Maastricht setzt seit Jahren eine städtebauliche Vision um. Die fehlt bisher in Krefeld.

Krefeld. Manchmal muss ein Stadtplaner Kopf und Kragen riskieren. Dass ein Investor wie beispielsweise ECE aus Hamburg als erstes mit der Politik spricht, bevor er den Stadtplaner konsultiert, ist nach Auffassung von Dr. Hans Hoorn nicht akzeptabel. Der niederländische Stadt-Soziologe hat in den vergangenen Jahrzehnten dem historischen Maastricht ein modernes Gesicht gegeben - und zeigt damit auch Städten wie Krefeld einen Weg aus der Krise.

Maastricht zählt nur 122000 Einwohner. Im Vergleich: Krefeld ist fast doppelt so groß. Dennoch wird die niederländische Stadt jedes Jahr laut Horn von fast 14 Millionen Menschen besucht.

Das Erfolgsgeheimnis ist eine integrierte städtebauliche Vision, die auch die Infrastruktur einbezieht. Das Ziel ist eine Stadt, "die man sich gönnt". Entsprechend dem Slogan "A City to stop - A City to shop". Ein Ziel, das sich in Krefelds Nähe auch Duisburg mit seinem Masterplan von Norman Foster auf die Fahne geschrieben hat.

Alle fünf Jahre werden die Schwachstellen analysiert

Maastricht definiert seine Ziele im Fünfjahreszyklus - und analysiert seine Schwachpunkte. "Erst wenn man weiß, wo die liegen, können Lösungen gefunden werden", betont Hoorn. Seit den 70er-Jahren setzt Maastricht das konsequent um.

Herausgekommen ist eine attraktive Einkaufsstadt, deren Altstadt dicht bebaut ist und vom Verkehr inzwischen weitgehend verschont bleibt. Neben zahlreichen Gassen mit kleinen hochwertigen Geschäften runden große Einkaufszentren wie das Entre Deux und das Mosae Forum - dessen Besuch allein schon wegen des gläsernen unterirdischen Parkhauses einen Besuch lohnt - das Angebot ab.

Von dem in Krefeld befürchteten Kannibalismus im Einzelhandel ist hier nichts zu spüren. Ein Resultat der weitsichtigen Stadtplanung und des absoluten Vertrauens der Politik in die Qualität der Stadtplanungamtes.

Eine Situation, von der Oliver Schröter in Krefeld nur träumen kann. Der Krefelder Architekt ist Vorsitzender des Gestaltungsbeirates. Dieses Gremium spiele in Deutschland eine andere Rolle und habe leider nur beratenden Charakter, bedauert er.

Schröter wünscht sich ein gesetzlich verankertes Mitspracherecht. Beispielsweise bei den drei Vorschlägen von ECE, die die Projektentwickler Oberbürgermeister Gregor Kathstede und Stadtvertretern auf der Expo Real vor kurzem vorgestellt haben.

ECE spricht in Krefeld zuerst mit dem Oberbürgermeister

ECE will den ab Juli 2010 leerstehenden Gebäudekomplex des Kaufhofs am Ostwall mit einem Einkaufszentrum überplanen. Die erste Variante mit Ausweitung auf den Theaterplatz hält Schröter schlichtweg für eine Kastastrophe. Mit dieser Ausweitung der innerstädtischen Verkaufsfläche fürchtet er Leerstände an anderer Stelle. Auch die Variante zwei mit einer Überbauung vom Ostwall bis zur Königstraße lehnt Schröter ab - und fragt sofort: "Wie viel Verkaufsfläche verträgt eine Stadt?"

Nur die dritte Variante von der St.-Anton-Straße im Norden bis zur Neuen Linner Straße im Süden ist für Schröter denkbar. Verdichtung also, wenn gleichzeitig zukunftsträchtige Konzepte für die südliche Innenstadt und die weiteren Stadtteilquartiere entwickelt werden.

Ansätze dafür gibt es in Krefeld zuhauf. Zuletzt ist das Konzept Stadtumbau West vorgelegt worden. Doch einen alles umfassenden und verbindenden Masterplan gibt es bis heute nicht. Neben der Attraktivitätssteigerung der Innenstadt als Wohn-, Einkaufsstadt und Lebensraum, der Entwicklung neuer Infrastruktur, fehlen Konzepte zur Ansiedlung neuer Firmen - als Arbeitgeber und Steuerzahler.

Nur wenn Krefelds Stadtplaner auch mal Kopf und Kragen riskieren und ihrer Vision einer lebendigen Stadt folgen dürfen, wird Krefeld im Jahr 2020 noch attraktiv sein und dem prognostizierten Bevölkerungsrückgang um 9000 Bürgern aufhalten.

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