25 Männer des Technischen Hilfswerks stellen einen zehn Meter hohen Stamm auf.

Alle müssen mit anpacken: Über den Graben wird der Stamm ins Gorillagehege gehievt.
Alle müssen mit anpacken: Über den Graben wird der Stamm ins Gorillagehege gehievt.

Alle müssen mit anpacken: Über den Graben wird der Stamm ins Gorillagehege gehievt.

Dirk Jochmann

Alle müssen mit anpacken: Über den Graben wird der Stamm ins Gorillagehege gehievt.

Krefeld. Orang-Utan-Weibchen Sita hat sich eine Papiertüte über den Kopf gestülpt und schützt sich auf diese Weise hoch auf ihrem Aussichtsbaum ziemlich entspannt vor dem grellen Scheinwerferlicht.

Schimpanse Charly probt dagegen wenig weiter den Aufstand und baut sich in voller Größe vor der Fensterscheibe auf. Bei so viel männlicher Konkurrenz bangt er um seinen Harem

25 Männer des Technischen Hilfswerks (THW) gehen seit den frühen Morgenstunden im Affenhaus des Zoos ein und aus, betätigen die Motorsäge, lassen Metallteile gegeneinander scheppern und sorgen für ungewohnte Unruhe.

Sie sind damit beschäftigt, das Wohnzimmer von Silberrücken Massa und seinen Frauen Tumba, Boma, Mume und Oya neu zu gestalten.

Der alte Stamm hat den Gorillas 30 Jahre lang zum Klettern gedient

Zuerst haben die Männer vom THW den alten morschen Weidenbaum zersägt und nach draußen geschafft. "Er hat den Gorillas 30 Jahre lang als Kletterbaum gedient", sagt Biologin Cornelia Bernhardt.

Im kommenden Jahr soll im Zoo mit dem Bau der neuen Gorilla-Außenanlage begonnen werden. Das Projekt der Zoofreunde Krefeld "Ein Garten für Gorillas" sammelt Spenden für den Bau des Geheges. Vom Millionen-Preis fehlen noch rund 250000 Euro.

"Der Stamm ist noch während des Affenhaus-Baus durchs Dach in den Gorilla-Bereich gehievt worden. Das ist wegen der dort umherfliegenden Vögel und Fledermäuse heute nicht mehr möglich."

Der neue Baum ist aus haltbarem Akazienholz. Die leicht giftige Rinde wurde bereits vorher abgeschält. Er kommt Stück für Stück durch die Hintertür hinein.

Schon morgens errichten die hilfsbereiten Männer eine Brücke ins Gehege und schaffen den ersten Teil des zehn Meter hohen Stamms hinein. Dabei nutzen sie eine Methode, die schon den alten Ägyptern vertraut war.

"Wir haben den schweren Stamm über die runden Stäbe des Zauns ins Gehege gerollt", berichtet THW-Sprecher Sascha Bömken.

Das Gehölz steht in der Kritik von Tierpfleger Werner Golinowska: "Es befindet sich viel zu nahe an der Rückwand und muss gedreht werden. Vom jetzigen Platz aus sind die neugierigen Gorillas mit einem Sprung ausgebüxt." Kein Problem für die THW-Männer.

Sie schaffen auch noch den sechs Meter langen zweiten Stamm ins Gehege. "Nun werden die Teile wie ein Puzzle zusammengesetzt", sagt die Biologin Bernhardt.

Neue Liegeplattformen werden zusätzlich angebracht. "Die Aktion mit dem THW hat toll geklappt", lobt sie die Männer am Sonntagmittag. "Jetzt müssen die Teile nur noch gut verschraubt werden."

Am Montag ist es dann soweit. Massa und seine vier Frauen dürfen ihr neues Wohnzimmer betreten. "Der Herr des Hauses wird wohl der Vorsichtige in der Gruppe sein, denn er weiß, er ist schwer", denkt Bernhardt laut.

Dann werden die Gorillas jedoch das neue affenstarke "Möbel" sicherlich annehmen, dient es doch der Strukturierung des Geheges, hilft gegen Langeweile und bietet Platz fürs Mittagsschläfchen.

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