Beim WZ-Bus am Mittwoch in Uerdingen wurde viel Unmut über den Zustand des Bahnhofs geäußert.

Trostlos: Der einsame Fahrkartenautomat im Bahnhof Uerdingen.
Trostlos: Der einsame Fahrkartenautomat im Bahnhof Uerdingen.

Trostlos: Der einsame Fahrkartenautomat im Bahnhof Uerdingen.

Andreas Bischof

Trostlos: Der einsame Fahrkartenautomat im Bahnhof Uerdingen.

Uerdingen. "Am Bahnhof in Uerdingen stinkt’s" schrieb die WZ in der vergangenen Woche. Als der WZ-Bus am Mittwoch Nachmittag vor dem Gebäude steht, stinkt es plötzlich nicht mehr: Die Bahn hatte einige Stunden vor dem WZ-Besuch kräftig sauber gemacht. Die meisten Besucher am Bus meinten aber, dass der saubere Zustand nicht lange anhalten wird.

"Am Röttgen baut man für Millionen ein neues Einkaufszentrum, und nur 200 Meter Luftlinie weiter lässt man ein denkmalgeschütztes Schmuckstück vergammeln", kritisiert Hans Joachim Zanssen. Die Politik müsse fraktionsübergreifend an einem Strang ziehen und etwas am Bahnhof unternehmen.

"Es werden in der Bezirksvertretung Wünsche geäußert, den Bahnhofsvorplatz neu zu gestalten, vergisst dabei aber, sich um das Gebäude zu kümmern", sagt Harald Müller. Der Auftrag an die Verwaltung, einen Sachstandsbericht bei der Bahn einzufordern, sei verpasst worden.

Das Argument der Bahn, den Ticketautomaten noch nicht in den Tunnel versetzen zu können, sei nicht stichhaltig, sagt Reinhold Deutzmann. "Man kann den Automaten provisorisch umsetzen. Das blockt die Bahn ab, weil es Geld kostet." Ein großes Problem bei der Bahn sei es, einen Ansprechpartner zu bekommen, Zuständigkeiten würden sich alle sechs Wochen ändern.

Zum Tunneldurchstich sagt Deutzmann: "Hier hat die Politik einiges geschafft. Der erste Sprayer war allerdings schon da." Sogar durchfahrende Autos haben Uerdinger beobachtet.

Alfred Reimann war 51 Jahre bei der Bahn beschäftigt. "Seitdem die Bahn privatisiert wurde und Teilbereiche ausgliedert werden, herrscht nur noch Chaos. Das Bahnhofsgebäude in Uerdingen ist das beste Beispiel." Es müssten mehr Kontrollen her, Personal dafür zu bekommen sei kein Problem.

Statt des alten Gebäudes wünscht sich Reimann einen modernen Flachbau, in dem der Kiosk, der Ticketautomat und eine Gastronomie unterkommen könnten. "Wenn man den Vorplatz noch begrünt, hätte man eine tolle Optik", meint der Pensionär.

An der Bahnhofstraße geboren und aufgewachsen ist Wolfgang Goris, bekannter Behinderten-Sportler aus Krefeld. Mit seinem Rollstuhl, auf den er wegen seiner amputierten Beine angewiesen ist, ist er im Bahnhofsumfeld bereits zweimal umgekippt. "Vier Zentimeter Höhe - ich habe nachgemessen - sind zu hoch. Das Bahnhofsgebäude muss dringend behindertengerecht ausgebaut werden", sagt er. Die Politik und die Verwaltung müssten die Bahn intensiv bei der Investorensuche unterstützen.  Er hofft auf die Rampe, die gebaut werden soll: "Hoffentlich mit Geländer".

Einen weiten Bogen um das Bahnhofsgebäude macht Marcus Riepe. "Ich war vor einigen Wochen ein einziges Mal in dem ,Urinloch’ und hätte mich wegen des Geruchs beinahe übergeben. Aufgrund der unhaltbaren Situation stempel ich seitdem meinen Fahrschein erst beim Umsteigen in Oppum - trotz des Risikos, einem uneinsichtigen Zugbegleiter gegenüberzustehen." Es müsse zumindest möglich sein, einen Ticketentwerter im neuen Tunnel aufzustellen.

Der saubere Zustand des Gebäudes war im übrigen nach dem WZ-Besuch schon wieder Makulatur: Jemand hatte im hinteren Bereich des Gebäudeinneren einen großen Haufen Kot hinterlassen.

"Warum schafft die Bahn es nicht, den Fahrkartenautomaten umzusetzen?" Reinhold Deutzmann übt aber nicht nur Kritik. "Was in Sachen Denkmalschutz gemacht worden ist, finde ich positiv." Allerdings ärgert er sich darüber, "dass es bei der Bahn keinen Ansprechpartner gibt.

Kurt Kehrenbach bemängelt die fehlenden Hinweisschilder auf den Entwerter-Automaten: "Wegen der Suche habe ich kürzlich den Zug verpasst, und mit mir vier Skatbrüder." Dass es bestialisch stinkt, lastet er der Bahn nicht an. Seiner Meinung nach liegt es an den fehlenden Toiletten. "Sogar die am Röttgen und am Marktplatz sind zu. Wohin also, wenn man ein Bedürfnis hat?"

"Das kennt man gar nicht anders", resigniert Heidemarie Radimierski auf den Gestank angesprochen. Sie stört vielmehr das neue Holzgeländer an den Treppen zum Bahnsteig: "Das ist unglücklich angebracht. Man kann neuerdings sein Fahrrad auf dem schmalen Seitenstreifen nicht mehr hoch schieben."

In die Bahnhofshalle muss auch Alice Slomzinski. "Zum Abstempeln, wenn ich ab und zu nach Mönchengladbach fahre. Warum nur verlegt die Bahn den Automaten nicht?" Außerdem findet sie leere Pizzapackungen, Pappbecher und ähnlichen Müll nicht gerade appetitlich.

"Ein Trauerspiel" nennt Hermann Hirschberg die Verantwortungslosigkeit der Bahn. "Wie kann man ein solches Gebäude so verkommen lassen?" Vor acht Wochen habe eine Interessengruppe aus Uerdingen ein Kaufangebot gemacht, aber noch keine Antwort erhalten. "Schließlich ist der Bahnhof ein Teil unserer Stadt und er ist zu wertvoll, dass das Gebäude dem Verfall preisgegeben wird", erklärt er das Engagement und schwärmt von der wundervollen Holzdecke im ehemaligen Gastronomiebereich. "Wenn ich als ehrlicher Mensch entwerten will, muss ich hinten herum."

In Eile und die Wasserlachen scheuend, die kürzlich das Betreten der Halle erschwerten, sitzt Hans-Jürgen Louven dann mit nicht entwerteten Karten im Zug "auf heißen Kohlen".

"Es wird sich nichts ändern, solange Toiletten fehlen", ist sich Hans-Joachim Heinzmann sicher. Recht dürfte er haben, denn noch während des Gesprächs mit der WZ, entleerte ein junger Mann im Tunnel seine übervolle Blase. Von Louven daraufhin angeprochen, hatte er lediglich einen coolen Spruch parat: "He Alter, nimm’s locker."

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