Mit Infoständen will die Caritas-Suchthilfe besonders Jugendliche vor den Gefahren des Alkohols und die Folgen warnen.

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Partystimmung am Wochenende: Dabei trinken Jugendliche häufig nicht nur einen über den Durst.

Partystimmung am Wochenende: Dabei trinken Jugendliche häufig nicht nur einen über den Durst.

Simone Bahrmann

Partystimmung am Wochenende: Dabei trinken Jugendliche häufig nicht nur einen über den Durst.

Kreis Mettmann. Die Mischung aus Ginger Ale, Kirschsaft und einem Schuss Zitrone ist ein guter Köder. "Oh, der ist lecker!", findet Duc, der mit Sarah und Alina angeschlendert ist. Die beiden haben gerade ihren allerletzten Schultag beendet, jetzt nippen sie an dem Strohhalm im Plastikbecher, den ihnen Beatrix Neugebauer in die Hand gedrückt hat. Sie möchte mit den Jugendlichen im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche "Alkohol? Kenn’ dein Limit" über Alkoholmissbrauch sprechen und tastet sich langsam heran: "Kennt ihr denn Leute, die zu viel trinken?" Natürlich kennen sie welche. Jeder kennt sie. Duc erzählt von seinem Bruder, die Mädchen vom Trinkgelage im Park. Sie haben damit aber nichts zu tun, beteuern sie.

"Ich hab mal Wodka probiert, der kratzt aber zu sehr im Hals"

Auch die anderen Jugendlichen, die am Stand der Caritas-Suchthilfe in der Wülfrather Fußgängerzone stehen, halten betont wenig vom Alkohol. Daniel (15): "Ich hab mal Wodka probiert, der kratzt aber zu sehr im Hals." Aber in seiner Klasse sei ein Mädchen, das regelmäßig trinke. "Die ist sogar mal betrunken zur Schule gekommen."

Den Infostand mit kostenlosen alkoholfreien Cocktails schlägt die Caritas am Mittwoch (17.6.) von 10 bis 12 Uhr auf dem Mettmanner Marktplatz auf. Um 18 Uhr zeigt sie in der Nordstraße 2a in Wülfrath einen Film über den Alkoholkonsum bei Jugendlichen, anschließend ist Gelegenheit zur Diskussion. Der Film wird auch am Donnerstag (18.6.) um 18 Uhr gezeigt, dann in Mettmann, Johannes-Flintrop-Straße 19. Auch die Klinik Langenfeld des Landschaftsverbandes Rheinland beteiligt sich an der Aktion. Da die Suchtambulanz aber in Solingen beheimatet ist, gibt es dort auf dem Platz vor den Clemens-Galerien am Samstag, 20. Juni, um 16 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema. Zudem wird sich die Suchtambulanz der LVR-Klinik ab 14 Uhr an einem Informationsstand mit ihrem Angebot vorstellen.

Region Ratingen: Diakonie im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann Angerstraße 11, 40878 Ratingen, Telefon 02102/109118; Region Velbert/Heiligenhaus: Diakonisches Werk im Kirchenkreis Niederberg, Bahnhofstraße 36, 42551 Velbert, Telefon 02051/95 22 52; Region Wülfrath/Mettmann: Caritasverband für den Kreis Mettmann, Nordstraße 2, 42489 Wülfrath, Telefon 02058/7802 0; Region Hilden: Sozialpädagogische Einrichtung Mühle, Marktstraße 5, 40721 Hilden, Telefon 02103/54011; Region Langenfeld/Monheim: Arbeiterwohlfahrt Kreisverband, Friedenauer Straße 17a, 40789Monheim, Telefon 02173/ 50788

Das macht auch Suchtberaterin Neugebauer betroffen. "Wir beobachten, dass es immer mehr Jugendliche gibt, die ganz schnell ganz viel Alkohol trinken", sagt sie. Auch seien es die Eltern, die sie zur Hilfe rufen, weil sie ihren volltrunkenen Kindern hilflos gegenüber stehen. "Wir werden auch in Klassen gerufen, wenn mal wieder eine Klassenfahrt wegen Alkohol den Bach runter gegangen ist." Und auch Stephan Falley, Leiter der Caritas-Suchthilfe, ist alarmiert: "Die Zahl der Jugendlichen, die uns von Gerichten zugewiesen werden, hat sprunghaft zugenommen." 63 Fälle waren es 2008 in seinem Bereich, ein Plus von etwa 50 Prozent - und nur die Spitze des Eisbergs. Und trotzdem gibt es in der Arbeit der Beratungsstellen immer wieder unverständliches Kopfschütteln. "Während die Eltern sofort bei uns in der Beratungsstelle sind, wenn ihre Kinder Cannabis konsumieren, scheint das Thema Alkohol erst einmal keine Rolle zu spielen. Viele Eltern denken wohl, dass das nur eine Phase ist, die wieder vorübergeht", sagt Henning Klöppelt, Leiter der "Mühle" in Hilden.

Für viele Jugendliche ist das Thema Gesundheit uninteressant

Die sozialpädagogische Einrichtung nimmt diesmal aus personellen Gründen nicht an der Aktionswoche teil, macht aber den Alkoholkonsum von Jugendlichen bei Schulveranstaltungen immer wieder zum Thema. "Es ist sehr schwierig, Jugendliche in dem Alter zu erreichen. Für viele ist alles rund um die Gesundheit uninteressant", so Klöppelt. Erschreckend sei, dass es heute gleich die harten Sachen sein müssen, mit denen sich Jugendliche vor Disco-Besuchen "anglühen", sprich warmtrinken. Und diese "Sauf-Partys" werden zunehmend von Jugendlichen selbst als Film in die Internetportale gestellt. Der riskante Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen ist immer häufiger ein Grund für Krankenhausbehandlungen. Als Träger von Fachkrankenhäusern bietet der Landschaftsverband in allen LVR-Kliniken Hilfen an - mit speziellen Abteilungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie wie die Suchtambulanz. Nach Auskunft des LVR sei aber eine reine Alkoholabhängigkeit von Jugendlichen eher die Ausnahme. Ungeachtet ihres Alters seien viele der jugendlichen Patienten bei ihrer Aufnahme bereits von einer oder mehreren Substanzen abhängig.

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