In simplen Situationen geraten Menschen in Panik. In der Selbsthilfegruppe suchen sie Kontakt.

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Solche Angsträume sind für die Betroffenen nicht zu überwinden.

Solche Angsträume sind für die Betroffenen nicht zu überwinden.

Uwe Schinkel

Solche Angsträume sind für die Betroffenen nicht zu überwinden.

Kreis Mettmann. Die erste Panikattacke kam aus heiterem Himmel. Vor ein paar Jahren, als Anneliese G. (Name von der Redaktion geändert) mit dem Auto zum Supermarkt fuhr. Ganz plötzlich brach ihr der Schweiß aus, ihre Hände zitterten, sie musste rechts ran fahren und dachte nur: "O Gott, ich sterbe". Wie lange es gedauert hat, weiß sie nicht mehr. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor. Ganz langsam beruhigte sie sich wieder und dachte immer daran, was ihr alles hätte passieren können: Wenn sie ohnmächtig geworden wäre, hätte sie womöglich die Kontrolle über das Steuer verlieren und sich selbst und andere zu Tode fahren können. Fortan fuhr sie nur noch mit dem Bus in die Stadt oder zur Schule, um ihre Tochter abzuholen.

Möglichst nah am Ausgang sitzen, um die Flucht ergreifen zu können

Die nächste Panikattacke ließ nicht lange auf sich warten. Hinzu kam die ständige Angst vor dem Alleinsein. Im Kino musste sie immer nahe am Ausgang sitzen, um möglichst schnell die Flucht ergreifen zu können. Schwindelattacken machten lange Spaziergänge unmöglich, so dass sich Anneliese G. kaum noch vor die Tür wagte.

Diese und ähnliche Geschichten sind den Mitgliedern der Selbsthilfegruppe "Angst und Panik" bestens vertraut. Alle zwei Wochen treffen sie sich in Mettmann in den Räumlichkeiten der Selbsthilfekontaktstelle, um sich über ihre Erfahrungen im Umgang mit der Angst auszutauschen. Die Tür steht immer offen, da einige Teilnehmer Panik in geschlossenen Räumen bekommen.

Andere wiederum fürchten sich vor schweren Krankheiten, die oft schon durch einfache Symptome ausgelöst werden. Aus Kopfschmerzen wird ein Gehirntumor, aus Beklemmungen und Schmerzen in der Herzgegend sofort ein Herzinfarkt.

Günther H. wird von der ständigen Angst geplagt, etwas vergessen oder falsch gemacht zu haben. Sein Kontrollzwang gefährdet mittlerweile sogar seinen Arbeitsplatz. Seinem Chef will er sich nicht anvertrauen: "Bei der Arbeit muss man funktionieren. Es gibt genug Leute, die meinen Job von heute auf morgen übernehmen können", fürchtet er den Verlust des Arbeitsplatzes.

Angststörungen sind längst weit verbreitet und trotzdem immer noch ein Tabuthema. Die Übergänge zwischen kleinen, alltäglichen Ängsten und echten Angsterkrankungen sind fließend. Oft erkennt sie noch nicht mal der Hausarzt, und viele Betroffene haben eine jahrelange medizinische Odyssee hinter sich. Andere wiederum gehen gar nicht erst zum Arzt, weil sie Angst haben, mit dem Stigma des psychisch Kranken versehen zu werden. Während man mit einer einfachen Phobie vor Spinnen oder engen Räumen noch halbwegs gut zurechtkommt, bringt eine Angststörung das Alltagsleben völlig durcheinander.

Jede Anforderung wird zur unüberwindbaren Hürde, Familienangehörige sind oft hilflos und überfordert. Die Selbsthilfegruppe bietet in solchen Fällen vor allem eines: Hilfe und Unterstützung für die Betroffenen.

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