„Galgen, Rad und Scheiterhaufen“ heißt die Ausstellung, die am Samstag im Neanderthal Museum eröffnet wird.

Dieser Scheiterhaufen wurde nach der Betriebsanleitung eines Scharfrichters nachgebaut. „Hingerichtet“ wurde eine Schweinehälfte.
Dieser Scheiterhaufen wurde nach der Betriebsanleitung eines Scharfrichters nachgebaut. „Hingerichtet“ wurde eine Schweinehälfte.

Dieser Scheiterhaufen wurde nach der Betriebsanleitung eines Scharfrichters nachgebaut. „Hingerichtet“ wurde eine Schweinehälfte.

Privat

Dieser Scheiterhaufen wurde nach der Betriebsanleitung eines Scharfrichters nachgebaut. „Hingerichtet“ wurde eine Schweinehälfte.

Mettmann. Menschen mit schwachen Nerven seien vorgewarnt: Wer in den kommenden Monaten den Schritt in die aktuelle Sonderausstellung "Galgen, Rad und Scheiterhaufen" wagt, begibt sich in die Gefahr von immer wiederkehrenden Alpträumen. Denn die "Einblicke in Orte des Grauens" hinterlassen beim Betrachter Spuren. Aufgespaltete Schädel, abgeschlagene Hände und die Werkzeuge der Scharfrichter machen klar, dass dem menschlichen Einfallsreichtum in Sachen Hinrichtungen kaum eine Grenze gesetzt war.

Geschichtsforschung über Richtstätten

"In den vergangenen Jahren gibt es immer mehr Richtstättenarchäologie. Und weil es im Neanderthal Museum immer wieder Ausstellungen aus der Schnittmenge Archäologie, Anthropologie und Geschichte gegeben hat, lag es nahe, dieses Thema einmal aufzuarbeiten", begründet die stellvertretende Direktorin Bärbel Auffermann den Schritt auf die dunkle Seite der Geschichte.

Das Neanderthal Museum hat nichts unterlassen, um dem Besucher eine Mischung aus Information und - in diesem Fall - düstere Unterhaltung zu bieten. Der Pranger am Museuemseingang mag da noch harmlos wirken und zum Fotografieren einladen. Doch wer im Halbdunkel unterm Galgen steht, wird seine nächsten Schritte behutsamer machen. Sei es auf dem "Galgenweg" - diese Straße in Erkrath gibt es wirklich - oder die Treppe hinab ins Kabinett des Schreckens.

Dort erwarten den Besucher nicht nur eine Moorleiche, sondern ein ganzer Friedhof hingerichteter Menschen. Die anthropologischen Untersuchungen an den Skeletten von Hinrichtungsstätten geben Auskunft über Sterbealter, Geschlecht, Hinrichtungsart, Ernährungszustand und Krankheiten der Verurteilten.

Bei der Auswahl der Folterwerkzeuge wird es schon gruselig genug, doch wenn es um die Hinrichtungen geht, dann sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Enthaupten mit Schwert oder Beil, Rädern oder das Erhängen - um einen Menschen ins Jenseits zu befördern, gibt es genügend Möglichkeiten.

Als Testobjekt diente eine Schweinehälfte

"Galgen, Rad und Scheiterhaufen - Einblicke in Orte des Grauens" ist von heute bis 27. Juni zu sehen. Öffnungszeiten: täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr.

30. April, 19 Uhr: "Mörderisches zur Hexennacht - Über abgründige Poesie und giftige Leidenschaften", Britta von Anklang als sopranöse Täterin und Sabine Paas als unheimliche Vorleserin, Eintritt zwölf Euro; 28. Mai, 18 bis 24 Uhr: Museumsnacht mit Henkergeschichten und Galgenliedern, Eintritt frei; 16. April, 18 bis 21 Uhr: Kinder-Raben-Nacht, ab 8 Jahre, fünf Euro; 31. März und 8. April, jeweils 18.30 Uhr: einstündige Taschenlampenführung durch die Ausstellung, Erwachsene zahlen acht, Kinder vier Euro; Sonntagsmatineen, jeweils von 12.00 bis 13.00 Uhr, drei Euro pro Person; 28. Februar, 27. Juni "Galgen und Richtstätten - Archäologie auf den Spuren der Henker " Führung durch die Ausstellung

Eintritt einzeln fünf, zur gesamten Vortragsreihe zehn Euro: 24. Februar, 19 Uhr, Thomas Becker: Hexen im Rheinland; 17. März, 19 Uhr, Stefan Leenen: Von Macht und Mord - Friedrich von Isenberg und der Kölner Erzbischof; 28. April, 19 Uhr, Stephanie Marra: Mit den Waffen der Justiz - Strafe und arme Sünder in Mittelalter und Früher Neuzeit.

"Todesstrafe" in Zusammenarbeit mit amnesty international, empfohlen für Schüler der Jahrgangsstufen 8 und 9: 4. März von 10 bis 12 Uhr, Führung durch die Sonderausstellung mit anschließendem Vortrag und Gespräch, 3,50 Euro; 24. März, 28. April und 9. Juni von 10 bis 13 Uhr, Führung durch die Sonderausstellung, anschließend Vortrag zur aktuellen Situation der Todesstrafe und Kunstaktion, 7,50 Euro.

Mehr als nur wissenschaftliche Neugierde muss das Team um den Archäologen und Ausstellungsnmacher Jan Graefe schon getrieben haben, um ein Scheiterhaufenexperiment durchführen zu können. Aufgrund der sehr ausführlichen Betriebsanleitung des Lemgoer Scharfrichters Johann Clausen aus dem Jahr 1842 baute das Team in einer Sandgrube in Oerlinghausen einen Scheiterhaufen nach. Als "Opfer" diente eine 60Kilogramm schwere Schweinehälfte.

"Der Aufbau hat zwei Stunden gedauert. Gebrannt hat der Scheiterhaufen dann vier Stunden", erzählt Jan Graefe. Das Experiment des Neanderthal Museums ist bislang einzigartig, da es sich auf eine historische Quelle bezieht und die Verbrennung als Hinrichtungsart als Untersuchtungsobjekt hatte.

Hinweise auf die Aktualität des Themas Todesstrafe

Das Experiment ist auch das einzige aktuelle Anschauungsobjekt des Grauens. Bewusst konzentriert sich die Ausstellung auf die Hinrichtungen des Mittelalters und Exekutionen des 18.Jahrhunderts. Es wäre ein Leichtes gewesen, mit entsprechenden Exponaten den Bogen bis in die Gegenwart zu spannen. Doch hier reichen die Hinweise, dass das Thema Todesstrafe noch immer aktuell ist. Dank einer Kooperation mit der Menschenrechtsorganisation Amnesty International werden diese Daten auch in der Ausstellung dokumentiert.

Geblieben ist nämlich auch der Voyeurismus an Hinrichtungen. Pilgerten damals die Menschen zu den Hinrichtungsstätten vor den Stadtmauern, so klicken die Zeitgenossen von heute im Internet entsprechende Videos an. So 1,5 Millionen Mal geschehen mit der Hinrichtung von Saddam Hussein...

Anzeige

 

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer