Berater der Sparkasse verkauften Versicherungen an Menschen ohne Bleiberecht.

Ratingen. Der materielle Schaden ist gering, der Imageschaden groß. Mitarbeiter der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert (HRV) der Filiale Tiefenbroich haben aus dem Kosovo stammenden Asylbewerbern, die Flüchtlingsunterkünften im Ortsteil leben, in mehreren Fällen Versicherungen, Riester-Verträge und Bausparverträge verkauft.

Das wurde bei einer Ortsbesichtigung der Unterkünfte bekannt. Die Verträge sollen inzwischen annulliert worden sein. Um solche Pannen künftig zu vermeiden, haben Sparkasse und Caritas vereinbart, die Mitarbeiter der Filialen im Umfeld der Unterkünfte speziell zu schulen.

Caritas spricht von Einzelfällen

Es soll sich um mehrere „Einzelfälle“ gehandelt haben, sagte Martin Sahler, Abteilungsleiter Integration bei der Caritas. Die Betroffenen wollten in der Zweigstelle ein Konto einrichten.

Die Adresse der Flüchtlingsunterkunft ist im Ortsteil Tiefenbroich wohlbekannt. Deshalb sei es nicht nachvollziehbar, dass diesen Menschen, die in der Regel kaum Deutsch sprechen, lesen und schreiben können, solche Verträge „aufgeschwatzt“ wurden, schrieb Christian Wiglow, Fraktionsvorsitzender der SPD, in einem Brandbrief an den Sparkassenvorstand. Der Unsinn von Riester-Renten und Bausparverträgen für Menschen, deren Aufenthalt nur vorläufig ist, „müsste sich doch jedem erschließen.“

Monatlich fünf Euro Beitrag für eine Rente von 9,58 Euro pro Monat

In einem konkreten Fall war eine Riester-Rente für eine 20-Jährige abgeschlossen worden, für die vierteljährlich 15 Euro eingezahlt werden mussten, und die ab 2050 zu einer monatlichen Rente von 9,58 Euro geführt hätte. Bei einer Abschiebung wäre das eingezahlte Geld komplett verloren oder nur mit Verlust zurückzuholen gewesen, kritisierte Sahler.

Sparkassen-Vorstand Wolfgang Busch sagte, dass vom Beratungsansatz keine Fehler gemacht worden seien: Niemand werde wegen seiner Adresse diskriminiert. Dass die Verträge gar nicht hätten abgeschlossen werden dürfen, weil Asylbewerber keine Sparguthaben besitzen dürfen, hat Landtagsabgeordnete Elisabeth Müller-Witt (SPD) herausgefunden. Sie hat durch Vermittlungsgespräche geholfen, die „Missverständnisse“ zu klären und die Schulung eingefädelt.

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