Turbo-Abitur: Eine mögliche Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren halten Gymnasialleiter zum jetzigen Zeitpunkt für den falschen Weg.

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Während an den Gymnasien gerade der erste G8-Jahrgang in der Oberstufe angekommen ist, hat die rot-grüne Landesregierung eine erneute Diskussion über das Turbo-Abitur angestoßen.

Während an den Gymnasien gerade der erste G8-Jahrgang in der Oberstufe angekommen ist, hat die rot-grüne Landesregierung eine erneute Diskussion über das Turbo-Abitur angestoßen.

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Während an den Gymnasien gerade der erste G8-Jahrgang in der Oberstufe angekommen ist, hat die rot-grüne Landesregierung eine erneute Diskussion über das Turbo-Abitur angestoßen.

Kreis Mettmann. Wird es neben dem Turbo-Abi bald wieder eine langsamere Gangart an den Gymnasien geben? Geht es wahlweise zurück von der verkürzten Schulzeit (G8) hin zu neun Jahren bis zur Reifeprüfung? Es gibt einen Vorstoß der neuen Landesregierung, es den Gymnasien, sprich: Schulkonferenzen, einmalig selbst zu überlassen, ob sie das Abitur nach zwölf oder 13Jahren anbieten wollen. Dies kommt zu einer Zeit, in der der erste G8-Jahrgang gerade in der Oberstufe angekommen ist. Was halten Schulleiter im Kreis Mettmann davon?

Wir haben uns auf G8 eingestellt, mit G8 gearbeitet, und das soll jetzt auch Früchte tragen."

Bernhard Römmler, von-Weizsäcker-Gymnasium Ratingen

"Um Gottes willen jetzt nichts ändern", sagt Werner Schumacher-Conrad, Leiter des Velberter Nikolaus-Ehlen-Gymnasiums. "Ich kann verstehen, dass das Turbo-Abitur negativ besetzt ist, weil es im Hauruck-Verfahren eingeführt wurde. Aber nun haben wir Lehrpläne und Förderprogramme, wir haben sogar den Stundenrhythmus an unserer Schule umgestellt. Nun sollte man das erst einmal durchlaufen lassen." Das meint auch Axel Plitsch, Leiter des Gymnasiums in Velbert-Langenberg: "Der Vorstoß kommt zur Unzeit. Mir wäre es lieber, wenn wir endlich mal Ruhe hätten, um das jetzige System umzusetzen. Dann kann man sich in einigen Jahren einen Termin setzen, um zu überprüfen, ob es sich bewährt hat."

Erika Winkler, Leiterin des Gymnasiums Wülfrath, hält ebenfalls nichts davon, den G8-Prozess jetzt wieder rückgängig zu machen, "wobei ich nicht weiß, wie es die Eltern sehen". Sie regt an, dass man das eingeleitete Verfahren "erst einmal zu Ende bringt und man nicht schon wieder auf ein neues Pferd springt".

"Wir wurden mit G8 ins kalte Wasser geworfen und haben uns damit anfreunden müssen. Mir würde es grausen, wenn wir jetzt wieder zu G9 zurück müssten. Das gäbe nur noch mehr Probleme", sagt Detlev Lewen, Leiter des Kopernikus-Gymnasiums in Ratingen-Lintorf. Wer unbedingt G9 haben möchte, habe ja Alternativen - die Gesamtschule. "Wir haben uns auf G8 eingestellt, mit G8 gearbeitet, und das soll jetzt auch Früchte tragen", so sieht es Bernhard Römmler, Direktor des Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasiums Ratingen. Beides - G8 und G9 - anzubieten hält er für unwirtschaftlich und nicht praktikabel.

"Wir haben das selbst aus der Presse erfahren. Es gibt nichts Offizielles aus dem Schulministerium", sagt Hagen Bastian, Leiter des Monheimer Otto-Hahn-Gymnasiums. Deshalb könne er sich auch noch nicht wirklich verantwortungsvoll äußern. "Da müssen doch aus Düsseldorf erst einmal Bedingungen genannt werden. Wie ist das mit der Lehrerzuteilung? Wie sollen die neuen Lehrpläne aussehen? Das ist doch ein Stochern im Nebel."

Genau diese Fragen möchte auch Dieter Smolka, Leiter des Gymnasiums Hochdahl in Erkrath, erst beantwortet bekommen. Eine Richtung möchte der Direktor für die Beratung in den Entscheidungsgremien nicht vorgeben: "Es gibt gute Argumente für beide Lösungen." Auch das Gymnasium am Neandertal in Alt-Erkrath will erst einmal auf das offizielle Signal des Ministeriums warten. Katy Wenning, stellvertretende Direktorin, sagt: "Es gibt ja noch gar keine Aufforderung, das zu diskutieren."

"Ich persönlich halte es für sehr problematisch, jetzt wieder zu G9 zurückzurudern", sagt Rudolf Kirschner, Leiter des Konrad-Heresbach-Gymnasiums in Mettmann. In sieben, acht Jahren könnte über das Für und Wider gesprochen werden. "Bis dahin sollten wir G8 erst einmal laufen lassen," so Kirschner.

"Was ist, wenn ein Kind auf eine G9-Schule geht, die Familie umzieht und es in der neuen Stadt nur eine G8-Schule gibt?", fragt Hans-Joachim Claas, Leiter des Konrad-Adenauer-Gymnasiums in Langenfeld. Er findet es nicht gut, dass die Schulen selbst entscheiden sollen. Eine einheitliche Lösung erscheint ihm sinnvoller. Er will nun das Gespräch mit Schülern, Eltern und Lehrern suchen und eine Meinung ermitteln. Das hat auch Karl-Heinz Rädisch vor, Leiter des Helmholtz-Gymnasiums in Hilden. Er sagt: "Es wurden Lehrpläne und Schulbücher umgestellt. Jetzt wieder alles zurückzudrehen, wäre ein enormer Aufwand."

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