Dagmar Kersten arbeitet als Chemie-Ingenieurin. Sie sorgt für trockene Windeln.

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Dagmar Kersten prüft das Auslaufverhalten von Windeln an Puppen-Torsos.

Dagmar Kersten prüft das Auslaufverhalten von Windeln an Puppen-Torsos.

Dirk Jochmann

Dagmar Kersten prüft das Auslaufverhalten von Windeln an Puppen-Torsos.

Krefeld. Dagmar Kersten (46) hat zwei Babywindeln in der Hand. Die eine ist 20 Jahre alt, die andere brandneu. Die Änderungen sind sicht- und fühlbar: „Früher war ein geringer Teil Superabsorber und viel Zellstoff darin, heute ist es umgekehrt. Von daher sind die heutigen Windeln viel dünner und leichter zu handhaben“, sagt sie. Sie muss es wissen: Dagmar Kersten ist Chemie-Ingenieurin und arbeitet bei Evonik am Bäkerpfad 25 in der Anwendungstechnik für den Superabsorber, der in Krefeld hergestellt wird.

„Superabsorber“, sagt Standortleiter Bernd Diener, „sind die Motoren moderner Einwegwindeln und sorgen dafür, dass Babypos auf der ganzen Welt trocken bleiben.“

Die Polymere können Flüssigkeiten bis zum 500-fachen ihres Eigengewichts speichern und fest umschließen – selbst unter Druck, wenn sich das Baby auf die Windel setzt. Seit mehr als 20 Jahren ersetzen Superabsorber nach und nach dicke Zellstofflagen. Das Ergebnis sind Windeln, die deutlich leistungsfähiger und dünner sind. Derzeit enthält jede vierte Windel weltweit die Superkörner von Evonik – Tendenz steigend.

„Superabsorber werden hauptsächlich im Hygiene-Bereich eingesetzt: Babywindeln, Damen-Hygiene-Artikel, Inkontinenz-Artikel. Weitere Einsatzgebiete von Superabsorbern sind zum Beispiel Kabel, die tief im Meer verlegt werden müssen. Damit bei einem Bruch kein Wasser die Leitungen beschädigt, sind spezielle Superabsorber in die Kabelummantelungen eingearbeitet“, sagt Diener. Evonik sei einer der weltweit größten Hersteller von Superabsorbern, mit Krefeld als zentralem Produktionsstandort für Europa.

Dagmar Kersten ist seit 1991 bei Evonik, fünf Jahre nach dem Produktionsstart des Superabsorbers. Das Unternehmen stellt das Polymer als weißes Granulat den Kunden zur Verfügung, die es dann zum Beispiel in die Windeln einarbeiten. Verpackt wird das Granulat in große Säcke zu je einer Tonne, auf dem Gelände am Bäkerpfad stehen auch Feststoff-Silos mit 22 Tonnen.

Die Initiative wurde auf Anregung des Currenta-Managers Stefan Dresely und Krefelds DGB-Chef Ralf Köpke gegründet. Über 20 Krefelder Firmen unterstützen das Projekt. Hinzu kommen Verbände und Gewerkschaften.

Die Initiative organisiert unterschiedliche Veranstaltungen wie Schlufffahrten durch den Chemiepark oder den Hafen. Zudem beteiligt sie sich an der Langen Nacht der Industrie. Die findet in diesem Jahr am 17. Oktober statt. Elf Unternehmen aus Krefeld öffnen an diesem Abend die Türen für Besucher.

Wir stellen im Vorfeld der Langen Nacht der Industrie einige der teilnehmenden Firmen vor. www.industrie-krefeld.de

Die Evonik Industries AG ist eines der weltweit führenden Unternehmen der Spezialchemie mit rund 33 000 Mitarbeitern. Verantwortlich für den Standort Krefeld ist Standortleiter Bernd Diener: „Hier arbeiten rund 700 Mitarbeiter von Evonik, die anderen 200 sind in zwei weiteren Firmen beschäftigt, die sich mit uns das Gelände teilen.“

In Krefeld werden vor allem Superabsorber und Stoko-Produkte hergestellt. Stoko-Produkte sind aufeinander abgestimmte Produkte für Hautschutz, Handhygiene, Hautreinigung und -pflege. Der Evonik-Standort ist von der IHK Mittlerer Niederrhein als einer der besten Ausbildungsbetriebe ausgezeichnet worden. www.evonik.de/krefeld

In der Anwendungstechnik arbeitet Dagmar Kersten im Bereich technisches Marketing, dazu gehören Labor- und PC-Arbeiten sowie Testentwicklung und Qualitätssicherung. „Ich stelle anwendungstechnische Kenndaten wie Flüssigkeitsaufnahme, Messung von Rücknässung oder Auslaufverhalten bereit und bewerte sie“, sagt sie. „Auch Marktanalysen gehören dazu.“

„Dank meiner Teilzeitstelle kann ich Job und Familie sehr gut vereinbaren.“

Dagmar Kersten, Chemie-Ingenieurin

Sie arbeitet mit den Bereichen Analytik, Forschung, Technikum und Vertrieb zusammen, sie sind stark verzahnt. „Kundenvertreter sind ebenfalls oft hier“, sagt Kersten. Kontakte hat sie auch zu anderen Produktionsstätten in Baden-Württemberg, in den USA und demnächst auch in Saudi-Arabien. Dort baut Evonik eine neue Anlage, die in der Qualifizierungsphase und kurz vor dem Start ist.

Die Chemie-Ingenieurin ist verheiratet und hat zwei Kinder (17 und 14 Jahre). Seit 2003 arbeitet sie halbtags. „Dank meiner Teilzeitstelle kann ich Job und Familie sehr gut vereinbaren“, sagt sie. In diesem Jahr wurde Evonik von der Hertie-Stiftung wiederholt als familienbewusstes Unternehmen ausgezeichnet.

Zahlreiche Angebote im Rahmen des Konzernprogramms „well@work“ helfen dabei, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Sie reichen von Teilzeitarbeitsmodellen über die Vermittlung von Tagesmüttern bis hin zur Unterstützung von Mitarbeitern mit pflegebedürftigen Angehörigen. Besonders bewährt hat sich auch das Kinderferienprogramm, bei dem Mitarbeiterkinder während der Ferien betreut werden.

Auch durch ihre beiden Kinder hat Dagmar Kersten die Entwicklung der Babywindeln und des Superabsorbers hautnah mitbekommen. „Die Windeln sind deutlich komplexer geworden, haben wesentlich mehr Schichten als früher und sind trotzdem dünner als früher. Die Windeln von heute sind wahre High-Tech-Produkte.“

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