Max Maurer (20) ist einer von 110 jungen Leuten im Kreis Mettmann, die sich für den Bundesfreiwilligendienst gemeldet haben.

Max Maurer arbeitet bei den Johannitern im Behindertenfahrdienst.
Max Maurer arbeitet bei den Johannitern im Behindertenfahrdienst.

Max Maurer arbeitet bei den Johannitern im Behindertenfahrdienst.

Stefan Fries

Max Maurer arbeitet bei den Johannitern im Behindertenfahrdienst.

Kreis Mettmann. Dass sein Wecker seit dreieinhalb Monaten morgens um 6 klingelt, daran hat sich Max Maurer immer noch nicht gewöhnt. „Das war schon eine große Umstellung“, sagt der 20-Jährige, der seit Oktober bei den Johannitern im Kreis Mettmann arbeitet – als sogenannter „Bufdi“ wie diejenigen genannt werden, die sich zum Bundesfreiwilligendienst gemeldet haben. Sieben weitere „Bufdis“ leisten mit ihm den freiwilligen Dienst.

„Ich finde es nicht schlecht, wenn man auch mal etwas Soziales nach der Schule macht.“

Max Maurer

Seine Schicht beginnt in dieser Woche um 7 Uhr. Im Einsatz ist er derzeit im Behindertenfahrdienst. Dabei will er später gar nicht im sozialen Bereich arbeiten. „Ich habe ein Wirtschaftsabitur gemacht. Da ich aber noch nicht wusste, wo es beruflich hingehen soll, entschied ich mich für den Bundesfreiwilligendienst. Ich finde es nicht schlecht, wenn man auch mal etwas Soziales nach der Schule macht.“

Mit dieser Einstellung ist Maurer nicht alleine. Laut Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben arbeiten bereits mehr als 27 000 Menschen im Bundesfreiwilligendienst. Im Kreis Mettmann sind es 110.

Wegfall des Zvildienstes nicht ausgeglichen

Für die Wohlfahrtsverbände sind die „Bufdis“ wichtig, da sie seit Aussetzen der Wehrpflicht in vielen Arbeitsbereichen auf Zivis verzichten müssen. Und auch wenn das Bundesamt die Zahl der Zivildienststellen mit deren der „Bufdis“ nicht vergleichen will („weil das zwei völlig verschiedene Dinge sind)“, steht doch fest: Die Löcher, die durch den Wegfall des Zivildienstes bei vielen caritativen Einrichtungen gerissen wurden, können durch den Bundesfreiwilligendienst (noch) nicht gestopft werden.

Beispiel Diakonie: Dort arbeitet noch gar kein „Bufdi“. Früher gab es aber etliche Zivis. Friedrich Schutte, Geschäftsführer der Diakonie im Kreis Mettmann, geht von 150 Zivis aus, die in der 50-jährigen Zivi-Ära allein in den Ratinger Einrichtungen beschäftigt waren. „Bevor wir einen ,Bufdi’ einstellen können, sind noch einige Fragen zu klären. So schnell, wie der Bundesfreiwilligendienst eingerichtet wurde, konnten wir Träger das gar nicht umsetzen“, sagt Schutte.

Der Bundesfreiwilligendienst ist keine Pflicht, sondern ein Angebot.

Er dauert in der Regel ein Jahr, kann aber auf zwei Jahre verlängert oder auf sechs Monate verkürzt werden.

Bis zu 330 Euro im Monat. www.freiwilligendienst.de

Er rechnet damit, dass die ersten „Bufdis“ am 1. Juli ihren Dienst aufnehmen. „Sie werden in anderen Bereichen arbeiten als die Zivis. Die konnten wir auch in unattraktiven Bereichen einsetzen, weil das eine Pflichtveranstaltung war“, sagt er. Den „Bufdis“ hingegen müsse man das erst schmackhaft machen.

Kritik an der Einführung durch die Bundesregierung

Bei der Awo im Kreis Mettmann waren rund sieben Zivis beschäftigt, jetzt gibt es einen „Bufdi“, der in einer Seniorenbegegnungsstätte in Monheim arbeitet. „Wir hatten nicht viele Interessenten“, sagt Geschäftsführer Rainer Bannert. „Das ist auch alles sehr schnell und ohne Vorbereitung seitens der Regierung eingeführt worden“, bemängelt er.

Der Personalmangel hat schon Konsequenzen gehabt. „Wir mussten das Essen auf Rädern teurer machen. Die Arbeit erledigen nun 400-Euro-Kräfte.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer