Bei der Veranstaltung von WZ und IHK kritisiert Professor Michael Hüther die Beschlüsse der Bundesregierung.

Impulse
Professor Michael Hüther erläuterte seine Position zur Energiepolitik.

Professor Michael Hüther erläuterte seine Position zur Energiepolitik.

Jochmann, Dirk (dj)

Professor Michael Hüther erläuterte seine Position zur Energiepolitik.

Krefeld. Papandreou und die überraschende Absage des griechischen Referendums haben zunächst nichts mit Energiepolitik zu tun. Und doch schwebte das Thema bei der Impulse-Veranstaltung von Westdeutscher Zeitung und Industrie- und Handelskammer über dem Vortrag von Professor Michael Hüther.

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft sprach vor über 200 Gästen in der Mercedes-Niederlassung an der Magdeburger Straße zum Thema „Energie- und Rohstofflücke – Sprengsatz für unseren Wohlstand?“ und thematisiert gleich zu Beginn, dass nicht nur Energie- und Rohstoffe sondern auch Währungsfragen Sprengsätze bergen, die unseren Wohlstand in Gefahr bringen.

So hakte die stellvertretende WZ-Nachrichtenchefin Annette Ludwig, die die Veranstaltung moderierte, gleich nach und fragte Hüther nach dessen Einschätzung der aktuellen Situation in Griechenland.

Das Zurückrudern von Papandreou wertet Hüther als Chance, eine breitere politische Basis für die in Griechenland notwendigen Anpassungen zu finden. Er outete sich als absoluter Gegner eines Ausstiegs der Griechen. Ein Rauswurf würde die Glaubwürdigkeit des gesamten Systems erschüttern und damit dem Exportweltmeister Deutschland enorme Probleme bereiten.

Bei dieser hohen Exportleistung setzt auch seine Argumentation für eine besonnenere Energiepolitik ein, die mehr Zeit für den Ausbau alternativer Energien und die Erforschung und Entwicklung neuer Stoffe gibt, die die knapper werdenden Ressourcen ersetzen könnten.

Folge sind steigende Preise und Produktionsverlagerungen

In seiner Begrüßung zu Beginn des Wirtschaftsforums „Impulse mit Michael Hüther hat IHK-Präsident Heinz Schmidt darauf hingewiesen, dass gerade unsere Region sehr stark von der Energiepolitik betroffen ist. Er nannte den Braunkohletagebau, die chemische und die Aluminium-Industrie als Beispiele. Umso wichtiger sei eine umweltfreundliche, verlässliche aber auch preiswerte Energieversorgung. Vor diesem Hintergrund kritisierte Schmidt den massiven Eingriff der Politik, die mit allen Mitteln die Abkehr von der Kernenergie durchsetze. Die Folgen seien noch gar nicht abschätzbar, da man in Deutschland im Gegensatz zum Beispiel zu den USA Stromausfälle so gut wie gar nicht kenne. Jede noch so kurze Unterbrechung könne in der Industrie katastrophale Auswirkungen haben. Gefragt sei die Politik auch in der Frage der Rohstoffe. Sie müsse für die entsprechenden Handelsabkommen sorgen. Derzeit habe die Wirtschaft mit erheblichen Exportbeschränkungen zu kämpfen.
Rund 40 Prozent der Firmen, so Schmidt, befürchteten, dass die Rohstoffknappheit zu Abstrichen in der wirtschaftlichen Gesamtleistung führen wird.         dag

Referent Professor Michael Hüther, geboren 1962, stammt aus Neuss. Er ist seit 2004 Direktor und Mitglied des Präsidiums des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und Geschichte in Gießen und promovierte 1990. Vor seiner Tätigkeit in Köln war er unter anderem Chefvolkswirt der Deka-Bank in Frankfurt/Main. Für seine Arbeit wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Impulse Das Wirtschaftsforum ist eine gemeinsame Veranstaltung von Westdeutscher Zeitung und Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein. Gastgeber ist die Mercedes-Benz-Niederlassung Krefeld. Referenten waren bisher unter anderem Justus Haucap, Leiter der Monopolkommission, Professor Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut München und der Mediziner, Theologe und Philosoph Dr. Manfred Lütz.

Deutschland mit seinem im Vergleich zu anderen Staaten hohen Export- und Industrieanteil, weise zwar einen höheren Energieverbrauch aber gleichzeitig auch eine viel höhere Energieeffizienz auf.

Wenig effizient sei hingegen die staatlich verordnete Subventionierung der erneuerbaren Energien, denn sie liege weit über dem Wert des produzierten Stroms. Konzepte für eine europaweite effiziente Energiepolitik sieht er nicht. Deshalb seien steigende Preise und Produktionsverlagerungen die Folge. Ziel müsse aber vielmehr ein generationengerechtes Handeln sein.

Das schenlle Aus für Atomkraftwerke habe dazu geführt, dass Deutschland Strom importieren müsse, der zumeist aus ausländischen Atomanlagen kommt. Die entstandene Lücke zu schließen werde dauern, da entsprechende Speicherformen erst entwickelt, Hochspannungsleitungen erst gebaut werden müssten. Deswegen sei eine Energiewende nicht unter Zeitdruck zu machen.

Das gleiche gelte für die Rohstoffe: Um Entwciklung von Alternativen und sicheren Handel zu ermöglichen brauche es langfristige Strategien.

Immerhin kann der Chef des Kölner Wirtschaftsinstituts der Krise auch etwas Positives abgewinnen, wie er in der lebhaften Diskussion erläuterte. Man habe nun die Chance, eine Zeitenwende in der Finanzpolitik zu schaffen, die Verschuldung abzubauen. Gleichzeitig zeichne sich ab, dass Deutschland sich in der Europapolitik eine Führungsrolle erarbeitet und dies sei eine zentrale Voraussetzung für eine stabile Wirtschaft.

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