Auch ein Jahr nach der Einführung ist das Bildungspaket noch nicht bei den Berechtigten angekommen.

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Nachgeholfen: Auch Lernförderung ist Bestandteil des Bildungspakets und wird damit vom Staat bezahlt.

Nachgeholfen: Auch Lernförderung ist Bestandteil des Bildungspakets und wird damit vom Staat bezahlt.

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Nachgeholfen: Auch Lernförderung ist Bestandteil des Bildungspakets und wird damit vom Staat bezahlt.

Kreis Mettmann. Jedes Kind soll in einem Sportverein aktiv sein können, ein Musikinstrument lernen, wenn es das will, in der Mittagspause ein Essen bekommen und Nachhilfe erhalten. Das Bildungspaket soll’s ermöglichen.

Seit dem 1. April vergangenen Jahres können Eltern, die Hartz-IV, Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen, einen Antrag auf Leistungen aus dem Bildungspaket stellen. Bei den Sozialämtern der Städte, des Kreises Mettmann und bei Bildungsanbietern und Vereinen machte sich allerdings Frust breit, weil niemand so recht wusste, wie Anträge zu bearbeiten sind und wer die Leistung eigentlich erhält. Etliche Eltern, die einen Antrag gestellt hatten, warteten wochenlang, bis der Bewilligungsbescheid ins Haus flatterte.

„Das Bildungspaket ist bürokratischer Unsinn.“

Eckhard Löwenstein, Sozialamt Ratingen

Knapp ein Jahr später sieht ist kaum besser aus. Von den 20 000 Berechtigten im Kreis Mettmann, die Leistungen beantragen könnten, haben nach Angaben des Kreissozialamtes bisher lediglich 9000 das Bildungspaket genutzt. Insgesamt wurden 13 841 Anträge gestellt.

„Der Kreis und die Städte haben schon reagiert. Schulsozialarbeiter wurden und werden noch eingestellt, die das Bildungspaket bei Eltern bekannter machen sollen“, sagt Birgit Jommersbach, Koordinatorin für das Bildungspaket beim Kreis Mettmann.

Mittlerweile werden die Anträge schneller bearbeitet als im vergangenen Jahr. Dies bestätigten nicht nur Sozialämter auf WZ-Nachfrage, sondern auch die Anbieter. „Die Eltern, die Hartz-IV beziehen, bekommen schneller ihren Bewilligungsbescheid“, sagt Britta Schipperges aus Mettmann, die in ihrer Lernpraxis Kinder und Jugendliche fördert. „Aber bis sie ihr Geld bekommen, dauert es sehr lange.“

Mit dem Bildungspaket sollen Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien unterstützt werden. Bezuschusst werden Angebote aus den Bereichen Kultur, Sport, Freizeit, Schulbedarf, Schülerbeförderung, Lernförderung, Mittagessen in Schule und Kindergarten sowie Ausflüge und Klassenfahrten.

 

Im Kreis Mettmann sind nach Angaben des Kreissozialamtes rund 20 000 Personen berechtigt, Leistungen aus dem Bildungspaket beantragen zu können. Rund 13200 von ihnen sind Hartz IV-Empfänger. 2011 wurden rund 1,2 Millionen Euro für Leistungen aus dem Bildungspaket gezahlt.

Warum dies so ist, kann Bernhard Hildebrandt, stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters ME-aktiv, nicht klären. „Davon habe ich keine Kenntnisse. Mir liegen hierzu keine Rückmeldungen vor.“

Eckhard Löwenstein, stellvertretender Sozialamtsleiter aus Ratingen, merkt an, dass die Bearbeitung schneller läuft. „Bei uns liegen keine unerledigten Unterlagen“, sagt er. Von 800 Berechtigten haben bis jetzt 300 Anträge auf Leistungen gestellt.

Kritik an der zeitlichen Befristung

Löwenstein bezeichnet das Bildungspaket als „bürokratischen Unsinn“, weil viele nur kurz Leistungen erhalten würden, „wenn sie beispielsweise nur ein halbes Jahr Wohngeld beziehen. Dann bekommen Berechtigte auch nur ein halbes Jahr Leistungen aus dem Bildungspaket. Für viele Kinder ist das eine zu kurze Zeit, in der sie unterstützt werden.“

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