Krefelds einstige Traditionsgaststätte ist nach Jahren des Leerstands eine Ruine. Ein letzter Rundgang, bevor das Haus entkernt wird - mit großer Bildergalerie.

Krefelds einstige Traditionsgaststätte ist nach Jahren des Leerstands eine Ruine. Ein letzter Rundgang, bevor das Haus entkernt wird.
In dem großen Saal quillt der Parkettboden auf, und Tauben haben überall ihren Kot hinterlassen. Weitere Fotos stehen im Internet unter wz.de/krefeld Fotos (4): Andreas Bischof

In dem großen Saal quillt der Parkettboden auf, und Tauben haben überall ihren Kot hinterlassen. Weitere Fotos stehen im Internet unter wz.de/krefeld Fotos (4): Andreas Bischof

In dem großen Saal quillt der Parkettboden auf, und Tauben haben überall ihren Kot hinterlassen. Weitere Fotos stehen im Internet unter wz.de/krefeld Fotos (4): Andreas Bischof

Krefeld. Die Bronzetafeln am Eingang mit Hinweisen auf die Geschichte der unter Denkmalschutz stehenden Traditionsgaststätte sind längst von Unbekannten abgeschraubt. Der dreckige gelbe Putz der Fassade ist großflächig abgeplatzt. Alle Türen zum Bröckske sind inzwischen vom neuen Eigentümer doppelt gesichert. Denn neben Ratten und Hunderten von Tauben haben auch Obdachlose in den Jahren des Leerstands immer wieder dort ihr Nachtlager aufgeschlagen. Seit kurzem sorgt ein Hausmeister dafür, dass es dort keine ungebetenen Gäste mehr gibt. Für rund zehn Millionen Euro wird ein Kölner Investor hinter der alten Fassade ein neues Ärztehaus aufbauen.

Der Bauantrag bei der Stadt ist gestellt. Bevor die einstige Traditionsgaststätte im Inneren entkernt und das Nebenhaus Nummer 39 abgerissen wird, hat die WZ Gelegenheit zu einem letzten Rundgang. Das Gesundheitsamt hat zur Auflage gemacht, dass die Bauarbeiter für das Ausräumen Schutzkleidung tragen müssen. Haufenweise Rattenköttel, Zentimeter dicker verkrusteter Taubenkot vor allem in den oberen Stockwerken, dicke Staubschichten und ein mit einem längst verbotenen, starken Holzschutzmittel getränkter Dachstuhl gefährden die Gesundheit derer, die länger als eine Stunde sich in den Räumen aufhalten. Die Obdachlosen, die sich vor allem neben dem großen Saal in der ersten Etage ihre Schlafstatt eingerichtet hatten, waren hingegen froh über ein einigermaßen intaktes Dach über dem Kopf und Schutz vor Kälte.

Alles steht noch so herum, wie es vor acht Jahren verlassen wurde

Durch den Nebeneingang am Platz an der Alten Kirche geht es in das Gebäude. Der Strom ist schon lange abgeklemmt. Eine Batterie-Lampe und zwei Handy-Leuchten weisen den letzten drei Besuchern den Weg. Im Erdgeschoss lassen die teils hochgezogenen Jalousien noch etwas Tageslicht hinein. Die abgestandene Luft riecht nach Moder. Auf den Tischen stehen noch Salz- und Pfefferstreuer, auf dem Boden sind Bierdeckel verstreut. Auf der Thekenanlage stapeln sich die Gläser und Flaschen. Es sieht so aus, als ob die letzten Besucher fluchtartig die Gaststätte verlassen hätten. Abgeräumt worden ist nicht mehr. Wäre nicht überall diese dicke Schicht Staub, könnte man meinen, der Betrieb geht bald weiter.

Beim Übergang in den Küchentrakt entpuppt sich dieser Gedanke als Illusion. Die einst hochwertige, professionelle Edelstahl-Küche mit zwölfflammigen Gasherden, großen Mikro-Wellen, Dampfgarer und Schneidemaschinen vom Feinsten – ist Schrott. Über die zurückgebliebenen Lebensmittelreste hatten sich nach der Schließung Anfang 2009 schnell die Ratten hergemacht.

Die damalige Eigentümergemeinschaft Wirichs/Decker hatte insgesamt zehn Jahre lang vergeblich versucht, das Gebäude zu verkaufen. Dann ging die Brauerei Rhenania Robert Wirichs GmbH & Co. KG, in deren Besitz die Immobilie jahrzehntelang war, 2013 insolvent. Auf Betreiben des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege stellte die Stadt Krefeld das 1951/52 wieder ausgebaute Traditionshaus unter Schutz und rettete es damit letztendlich vor dem kompletten Abriss. Für die Eigentümergemeinschaft war das nicht nachzuvollziehen. Aus deren Sicht hat die Stadt eine Bauruine unter Denkmalschutz gestellt. Vor allem wegen des Kellers, des großen Saals und des Dachgeschosses – allesamt schon damals eine Katastrophe.

Fassaden, Bleiverglasungen und Gewölbekeller bleiben erhalten

Der jetzige Rundgang durch diese Etagen bestätigt das. Der älteste Teil des Kellers, vermutlich aus dem Baujahr 1840, ragt einen Meter über die Grundstücksgrenze hinaus in die Marktstraße. Er bleibt erhalten und ist im Neubau künftig durch eine Glasplatte abgetrennt noch zu sehen. Erhalten bleiben ebenso die Gebäude-Fassaden und die Bleiverglasungen aus dem Schankraum. Künftig wird es hier wieder eine Gastronomie geben. Der große Saal ist laut Architekt Rainer Lucas nicht mehr rentabel. Deshalb will der Investor im ineinander übergehenden Et Bröckske und Neubau pro Etage bis zu vier Praxen von 100 bis zu 250 Quadratmeter bauen.

Trotz der Baufälligkeit des Bröckske atmen die Räume immer noch den Geist einer traditionsreichen und volkstümlichen Gaststätte, mit der viele ältere Krefelder eigene persönliche Geschichten verbinden.

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