Der Markt im Hansa- Centrum soll geschlossen werden.

Krefeld. Die Wohngegend rund um das Hansa-Centrum ist gerade bei älteren Bürgern beliebt. Ohne große Mühe können Wege erledigt werden. Viele Bürger sind empört darüber, dass Edeka und der Drogerie-Markt dieses Jahr das Haus verlassen werden. Sie verlangen Erklärungen.

Martin Schiffmann versteht den Weggang des Edeka-Marktes nicht. "Discounter haben einfach nicht das Warensortiment, das ich suche. Wir Anwohner haben jetzt keinen Nahversorger mehr, und ich verstehe nicht, warum", sagt er. Er ist nicht der einzige Anwohner, der sich über die Kündigung aufregt.

"Ich komme extra mit dem Auto aus Fischeln. Es ist praktisch, dass alles auf einem Fleck ist".

Agnes Eschbaum

Anna Scholten (85) ist extra aus St. Hubert nach Krefeld gezogen. "Ich habe früher hier gearbeitet, daher kenne ich die Gegend gut", schildert Scholten. Seit vier Jahren wohne sie hier, sei deswegen hergekommen, weil am Hansa-Centrum alles an einem Platz ist. Wenn Edeka aus dem Hansa-Centrum geht, wäre kein einziger Metzger mehr in der Nähe.

"Sogar aus Bockum kommen die Leute zum Einkaufen", wirft Getrud Lenders (86) ein. Inge Koenigk ergänzt: "Es ist ein gutes Viertel, hier ist noch nie etwas passiert. Ich fühle mich sicher", beteuert die Kursana-Bewohnerin. Sie bedauert die Edeka-Mitarbeiter, diese seien immer sehr nett gewesen.

"Ich wohne in der Nähe und kaufe gerne bei dm und Edeka ein."

Wolfgang Grubert

Heinz Bertlings (56) fragt sich, was wohl Ortsfremde für einen Eindruck bekommen, wenn die Räume leer stehen oder sich Ramschläden aneinander reihen. Er mache sich auch um gebrechliche Bürger Sorgen, diese hätten dann kein zentral gelegenes Einkaufsangebot mehr.

Christian Wefers war gerade beim Edeka-Markt einkaufen und sieht sich in seiner Meinung bestätigt, "dass etwas Neues auch eine Chance wäre". Der Standort sei weiterhin aufgrund der Alleinstellung im Lebensmittelsegment attraktiv. "Ich mache mir keine Sorgen", sagt er, obwohl er natürlich die Situation der Mitarbeiter bedaure.

Auch die Angestellten des Supermarktes denken, dass ein Discounter ihren Platz nicht einnehmen kann. "Wir nehmen uns der Menschen an und führen zum Beispiel die blinden Kunden durch den Laden", erklärt Edeka-Mitarbeiterin Petra Jülich.

"Bei Edeka gibt es kleine Portionen für Alleinstehende und frische Ware."

Barbara Dettki, Mitarbeiterin

Angela Valera nutzt ihre Mittagspausen, um frische Waren zum Kochen einzukaufen. "Ich arbeite und wohne direkt in der Nähe. Wenn Edeka zu macht, müsste ich für meine Einkäufe weit fahren", erklärt sie. "Das kann ich in meiner kurzen Pause nicht schaffen."

Für die 22-jährige Ayten Koca wäre ein Einkauf für ihre Großfamilie nach der Schließung schwerer zu bewältigen. "Wir kaufen richtig viel ein, und da ich kein Auto habe, müsste ich die Tüten weit schleppen", sagt sie. Seit zwölf Jahren wohnt Wolfgang Grubert in der Nähe des Hansa-Centrums. "Es ist einfach bequem, nicht mit dem Auto wegfahren zu müssen, sondern alles vor der Tür zu haben", erklärt er.

Auch sehen die Anwohner eine Gefahr für die anderen Einzelhändler. "Kleine Geschäfte können sich nicht mehr halten, wenn die Großen keine Kunden mehr ziehen", sagt die Hanseanum-Bewohnerin Silvia Respondek. Agnes Eschbaum fährt jedes Mal von Fischeln aus zum Hansa-Centrum: "Ich steige in mein Auto, parke in der Tiefgarage und kann sofort einkaufen", schildert die 85-Jährige.

Eines ist ihr dabei allerdings ein Dorn im Auge: "Das Parkhaus ist zu teuer." Sinkende Umsätze seien eine Konsequenz. "Eine ermäßigte Parkgebühr oder ein Erlass nach dem Einkauf wäre für Kunden attraktiv", schlägt sie vor.

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