Baudezernent Thomas Visser berichtet über die Zukunft des Krefelder Wohnungsangebotes.

Krefeld. Wenn sich der Wohnungsmarkt in Krefeld weiter "entspannt", wie es das Hannoveraner Pestel-Institut prognostiziert, dann bedeutet das ein Überangebot. Das liege aber in einem beherrschbaren Bereich, interpretierte der städtische Baudezernent Thomas Visser, als er bei der KAB (Katholische Arbeitnehmer Bewegung) im Pfarrsaal von Thomas Morus an der Kempener Allee über "Wohnen in Krefeld" sprach.

Zwei Vorteile hob Visser hervor: "Mit einer bisher gleichbleibenden Einwohnerzahl haben wir großes Glück, und der ‚Runde Tisch Wohnungsmarkt’ ist ein gutes Steuerungselement."

Der Leerstandsquote von 4,9 Prozent und 14700 Hartz-IV-Wohnungen bei 122000 Wohnungen insgesamt stellte Visser entgegen, dass seit zwei Jahren wieder mehr Menschen nach Krefeld ziehen als aus Krefeld weg.

In Städten mit deutlich abnehmender Bevölkerungszahl verstärken sich die Probleme, betonte Visser, weil die gleichbleibende Grundlast der Kosten für die Infrastruktur wie Straßen, Kanäle und öffentliche Einrichtungen durch immer weniger Menschen aufgebracht werden muss. Visser: "Die Bürger müssen so viel in die Stadt hineinstecken wie sie kostet."

Dem letztjährigen Geburtenanstieg traut Visser noch nicht als stabilisierendes Element der Einwohnerzahl: "Das ist noch kein Trend. Und Kinder, die nicht geboren worden sind, lassen sich auch nicht durch Wohnungspolitik ersetzen."

Sorgen wegen hoher Leerstände macht sich der Baudezernent um Gebiete wie Gartenstadt, Elfrath, die Innenstadt und den Südbezirk. Die Innenstadt sieht er als zentrale Arbeitsaufgabe des nächsten Jahrzehnts: "Die dezentrale Stadtstruktur hat die Innenstadt erheblich benachteiligt, das gilt es umzudrehen." Die kleinteilige Eigentumsstruktur sei allerdings eine starke Bremse.

Visser berichtet: "Als wir das Umfeld des Behnisch-Hauses eingeladen hatten, saßen 60 Eigentümer im Raum, viele nach der Devise ‚zu alt, kein Geld, keine Lust’. Da braucht die städtische Planung einen langen Atem."

Am "Runden Tisch", so berichtete Visser, sitzen gut ein Dutzend Experten des Wohnungsmarkts, Makler, Architekten, Eigentümer, Stadt, Finanzierer, die ihre Daten und Erfahrungen einbringen. Hinzu komme der jährliche Wohnungsmarktbericht, der den Akteuren die statistischen Zahlen und Trends auf den Tisch lege.

Der Wohnungsbau hat einen Tiefstand erreicht, Mehrfamilienhäuser werden kaum noch gebaut, Einfamilienhäuser rund 200 pro Jahr, erläuterte Visser die derzeitige Situation. Der neue Wohnungsmarktbericht, aus dessen Entwurf Visser vortrug, erscheint in Kürze und wird dann auch ins Netz gestellt.

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