Knapp 300 Karnevalisten nahmen Dienstagabend mit Fackelzug und Verbrennung Abschied vom Karneval – vorläufig.

Feierliche Ruhe beim Zapfenstreich vor dem Zeughaus.  Fotos (3): Andreas Bischof
Feierliche Ruhe beim Zapfenstreich vor dem Zeughaus. Fotos (3): Andreas Bischof

Feierliche Ruhe beim Zapfenstreich vor dem Zeughaus. Fotos (3): Andreas Bischof

Eindrucksvoll: Die leuchtenden Fackeln in der Dunkelheit.

Für Dieter I. und Britta I. geht eine traumhafte Session zu Ende.

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Feierliche Ruhe beim Zapfenstreich vor dem Zeughaus. Fotos (3): Andreas Bischof

Krefeld. Es war dunkel am und über dem Zeughaus. Etwa 270 Menschen, 150 Aktive und rund 120 Gäste, waren gekommen. Man sah einige Trauerbinden und größtenteils ernste und schwermütige Gesichter. Sie alle standen am „Grab“, in dem der Hoppeditz als brennende Pappfigur verschwinden würde. Das es eine ganz besondere Beerdigungsfeier war, machte schon die Ansprache von Trauerredner Andreas Dams deutlich: „Liebe Trauerklöße, verehrte Kummerknödel“ – das passt wahrlich nicht auf jede Gesellschaft. Andy Dams gab den Pastor, und selbst ihm, als Prinzengardist und Präsident („Schwaadsack“ genannt) des Freundeskreises der Labersäcke vielen Karnevalisten bekannt, verschlug es für kurze Zeit die Sprache.

Bis zuletzt steckten die Prinzengarde und die Leibgarde der Prinzessin mit ihren Präsidenten Christian Cosman und Manuel Blomen in ihren weiß-grünen beziehungsweise blau-roten Uniformen. Erst später, als der Hoppeditz zu Asche zerfiel, trugen sie die närrischen Kappen quer und drehten die Orden um – Rückseite nach vorn.

Trauerbewältigung mit Rollmops und Korn

Viele Jecken hatten schon wenige Stunden vor dem eigentlichen Aschermittwoch ein Aschenkreuz auf der Stirn. Pastor Dams hatte es für die trauernden Karnevalisten ausgegeben Rollmöpse und Korn trugen ebenfalls dazu bei, den Schmerz zu lindern.

Etwa eineinhalb Stunden vor alledem war es draußen am Zeughaus mucksmäuschenstill geworden. Die Musikzüge beider Garden spielten den Großen Zapfenstreich zu Ehren von zwei „Staatsoberhäuptern“, die ihre Sache sehr gut gemacht hatten. Gemeint war das Krefelder Stadtprinzenpaar, Dieter I. und Britta I., die auch bei ihrem letzten offiziellen Gang eine gute Figur abgaben. „Unfassbar, dass jetzt schon wieder alles vorbei sein soll“, kommentierte das Prinzenpaar. Dieter I. war bei seinem 130. und damit letzten Auftritt in dieser Session bewegt: „Es war eine traumhaft schöne Zeit.“ Für beide war der Rosenmontagszug in Krefeld der Höhepunkt ihrer Präsidentschaft gewesen.

Zwischen dem Zapfenstreich und der eigentlichen Beerdigung zog sich der Tross erst einmal ins Warme zurück. Dort zogen die beiden Garde-Präsidenten ein mehr als zufriedenstellendes Fazit der abgelaufenen Session. Christian Cosman, Präsident der Prinzengarde schwärmte: „Es ist eine grandiose Session, die jetzt leider zu Ende geht.“

Wenn es jemanden gibt, der Politiker und Menschen, die im Fokus der Öffentlichkeit stehen, durch den Kakao ziehen darf, dann ist es der Hoppeditz. Übersetzt bedeutet das so viel wie „hüpfender Knirps“. Alle Jahre wieder, am 11. November, wird er um 11.11 Uhr zum Leben erweckt.

Verkörpert wird der Hoppeditz von einem Karnevalisten. Sein Leben dauert nur 88 Tage; zum Ende der Karnevalszeit am Aschermittwoch wird er beerdigt. Die Jecken verabschieden sich von der Karnevalsfigur unter großem Gejammer bei einem traditionellen Fischessen. Eine Puppe wird präpariert und ins Feuer geworfen. Doch der nächste Karneval kommt, an dem der Hoppeditz wiederauferstehen und eine flammende Rede vor seinen Jüngern halten wird.

Das Treiben im Zeughaus sah sich ein Gardist offenbar besonders genau an. Er könnte ein heißer Kandidaam Dienstag aber – natürlich – noch geheim.

Nach der großen Trauer, Tränen und Wehklagen, als die Karnevalisten dem Hoppeditz die letzte Ehre erwiesen und „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ angestimmt wurde, hellte sich manche Miene aber bald wieder auf. Champagner, Sekt oder Gerstensaft sorgten dafür. Schließlich freuten sich nicht wenige schon Dienstagabend auf den 11. November dieses Jahres, wenn das karnevalistische Treiben wieder beginnt. Bis dahin treffen sich die Garden regelmäßig an ihren Stammtischen oder machen Sommerfeste und Ausflüge. Aktiv mittanzende Gardisten sind im übrigen immer willkommen.

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