich in „Der blaue Engel“ denken. Und dieses Antlitz kühler Schönheit fasziniert Michael Baaske. Der Ratinger kann gar nicht genug kriegen von der Dietrich. Sie findet sich bei ihm zu Hause überall: Auf Postkarten, Tellern, Tassen, Plakaten, Schallplatten und Alben.

Mein ungewöhnliches Hobby

Seit den 1970er-Jahren sammelt Baaske alles rund um die Dietrich, die für ihn der „Inbegriff des Art déco“ ist: „Damals habe ich im Stadttheater gearbeitet und Programme verkauft. Da lernte ich eine Autogrammsammlerin kennen, die mir die Adresse der Dietrich in Paris gab.“

Ein Glück für Baaske, der die Diva seit seiner Jugend verehrt. „Ich habe schon in jungen Jahren gerne ihre Chansons gehört. Während andere Deep Purple oder Status Quo gehört haben, war es bei mir die Dietrich. Ich war einfach fasziniert von dieser Frau, ihrer Androgynität und perfekten Inszenierung.“

Eines Tages schrieb er seiner „Göttin“, die sich in ihr Appartement in der Avenue Montaigne in Paris bis zu ihrem Tod zurückgezogen hatte und bat sie um ein Treffen. Er bekam auch Antwort. Und die war sehr deutlich. Auf einer Karte mit ihrem Bild stand: „Sie müssen wohl sehr jung sein, um zu denken, dass ich fremde Menschen empfange oder anrufe! Lesen Sie lieber meine Bücher.“

Sauer war er über die Antwort nicht: „Ich habe mich ja gefreut, dass sie mir überhaupt ein paar Zeilen hat zukommen lassen.“ Und es waren nicht die einzigen: Denn Baaske schrieb der Dietrich regelmäßig. Er schickte ihre Fotografien von ihr, die er auf Antik- und Flohmärkten gekauft hatte.

„Ich unterschreibe nur meine Fotos“

Michael Baaske ist in Ratingen geboren und arbeitet bei der Stadt Ratingen als Sozialpädagoge. Neben seiner Leidenschaft für Marlene Dietrich geht er gerne in Ausstellungen, fährt Rad, kocht und wandert.

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Und sie antworte ihrem Verehrer in Deutschland. Meistens war nur ein Autogramm auf den Karten, „manchmal hat sie aber auch ein paar Kommentare dazu geschrieben. Diese Karten sind eigentlich auch die Lieblinge meiner Sammlung, weil ich die spröde preußische Art, die ja auch sehr sarkastisch ist, an ihr mag.“ Einmal schrieb er der Dietrich einen Brief mit einem Foto von sich selbst. Eine Unterschrift bekam er aber nicht: Die Diva antworte in ihrer barschen Art: „Ich unterschreibe nur meine Fotos.“

Im Laufe der Jahre hat Baaskes Sammlung eine beachtliche Größe angenommen. Mehr als 220 handsignierte Karten befinden sich in seinem Besitz. Auch Pumps der Dietrich hat er erstanden. „Die hat sie irgendwann bestellt, dann aber wieder zurückgegeben, weil sie zu groß waren.“

Neben Schellackplatten mit den Chansons zählt Baaske aber eines der letzten Bilder der Dietrich zu seinen Schätzen. Die Aufnahme ist im Jahr 1973 entstanden. „Der Stern hatte sie in den 1980er-Jahren veröffentlicht. Ich habe das Magazin dann angeschrieben. Sie haben es mir auch geschickt“, sagt er stolz.

Mittlerweile ist Michael Baaske als Verehrer der Dietrich bekannt. „Einige schicken mir unaufgefordert Bilder, die sie von der Dietrich haben“, sagt er. Und auch das Deutsche Filmmuseum, die Stadt Berlin und das Hotel Adlon, in dem die Dietrich gerne nächtigte, waren und sind im regen Austausch mit dem Ratinger. „Manche hatten auch mal gefragt, ob ich nicht Teile meiner Sammlung für eine Ausstellung zur Verfügung stelle.“

Michael Baaske will keine Reliquien sammeln

Eine besondere Karte, ein Album oder Accessoire der Diva vermisst er nicht in seiner Sammlung. „Ich bin ja kein Reliquiensammler“, sagt Baaske. Dennoch habe er immer ein wachsames Auge, wenn es um die Dietrich geht. Und das ein oder andere kann ich gerne noch in meine Sammlung aufnehmen.“

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