Laut Wirtschaftsförderer Eckart Preen läuft die Vermarktung von Gewerbeflächen gut. Krefeld braucht neue Gebiete.

interview
Aus seiner Sicht ist die Wirtschaftsförderung bestens aufgestellt: Eckart Preen. Archiv

Aus seiner Sicht ist die Wirtschaftsförderung bestens aufgestellt: Eckart Preen. Archiv

Dirk Jochmann

Aus seiner Sicht ist die Wirtschaftsförderung bestens aufgestellt: Eckart Preen. Archiv

Krefeld. Seit einem Jahr hat die Wirtschaftsförderung (WFG) neben dem Mehrheitsgesellschafter Stadt auch 25 Gesellschafter aus der Wirtschaft mit im Boot. Im Aufsichtsrat werden die zehn Ratspolitiker seitdem von fünf Unternehmenschefs flankiert. Die Entwicklung und Vermarktung der Gewerbegebiete und Immobilien wurde in der rein städtischen GGK-Grundstücksgesellschaft konzentriert. Grund genug, um den gemeinsamen Geschäftsführer Eckart Preen zu fragen, wie sich die neue Struktur bewährt.

Herr Preen, Sie selbst haben den langjährigen Wunsch der Wirtschaft nach einer aktiven Beteiligung an der Wirtschaftsförderung unterstützt und mit umgesetzt. Bereuen Sie diesen Schritt schon?

Eckart Preen: Natürlich nicht (lacht). Innovationen entstehen an den Schnittstellen, zum Beispiel zwischen Politik und Wirtschaft, und nicht aus zu großer Homogenität heraus. Reibung bringt Fortschritt. Besser, man redet miteinander als übereinander. Das haben wir im vergangenen Jahr im WFG-Aufsichtsrat bereits vier Mal erfolgreich getan.

Welche Folgen haben diese Gespräche im Bezug auf Struktur und Ausrichtung der WFG?

Preen: Alle Maßnahmen zielen auf eine moderne Wirtschaftsförderung mit langfristiger Orientierung – weit über das klassische Geschäft der Fördermittel- und Immobilienberatung hinaus. Gemeinsam sollen Wirtschaftsfreundlichkeit, Image und Bekanntheitsgrad des Standortes gestärkt werden. Eine wichtige Forderung der Wirtschaft ist, dass wir die Qualifizierung der Fachkräfte unterstützen. Dazu dient auch unsere Kooperation mit der Hochschule Niederrhein. Viele Aktivitäten hat die Wirtschaftsförderung ja schon vor der Strukturänderung unterstützt, zum Beispiel die branchenorientierte Bestandspflege.

„Wir müssen uns am Erfolg messen lassen, an objektiv nachprüfbaren Ergebnissen und Kennzahlen.“

Eckart Preen ist 43 Jahre alt und gebürtiger Braunschweiger. Er ist verheiratet, lebt mit seiner Frau in Uerdingen.
 

Nach der Lehre zum Bankkaufmann hat Preen Geschichte, Politikwissenschaft und Italienisch studiert, im Fernstudium Marketing und Internationale BWL.
 

Preen war oberster Mann der Wirtschaftsförderung in Dinslaken. Zuvor arbeitete er in der Mönchengladbacher Wirtschaftsförderung vier Jahre im Bereich Firmenbetreuung und Standortmarketing.
 

Wie wichtig ist eine Erfolgskontrolle?

Preen: Eine moderne Wirtschaftsförderung muss sich auch am Erfolg messen lassen, und zwar an objektiv nachprüfbaren Ergebnissen und Kennzahlen. Diese haben wir in der neuen WFG gemeinsam entwickelt. Dazu zählen unter anderem Daten wie verkaufte Grundstücksflächen oder demnächst die durch unser in der GGK neu installiertes Ladenflächenmanagement vermittelten Verkaufsflächen. Nicht zuletzt wollen wir auch die Kundenzufriedenheit durch eine Befragung ermitteln. Wichtig ist mir dabei nicht das reine Zählen von Daten, sondern eine objektive Bewertung unserer Leistung unter den jeweiligen Voraussetzungen.

Wie steht es mit den Gewerbeflächen?

Preen: Wir haben derzeit durch gute Verkaufserfolge in den vergangenen drei Jahren bereits deutlich weniger Gewerbefläche im Angebot, können also künftig auch weniger veräußern. Also müssen zeitnah neue Grundstücke erschlossen werden, indem man Infrastrukturmaßnahmen wie den Bau neuer Straßen im Gewerbegebiet Europark Fichtenhain C umsetzt.

„Bei den Neueinstellungen zeigt sich ein in der Krise zurückgestelltes Problem – der Fachkräftemangel.“

Müssen nicht auch neue Gewerbeflächen geschaffen werden und wenn ja, wo?

Preen: Selbstverständlich müssen wir Vorsorge für morgen treffen. Nachdem die Flächen im Gewerbegebiet Uerdingen-Nord so gut wie verkauft sind und ständig weitere Anfragen für Grundstücke entlang der A 57 eingehen, sprechen wir mit der Planungsverwaltung über neue Alternativen im Osten der Stadt.

Das hört sich nach einer erhöhten Nachfrage an. Wie entwickelt sich denn die Wirtschaft zum Jahreswechsel?

Preen: Nach dem Absturz wichtiger Branchen wie Teilen des Maschinenbaus und der Chemie lässt sich seit Mitte des vergangenen Jahres ein genereller Aufwärtstrend feststellen. Das besagen die Zahlen des Arbeitsmarktes, der Geschäftsklimaindex und auch auch unsere Gespräche mit Unternehmern vor Ort. Die Zeichen stehen auf Expansion, aber bei den Neueinstellungen zeigt sich ein in der Krise zurückgestelltes Problem – der Fachkräftemangel.

Wie unterstützen Sie die Wirtschaft bei der Personalsuche?

Preen: Beabsichtigt ist die Fortsetzung der erfolgreichen Kampagne Check-in Berufswelt und die Weiterbildungsmesse. Mit dem neuen Zentrum „Zukunft durch Innovation“ wollen wir gemeinsam mit zahlreichen Partnern das Interesse an naturwissenschaftlich-technischen Berufen fördern.

Ihre Prognose für das neue Jahr aus Sicht der Wirtschaftsförderung?

Preen: Trotz der schwierigen Zeit nach der Krise haben wir 2010 bei den Verkaufsflächenzahlen fast das Niveau des Vorjahres erreicht und stehen besser da als in den Boom-Jahren 2005 bis 2007. Dank der seit Herbst forcierten Nachfrage nach Gewerbeflächen sehe ich optimistisch ins neue Jahr.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer