Wer seine Fahrerlaubnis wieder in die Hand bekommen möchte, muss sich dem „Idiotentest“ unterziehen. Der Tüv berät.

Das Ziel nach dem Führerscheinentzug: endlich wieder fahren dürfen.
Das Ziel nach dem Führerscheinentzug: endlich wieder fahren dürfen.

Das Ziel nach dem Führerscheinentzug: endlich wieder fahren dürfen.

afi

Das Ziel nach dem Führerscheinentzug: endlich wieder fahren dürfen.

Krefeld. Zwei Uhr nachts: Nach "ein paar Bierchen" schnell ins Auto, und an der nächsten Ecke winkt sie schon - die Kelle der Ordnungshüter. Über 1,6 Promille und Führerscheinentzug sind das Ergebnis. "Zurück bleibt das Gefühl, etwas Wesentliches nicht mehr zu haben", beschreibt Ortrun Bentlage, Leiterin der Verkehrs- und Betriebspsychologie NRW beim Tüv Rheinland.

Was dann folgt, ist gemeinhin als Idiotentest bekannt. "Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung, kurz MPU, ist als Begriff nicht geläufig", sagt die Diplom-Psychologin.

Im Jahr 2008 wurden in Krefeld 176 Führerscheine entzogen, im vergangenen Jahr waren es 166. Wann die Fahrerlaubnis weg ist, bestimmen die gesetzlichen Vorgaben. Oft sind es Fahrten unter Alkoholeinfluss oder die Missachtung von Geschwindigkeitsvorgaben, die eine Begutachtung nach sich ziehen.

Das Straßenverkehrsamt prüft, ob eine MPU nötig ist. Die Sperrfrist sollte dazu genutzt werden, die Fahrerlaubnis wieder zu erlangen. "Sechs Wochen vor Ende der Frist kann man den Führerschein neu beantragen", sagt Bentlage. "Dazu ist aber ein positives Gutachten nötig, wenn eine MPU angeordnet ist".

Kosten liegen bei mindestens 300 Euro

Welchen Fokus die Untersuchung hat, legt das Straßenverkehrsamt je nach Delikt fest. Hinzu kommt, dass eine MPU ab etwa 300 Euro Kosten nach sich zieht, wiederum an der Straftat gemessen. Hinzu kommen die Kosten für die vorbereitenden Sitzungen. Doch diese sind nach Bentlage eine gute Investition, "weil der Kunde dann weiß, wie die Untersuchung abläuft". Außerdem wird dem Verkehrssünder aufgezeigt, in welchem Bereich er sein Verhalten ändern muss. "Die Leute fahren ja nicht absichtlich betrunken. Da steckt was dahinter", stellt die Psychologin klar. Und das herauszufinden, sei ohne Hilfe schwierig.

Der Tüv Rheinland informiert regelmäßig zum Untersuchungs- und Antragsverfahren einer MPU. Informationen gibt es montags bis freitags unter der gebührenfreien Nummer 0800/1300800.

Eine MPU dauert etwa vier Stunden, inklusive Fragebogen, verkehrsmedizinischer Untersuchung und Leistungsdiagnostik. "In den Gesprächen nehmen die Berater den Kunden die Angst und zeigen ihnen Chancen auf. Aber zuvor müssen sie einsichtig sein", sagt Bentlage. Es lohnt also nicht, auf der Behauptung zu beharren, dass es "nur drei Bier" gewesen seien. Neben Blut- und Leberwerten spielen auch Orientierungs-, Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit sowie Belastbarkeit eine Rolle.

Die Gutachter haben drei Bewertungsmöglichkeiten: Positivgutachten, Kursempfehlung und die Feststellung "keine Chance", wenn die Gefahr besteht, dass das Fehlverhalten wiederholt wird. Solche Negativprognosen haben sich laut Bentlage in den vergangenen Jahren verringert, "was auch an der Beratung und Vorbereitung vor der MPU liegt".

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