Eine ganze Schulklasse schaute am Sonntag das Spiel gegen England bei ihrer Lehrerin. Die ist mit Jock MacRae verheiratet.

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Jubelnde Fans auf dem Ostwall. Wieder hatte die Polizei dafür gesorgt, dass die Fanmeile nach Spielende frei von Autos blieb.

Jubelnde Fans auf dem Ostwall. Wieder hatte die Polizei dafür gesorgt, dass die Fanmeile nach Spielende frei von Autos blieb.

Dirk Jochmann

Jubelnde Fans auf dem Ostwall. Wieder hatte die Polizei dafür gesorgt, dass die Fanmeile nach Spielende frei von Autos blieb.

Krefeld. Zwei Herzen wohnten am Sonntag in seiner Brust. Für wen sollten sie schlagen, für England oder Deutschland? Jock MacRae, der Schotte mit englischem Blut und sieben Jahren Deutschland-Aufenthalt, entschied sich für die Jogi-Löw-Truppe. "England hat leider kein gutes Team", begründete er kurz und knapp seine Entscheidung.

Er fand gleich 26-fache Unterstützung bei den Schülern seiner Frau Miriam, Lehrerin an der Ricarda-Huch-Schule. Nur eine, Kira, entschied sich für die "drei Löwen" von der Insel, weil England so ein schönes Land sei. Ihr Wunsch, "eigentlich möchte ich, dass beide weiter kommen", konnte wohl kaum in Erfüllung gehen. Ähnlich diplomatisch gab sich Mrs. MacRae, im Gegensatz zu ihrem Mann deutsche Staatsbürgerin. Sie setzte auf ihren "Lieblingstipp" und der heißt: "Eins zu eins, dann Verlängerung und Elfmeterschießen. Alles andere ist Schicksal."

Manuel Neuer hat einen Fan-Klub im Ricarda-Huch-Gymnasium

Das Schicksal schlug denn auch in Form der deutschen Stürmer gleich viermal zu. Miriam MacRae hatte Erdbeereis für die erhitzten Gemüter bereitgestellt, der Tisch in der Küche bog sich unter Muffins, Brownies, gebratenen und gebackenen Snacks. Es wurde eng im Wohnzimmer mit dem nicht allzu großen Fernseher älteren Modells. Jock fürchtete um die Hängelampe an der Decke, wenn ein Tor für Deutschland fallen sollte.

Miriam beeilte sich noch zu ermahnen: "Bei uns in der Wohnung wird freundlich mit einander umgegangen." Dann der Anpfiff. Nur langsam erhöhte sich der Lärmpegel. Noch schwieg die Vuvuzela. Dafür gab’s viel Beifall für die Paraden Manuel Neuers, der in der Klasse einen Fan-Club hat.

Geschätzt, so erfuhr die WZ, wird sein Selbstbewusstsein und die Leistung, denn die zählt vor allem bei den jungen Damen. Schönheit sei da nicht so wichtig. Hoch im Kurs stehen neben Neuer Kukas Podolski und Miroslaw Klose. Vor allem bei den Mädchen, die wie Kira in einer Mannschaft kicken oder wie Marla nur so zum Spaß.

Etwa 800 Fans feierten den 4:1-Erfolg über England in einer Fußprozession auf dem Ostwall mit Vuvuzelas und reichlich Flaschenbier. Abermals hatte die Polizei die "Fan-Meile" zwischen Bahnhof und St.-Anton-Straße für Autos gesperrt. Ein Korso mit 100 Fahrzeugen wurde über Nordwall auf Philadelphia- und Uerdinger Straße umgeleitet. Von 17.45 bis 19.30 Uhr steuerten weder Busse noch Bahnen die Haltestelle Ostwall/Rheinstraße an. Ab 20 Uhr räumt eine Kehrmaschine Scherben. Dann gab’s wieder freie Fahrt.

Acht Personen nahm die Polizei in Gewahrsam - nach Sachbeschädigungen, Körperverletzungen und Provokationen. Ernsthaft verletzt wurde bei der Jubelfeier aber niemand.

Schon am Ende der ersten Halbzeit glaubte Jock, der an der Lindenstraße das kleine Fachgeschäft "Seifenoper" betreibt, nicht mehr an seinen ursprünglichen Tipp (2:1) und erhöhte auf 4:1 für Deutschland. Schüler Arne zog in der Halbzeit mit. Fußballsachverständig erklärte er: "Die Deutschen spielen jetzt von rechts nach links, das ist günstiger."

Wie recht er hatte. Außerdem vermutete er, Löw würde seine Mannen in der Kabine schon zurecht stutzen. Die Vuvuzela kam übrigens nur selten zum Einsatz. Und wenn, hatte die Tröte gegen das Jubelgeschrei nicht die geringste Chance.

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