Georg Cadora glaubt, dass die Zeichnungen aus dem Krefelder Stadtarchiv gestohlen wurden.

Kunstraub
Motive mit dem Komponisten Gustav Mahler, die von Georg Cadora stammen und die zuletzt 2002 in der Volkshochschule ausgestellt waren.

Motive mit dem Komponisten Gustav Mahler, die von Georg Cadora stammen und die zuletzt 2002 in der Volkshochschule ausgestellt waren.

Der Krefelder Maler und Zeichner Georg Cadora.

Der Krefelder Maler und Zeichner Georg Cadora.

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Motive mit dem Komponisten Gustav Mahler, die von Georg Cadora stammen und die zuletzt 2002 in der Volkshochschule ausgestellt waren.

Krefeld. Als der Maler und Zeichner Georg Cadora zu Wochenbeginn den Einstellungsbescheid der Staatsanwaltschaft Krefeld im Briefkasten seiner saarländischen Wahlheimat hatte, ärgerte er sich richtig. „Diebstahl ist doch ein Offizialdelikt, das verfolgt werden muss“. Es geht um 43 Zeichnungen, die aus dem Krefelder Stadtarchiv verschwunden sein sollen. Auf allen ist der österreichische Komponist Gustav Mahler zu sehen, der im Mai vor 100 Jahren gestorben ist, weshalb in diesem Frühjahr in und um Wien herum ein regelrechter Hype ausgebrochen ist.

Für Nachforschungen fehlt der Staatsanwaltschaft ein Ansatz

Als die WZ bei der Staatsanwaltschaft nachfragte, war der Einstellungsbescheid vom 25. Juli bereits Geschichte. „Wir ermitteln nun doch weiter“, erklärte Oberstaatsanwalt Hans-Dieter Menden. Allerdings fehle ein richtiger Ansatz für die Nachforschungen.

Die 43 Blätter waren zuletzt 2002 in der Volkshochschule ausgestellt. Sie gingen dann in den Besitz des früheren Leiter des Stadtarchivs, Paul-Günter Schulte, über. Und der lagerte sie an „einem sicheren Ort“, in einer Schublade im Archiv. Dort blieben sie wohl auch, als Schulte sich in den Ruhestand verabschiedete. „Ich habe eigentlich kein großes Interesse an der Angelegenheit. Das habe ich auch schon vor der Polizei ausgesagt“, teilte er der WZ mit.

Der Verlust der Zeichnungen ist im vergangenen September aufgefallen

Aufgefallen war der Verlust der 43 Zeichnungen im vergangenen September, als Georg Cadora seine Arbeiten für eine Ausstellung in Saarbrücken ausleihen wollte. Sogar ein Schrank, für den die Schlüssel verschwunden waren, wurde aufgebrochen: Kein Cadora zu sehen. „Das Archiv ist ein sicherer Ort“, versicherte vor einigen Wochen Schulte-Nachfolger Olaf Richter der WZ, „hier verschwindet nichts. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.“

Folgt man Georg Cadora, der 30 Jahre lang in Krefeld gelebt und gearbeitet hat (der Oberstaatsanwalt besitzt einen Druck von ihm), dann ist das Stadtarchiv alles andere als ein Fort Knox. „Dem Vorgänger von Paul Günter Schulte sind seine eigenen Sachen zum Kauf angeboten worden.“ Das sei schon 20 oder mehr Jahre her, aber Handwerker hätten bei Renovierungsarbeiten einfach Dinge mitgenommen und an ihre Kinder verschenkt, die die dann später zu Geld hätten machen wollen.

Und auch ein ganz besonders wertvolles Plakat aus den 1930er Jahren sei aus dem Stadtarchiv verschwunden: Die Ankündigung für die erste Aufführung von Gershwins „Rhapsody in Blue“ außerhalb Amerikas. Die fand nämlich in Krefeld statt. „Ich wollte das Plakat sehen. Da war es auf einmal nicht zu finden.“

Georg Cadora gehören die Zeichnungen zwar nicht mehr, aber irgendwie empfindet er sie als seine Kinder. Weil er vermutet, dass die Mahler-Porträts auf dem österreichischen Kunstmarkt gelandet sein könnten, hat er die Wiener Presse vorsorglich geimpft. „Wenn sie irgendwo auftauchen würden, dann hätten wir den Ermittlungsansatz“, sagt Oberstaatsanwalt Menden.

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