Im Frühling sammeln Bienen wieder Honig. Und die Königinnen schwärmen aus zu den Drohnen. Die Imker im Kreis Mettmann sind schon voller Vorfreude auf die erste Honigernte.

Tiere
Imker Volker von Schintling schaut, ob bei seinen Bienen alles in Ordnung ist.

Imker Volker von Schintling schaut, ob bei seinen Bienen alles in Ordnung ist.

Simone Bahrmann

Imker Volker von Schintling schaut, ob bei seinen Bienen alles in Ordnung ist.

Kreis Mettmann. Bei Volker von Schintling summt es wieder ordentlich – und er strahlt über das ganze Gesicht, wenn er seine Bienen sieht: Der Imker aus Ratingen liebt seine Insekten, und jetzt im Frühling bekommt er sie wieder häufiger zu Gesicht als in den Wintermonaten.

Regelmäßig nimmt von Schintling sein Werkzeug, eine Zange und eine Rauchpumpe, in die Hand, und besucht seine sechs Bienenvölker, die auf einer Wiese vor seinem Haus stehen. Er schaut dann nach, ob bei seinen Lieben auch alles in Ordnung ist. „Das wichtigste ist jetzt im Frühling zu gucken, ob die Bienen Krankheiten haben oder von Milben befallen sind“, sagt er. Dies sei nämlich die größte Gefahr, die die Tierchen hätten. Und wenn nicht alles im Staat in Schuss ist, dann wird es auch nichts mit dem Honig in diesem Jahr.

„Honig ist ein Naturprodukt. Es gibt selten ein Lebensmittel, das so rein ist.“

Volker von Schintling

Schintling ist nach Angaben des Kreisimkerverbands Mettmann einer von 350 Imkern in der Region. Angefangen hatte er seinen Job als Imker vor rund zehn Jahren. Ein Freund von ihm war Imker und hatte ihn auf den Geschmack gebracht. Als dieser aus Altersgründen aufhörte, hat von Schintling die Völker seines Freundes übernommen. Am Anfang waren es nur drei, mittlerweile hat er sechs Bienenvölker mit insgesamt 1,2 Millionen Bienen. Wie für die meisten seiner Kollegen im Kreis Mettmann war die Imkerei mehr ein Hobby neben seinem Beruf. Jetzt ist von Schintling im Ruhestand, und die Imkerei ist zu einer Hauptbeschäftigung geworden.

Und er hat was von seinem Einsatz für die summenden Tiere: ihren Honig. Den findet von Schintling richtig klasse und isst ihn täglich. „Das ist einfach ein Naturprodukt. Sie finden kein anderes Lebensmittel, dass dermaßen rein ist“, schwärmt er. 300 Gläser Honig erntet Schintling im Sommer und dann noch einmal kurz, bevor die Bienen in den Winterschlaf gehen.

Das ist in der Regel Ende Oktober, ist aber sehr von der Witterung abhängig. Denn die Tiere mögen es puschelig warm und werden ein wenig ungehalten, wenn es zu frostig wird. Deshalb stellen sie ab einer Temperatur von etwa zehn Grad das Fliegen ein und sind eigentlich nur noch mit einer Sache beschäftigt: ihre Königin zu wärmen. Die will es nämlich warm haben – satte 35 Grad findet die Monarchin ideal.

Der Imker erwartet ein regelrechtes Summkonzert

Bienen sammeln Nektar von Blüten und speichern ihn in der Honigblase. Während des Flugs zum Bienenstock geben sie Enzyme hinzu. Dabei entziehen sie dem Nektar Teile des Wassers. Im Stock übergeben sie ihn an andere Bienen. Der unreife Honig wird dann als Tropfen an den Wänden von Honigzellen gelagert. Durch Verdunstung und Weitertransport verliert er noch mehr Wasser. Fällt dessen Anteil unter 18 Prozent, wird die Zelle mit Wachs verschlossen.

Im Kreis Mettmann sind rund 350 Imker registriert. In NRW widmen sich gut 5000 Imker mit fast 61 000 Völkern der Bienenzucht. Pro Volk gibt es bis zu 40 Kilo Honig.

Ungefähr 50 000 bis 250 000 Arbeitsbienen leben im Sommer in einem Volk. Das erste Mal wird ihre süße Arbeit Ende Mai geerntet.

Um die Temperatur zu erreichen, drängen sich die Insekten in das Innere ihres Bienenstocks und sammeln sich zu einem Pulk zusammen. Wenn es draußen dann wieder wärmer wird, der Sommer vor der Tür steht und es im Stock zu heiß zu werden droht, machen die Bienen es umgekehrt. „Dann verteilen sie sich im Stock. Einige Bienen fliegen aus, um Wasser anzuschleppen, dass sie dann in den Stock bringen und mit Flügelschlägen verdunsten“, erklärt von Schintling.

Und jetzt im Mai ist ordentlich was los im Garten des Imkers. Denn im Wonnemonat schwärmen die Königinnen zum Hochzeitsflug aus und paaren sich mit den Drohnen, damit es auch wieder ordentlich Nachwuchs im Staat gibt. Von Schintling hat sechs Königinnen – für jedes der sechs Völker eine. „Das ist dann ein regelrechtes Summkonzert, wenn die losfliegen“, sagt er.

Der Imker aus Ratingen rechnet neben den Hochzeitsflügen seiner beflügelten Majestäten noch mit weiteren Ausflügen – zumindest von zwei Königinnen. „Sie werden noch in diesem Sommer ihr Volk verlassen. Das machen die Königinnen, damit sich der Schwarm vermehrt. Aus einem Volk werden dann zwei“, sagt von Schintling. Und wenn die Königin wegfliegt, dann ist Platz für eine neue Majestät.

Bienen verlieren die Harmonie, wenn die Königin nicht mehr da ist

Und die haben die Bienen, noch bevor ihre alte Königin sich aus dem Staub gemacht hat, vorher schon auserkoren – zumindest die Wabe, die sie mit dem berühmten Gelee Royal füttern. Denn eine Woche bevor die Königin ihr Volk verlässt, spüren die restlichen Bienen schon, dass sich ihre Monarchin davon machen will. Dann gibt es für sie nur ein Ziel: Eine neue Königin heranzuziehen. Ist sie dann geschlüpft, beruhigt sich die Lage im Stock und es herrscht wieder Harmonie.

„Generell muss ich aber sagen, dass Bienen friedliche Tiere sind und auch nicht ohne Grund stechen. Es sind liebevolle Wesen, die unserer Natur viel Gutes tun. Ohne sie gebe es sie gar nicht“, sagt von Schintling, schaut zu seinen Binenkörben und lächelt. Und weil er seine Tiere so liebt, hat er auch eine Bitte: „Ich würde mich freuen, wenn nicht alles zugebaut wird und wenn die Leute ihre Wiese nicht immer abmähen. Die Bienen brauchen die Blüten, um deren Nektar sammeln zu können. Dann gibt es auch leckeren Honig.“

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