Der älteste Kolpingverein existiert in Mettmann. Langenberg, Hilden und Neviges feiern in diesem Jahr das 150-jährige Bestehen.

Kreis Mettmann. Es war eine Zeit des Umbruchs, als Adolph Kolping Mitte des 19. Jahrhunderts die Gründung der ersten katholischen Gesellenvereine betrieb: Der Geistliche hatte vor dem Theologiestudium zehn Jahre lang als Schuhmacher nur zu gut die Nöte der Gesellen kennengelernt. In den Vereinen fanden die jungen Handwerker, die oft noch als wandernde Gesellen unterwegs waren, einen Rückhalt, Hilfe bei Problemen und die Möglichkeit zur Fortbildung.

36 Langenberger Handwerker
gründeten im Januar 1859 den Verein

In diesem Sinne entstand vor 150Jahren auch in Langenberg ein katholischer Gesellenverein, der heute als Kolpingsfamilie sein Stiftungsfest feiert. Zehn Schreiner, je sechs Schuhmacher, Schneider und Weber, dazu Bandwirker, Sattler, Maurer und Konditor, und sogar der heute noch unter dem Namen "Tut-Welm" bekannte Postillion des Ortes sollen zu den 36 Gründungsmitgliedern gehört haben, die den Verein am 16. Januar 1859 aus der Taufe hoben.

"Wir haben riesengroßes Glück, dass unsere Geschichte von Anfang an lückenlos dokumentiert wurde", sagt Schriftführer Horst Heidrich. Vom Protokoll der Gründungsversammlung bis zur aktuellen Vorstandssitzung liegt alles vor. Besonders stolz ist der Langenberger auf die von Kolping persönlich unterschriebene Stiftungsurkunde, die er sorgsam unter Verschluss hält.

Weiteres Zeugnis ist die Fahne, die der Mütterverein noch im Gründungsjahr stiftete. Vor allem die Annalen aber sind eine Fundgrube, die nicht nur das Vereinsleben, sondern auch einen guten Teil Gemeindegeschichte wiederspiegeln.

Die Bedeutung von Bildung hatte Kolping schon vor 150 Jahren erkannt. So standen auch in Langenberg Lehrgänge aller Art für die jungen Burschen auf dem Programm, angefangen bei berufsbezogenen Kursen über gesellschaftspolitische Themen bis zur Staatsbürgerkunde. Der Präses - meist Kaplan oder Pfarrer - sorgte als geistlicher Begleiter für die religiöse Schulung.

Zum Bezirksverband Mettmann gehören heute zwölf Kolpingsfamilien (darunter auch Kettwig) mit rund 1300 Mitgliedern. Die Bezirksverbände Mettmann-Nord und Mettmann-Süd haben sich zu Beginn dieses Jahres zusammengeschlossen. Lediglich in Haan und Monheim ist Kolping nicht vertreten. Gleich drei Familien zählt Velbert. Ältester ist der 1857 gegründete Verein in Mettmann. Nach Langenberg feiern in diesem Jahr noch Neviges und Hilden ihr 150-jähriges Jubiläum. Als jüngste Kolpingfamilie wurde 1951 Lintorf aus der Taufe gehoben.

Adolph Kolping war Kaplan in Elberfeld, als er dort 1847 zum Präses des ein Jahr zuvor auf Betreiben des Lehrers Johann Gregor Breuer gegründeten Jünglingsvereins wurde. Vor allem junge Handwerker kamen in dem später umbenannten "Katholischen Gesellenverein" zusammen, in dem Hilfe bei sozialen und persönlichen Problemen ebenso wie Bildungsarbeit und Geselligkeit obenan standen. 1849 gründete Kolping den ersten Gesellenverein in Köln. Bei seinem Tod im Jahre 1865 gab es bereits mehr als 400 Vereine in ganz Europa. Heute zählt das Kolpingwerk weltweit in 58 Ländern rund 550 000 Mitglieder.

Daneben engagierten sich die Mitglieder auf vielfältige Weise in der Pfarrei: Es gab eine Gesanggruppe, aus der später der Kirchenchor erwuchs, und eine Turnabteilung. Erträge der Laienspielschar flossen anno 1900 in den Guss der Josefsglocke für die neue Pfarrkirche St.Michael.

Heute sind die Kolpingfamilien
offen für alle Interessierten

Dem Bildungsauftrag folgte auch die Gründung einer eigenen Bücherei, die später an die Pfarre überging. Das von der Kolping-Jugend initiierte Kinderfest lebt bis heute als Michaelskirmes weiter. Darüber hinaus unterstützten die Langenberger über Jahre hinweg ein Entwicklungshilfeprojekt in Brasilien.

Gesellschaftspolitisches Engagement zählt bis heute zu den Maximen, betont Bezirksverbandsvorsitzender Klaus Schmitz. So betreibt Kolping in Velbert gemeinsam mit dem Sozialdienst katholischer Frauen und Männer (SkFM) allein fünf Kindertagesstätten. Längst sind die Kolpingsfamilien - seit 1970 werden auch Frauen aufgenommen - offen für alle Interessierten, völlig unabhängig vom Beruf, so der Velberter.

Bildung spielt weiterhin eine große Rolle: So bietet das Kolpingsbildungswerk in Köln ein breites Angebot, angefangen bei berufsvorbereitenden Maßnahmen für Jugendliche über Weiterbildung für Erwachsene bis etwa zu Computerkursen für Senioren. In Vorträgen vor Ort nehmen sich die Vereine aktueller Themen an.

Und wenn auch die wandernden Gesellen heute längst die Ausnahme sind: Die Kolpingshäuser sollen heute noch stets eine Übernachtungsmöglichkeit für die Burschen auf der Walz vorhalten, so Schmitz.

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