Einige Kirchen in Krefeld werden manchmal von Randalierern heimgesucht.

Kriminalität
Auch die St.-Dionysius-Kirche bleibt von Sachbeschädigungen nicht verschont. Archiv

Auch die St.-Dionysius-Kirche bleibt von Sachbeschädigungen nicht verschont. Archiv

Andreas Bischof

Auch die St.-Dionysius-Kirche bleibt von Sachbeschädigungen nicht verschont. Archiv

Krefeld. Gebetbücher vertragen kein Weihwasser – die Seiten der Bücher sind so dünn, dass sie auf ewig zusammenpappen, wenn sie mit dem Wasser in Berührung kommen. Diese Beobachtung musste Pfarrsekretärin Alexandra Breuer-Bozicevic machen. Denn die Kirche der Gemeinde Zu den Heiligen Schutzengeln wurde bereits mehrfach von einem geistig verwirrten Mann heimgesucht, der die Gebetbücher ins Weihwasserbecken warf.

Die Bücher wurden aber auch auf andere Weise malträtiert. Breuer-Bozicevic: „Manchmal wurden sie voll gekritzelt oder die Seiten wurden herausgerissen und im Kirchenraum verteilt.“ Daher würden sie mittlerweile weggeschlossen.

Aus den Opferstöcken wird Geld geangelt

Der Vandalismus beschränke sich jedoch nicht auf die Gebetbücher: „Es wurde auch schon ein Marienbild zerkratzt, das musste danach zur Restaurierung.“ Neben Sachbeschädigung sei zudem Diebstahl ein Problem: „Manchmal wird mit einem Stab, an dem Klebeband befestigt ist, in den Opferstöcken nach Geld geangelt. Deshalb haben wir mittlerweile einen, in dem das Geld im Zickzack nach unten fällt.“ Trotz derartiger Vorfälle wurden die Öffnungszeiten nicht eingeschränkt. „Wir wollen eine offene Kirche bleiben.“

Auch in der St.-Dionysius-Kirche legt man Wert auf diese Art der Offenheit. Damit sie nicht allzu oft missbraucht wird, gibt es eine ehrenamtliche Aufsicht. Die aber kann nicht immer die ganze Kirche im Blick behalten und so werden dort manchmal Gesangbücher ins Weihwasserbecken geworfen.

Ulrich Hagens, Pastoralreferent der City-Seelsorge: „Das ist übrigens derselbe Mann wie in der Kirche Zu den Heiligen Schutzengeln. Seit er einmal eine unserer Mitarbeiterinnen tätlich angegriffen hat, hat er bei uns eigentlich Hausverbot. Das kann er wegen seiner psychischen Krankheit jedoch nicht umsetzen.“ Mal abgesehen von diesem Wiederholungstäter seien Randalierer in der Dionysius-Kirche aber eher selten, betont Hagens. Allerdings sei im vergangenen November eingebrochen worden: „Die haben mehrere Türen aufgebrochen und einen Opferstock geknackt.“

Im Jahr 2012 gingen bei der Polizei Krefeld 35 Anzeigen wegen Diebstahl und sechs Anzeigen wegen Sachbeschädigung in Kirchen ein – insgesamt konnten vier Täter ermittelt werden.

Die Zahlen für das Jahr 2013 sind noch nicht ausgewertet, allerdings geht die Polizei gegenüber dem Vorjahr von einem Rückgang derartiger Delikte aus.

In der Friedenskirche hingegen waren in den letzten Jahren keinerlei Delikte zu verzeichnen. Sachbeschädigungen und Diebstähle werden dadurch unterbunden, dass die Kirche abseits der Gottesdienste grundsätzlich geschlossen ist. Pfarrerin Sylvia Pleger: „Wenn jemand hinein will, muss er bei der Küsterin anfragen. Die macht ihm dann auf.“

Das dauerhafte Zuschließen der Kirche sei wegen der Alkoholiker- und Junkie-Szene am Luisenplatz notwendig geworden, berichtet Pleger. Als die Kirche noch geöffnet gewesen sei, hätte nämlich mal jemand seine Notdurft darin verrichtet: „In den Nischen draußen vor dem Eingang passiert das übrigens immer noch.“

Ehrenamtler passen nicht nur auf, sondern betreuen auch

Obwohl durch das Öffnen nur auf Anfrage der Innenraum der Kirche von derartigem Frevel verschont bleibt, hält Pleger diese Methode nicht für ideal: „Eine offene Kirche wäre schöner. Ich muss noch mal versuchen, einen ehrenamtlichen Präsenzdienst zu organisieren.“

In der Lutherkirche gibt es den bereits und anders als in der Dionysius-Kirche konnten die dortigen Ehrenamtler Sachbeschädigungen bisher komplett verhindern. Pfarrerin Sabina Busmann: „Das liegt aber wohl auch daran, dass wir nicht so stark frequentiert sind.“

Die Ehrenamtler würden sich selbst übrigens nicht nur als Aufpasser begreifen: „Sie sind auch da, um die Menschen, die in die Kirche kommen, zu betreuen.“

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