Der „Runde Tisch“ sucht am Mittwoch nach Alternativen für den Theaterplatz. Doch niemand will die Szene vor der Tür haben.

Krefeld. Wohin mit der Szene auf dem Theaterplatz? Diese Frage beschäftigt seit Monaten Politik, Verwaltung, Polizei, Caritas, Einzelhandelsverband und Anwohner.

„Ein alternativer Platz sollte innenstadtnah, zum Schutz – auch der Klienten – einsehbar sein und Angebote wie Toiletten und Unterstellmöglichkeiten bieten“, sagt Ute Kaber, die Sachbereichsleiterin der „Alkohol- und Drogenhilfe“ des Caritasverbandes Krefeld. Über mögliche Standorte wird am Mittwoch beim „Runden Tisch Theaterplatz“ gesprochen.

Seit Jahren werden die Junkies von ihren Treffs verscheucht

„Vorschläge zu Standorten gibt es immer mal wieder“, sagt Kaber. „Doch es wird keine Einigkeit darüber erzielt, welcher der geeignete Ort ist.“ In der Vergangenheit musste die Szene deshalb immer wieder wandern: Vom Max-Petermann-Platz, zum Neumarkt, zum Anne-Frank-Platz, zur Gartenstraße und zuletzt zum Schwambornplatz an der Dionysiuskirche. Nirgendwo war sie wohl gelitten – überall gab es Protest.

„Der Theaterplatz ist der Ort, wo am wenigsten Menschen belästigt werden“, erklärt Kaber. Und der auch gut einsehbar ist, für die beobachtende und kontrollierende Polizei ebenso wie für die Streetworker, die ihre Klienten mindestens einmal am Tag dort aufsuchen und bei körperlichen Zusammenbrüchen auch sofort helfen können.

Alternative Standorte in den anderen Stadtteilen

Während sich die vor ein paar Monaten gegründete „Bürgerinitiative Theaterplatz Krefeld“ für den Verbleib der Drogenabhängigen an jetziger Stelle und für entsprechende bauliche Maßnahmen dort ausspricht, will die erweiterte FDP-Ratsfraktion die Szene verlagern. Doch die Frage wohin, lässt sie offen.

Die Streetworker der Caritas schätzen, dass sich auf dem Theaterplatz insgesamt 400 Drogenabhängige treffen. Im Schnitt sind das täglich zwischen 30 und 40 Personen.

70 Prozent aller Drogenabhängigen (280 Krefelder) sind in der Substitution. Die Kosten dafür übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Der Ersatzstoff wird unter Aufsicht in einer Arztpraxis verabreicht. Die Substitutionsbehandlung soll die Beschaffungskriminalität verringern, das Überleben sichern und den Kranken soweit stabilisieren, dass er mit professioneller Unterstützung langfristig den Weg in ein normales Leben zurück findet.

Das Liegenschaftsamt wird am Mittwoch beim Runden Tisch mögliche Standorte genauer beleuchten. Dazu zählen die Plätze hinter dem Theater, dem Polizeipräsidium, der Blumenplatz oder die Brachfläche an der Gladbacher-/ Ecke Saumstraße.

Martin Brendle (SPD), Bezirksvorsteher der BZV Süd, lehnt den Standort in Süd strikt ab (die WZ berichtete). Und auch die Anwohner der von ihm vorgeschlagenen Alternativen (Marienplatz in Fischeln oder Bockumer Rathausplatz) werden schleunigst abwinken. „Niemand will die Szene vor seiner Tür“, sagt Kaber.

Deshalb lautet die alles entscheidende Frage: Wohin mit den Menschen? Wenn sich der Runde Tisch für den Theaterplatz entscheidet, könnte dort im Frühjahr mit der Umgestaltung im vorderen Teil sowie dem Aufstellen eines Unterstandes mit Toiletten begonnen werden. Ob die Szene dies jedoch annimmt, bleibt abzuwarten.

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