Edelstahlsparte wird mit Tarifvertrag an Outokumpu verkauft. Aber in Krefeld wird die Flüssigphase Ende 2013 geschlossen.

Glocken schlagen an der Mahnwache vor Tor 2: Mit dem Verkauf an Outokumpu wird bei Nirosta eine neue Phase eingeläutet.
Glocken schlagen an der Mahnwache vor Tor 2: Mit dem Verkauf an Outokumpu wird bei Nirosta eine neue Phase eingeläutet.

Glocken schlagen an der Mahnwache vor Tor 2: Mit dem Verkauf an Outokumpu wird bei Nirosta eine neue Phase eingeläutet.

dpa

Glocken schlagen an der Mahnwache vor Tor 2: Mit dem Verkauf an Outokumpu wird bei Nirosta eine neue Phase eingeläutet.

Krefeld. Es war eine Nachtschicht der besonderen Art, und sie endete Dienstagfrüh um 4.10 Uhr: Nach einer Woche zäher Verhandlungen ohne Ergebnisse in teilweise eisiger Atmosphäre, nach Wut und Protesten der Mitarbeiter haben sich die Vertreter der Betriebsratsspitzen und der IG Metall mit den Managern des finnischen Konzerns Outokumpu zur Zukunft der Thyssen-Krupp-Edelstahlsparte Inoxum verständigen können. Gestern um 4 Uhr war die Vereinbarung unterschrieben, kurz nach 9 Uhr eilten die ersten Nachrichten über die Ticker der Nachrichtenagenturen.

Der Umzug von Benrath nach Krefeld wird vollzogen

Nun steht zumindest fest, dass die schlimmsten Befürchtigungen der Beschäftigten von Thyssen-Krupp Nirosta abgewendet werden konnten. Herausgeschlagen haben die Gewerkschafter einen Tarifvertrag zu Standort- und Beschäftigungssicherung, der bis Ende 2017 gilt: Der legt unter anderem fest, dass es vier Jahre lang, bis Ende 2015, in dem neuen Gemeinschaftsunternehmen von Outokumpu und Thyssen-Krupp keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird.

Allerdings nicht ohne einen bitteren Passus für den Nirosta-Standort Krefeld: Die Produktion in der Krefelder Flüssigphase mit 500 Arbeitsplätzen endet zum Jahresende 2013, während die in Bochum bis mindestens Ende 2016 gesichert ist. In Krefeld wird die Wirtschaftlichkeit der Bandgießanlage 2013 überprüft. Positiv für Krefeld: Die Vereinbarungen und Investitionen (244 Millionen Euro) um Umzug von Benrath nach Krefeld werden eins zu eins umgesetzt. In Krefeld werden außerdem 20 Millionen Euro zusätzlich in die Zukunft des Standortes investiert. Es entsteht ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für Kaltwalzprodukte.

Bernd Kalwa, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Nirosta, und sein Bruder Norbert, Vize-Betriebsratsvorsitzender in Krefeld, haben nach Ende der Verhandlungen zwei Stunden geschlafen. Um 6 Uhr waren sie wieder auf den Beinen, um 7 Uhr bereits auf dem Gelände an der Oberschlesienstraße, um die Kollegen zu informieren.

In der Flüssigphase flossen Dienstagmorgen Tränen

Dabei herrschte nicht nur Erleichterung. „Die Kollegen im Stahlwerk, der Flüssigphase, waren sehr bedrückt, einige haben geweint“, sagt Norbert Kalwa. „Diese Schließung ist sehr traurig. Aber es gibt eine Option für das Stahlwerk und die Dünnbandgießanlage: Beweist sie ihre Wirtschaftlichkeit, kann sie überleben.“

Und auch Bernd Kalwa sagt: „Über die Schließung des Stahlwerkes Krefeld 2013 kann niemand froh sein. Froh bin ich darüber, dass niemand durchs Rost fällt – nirgendwo.“

Ralf Köpke, Krefelder DGB-Vorsitzender, hat viel Wut in den Augen der Beschäftigten gesehen – darüber, dass es überhaupt zum Verkauf der Edelstahlsparte kommen musste. „Ich sehen den Abschluss mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Angeboten wurde von Outokumpu nichts. Von daher ist dieser Abschluss als Erfolg zu werten. Und Kaltwalz- und Bandgießbereich gehen bei Forschung und Entwicklung gestärkt hervor. Aber die Schließung des Stahlwerks ist für Krefeld eine Katastrophe. So richtig zufrieden kann aus unserer Sicht niemand sein. Aber es ist mehr, als ich nach dieser Woche erwartet habe. “

Ralf Claessen, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Krefeld, sieht im Abschluss „Licht und Schatten. Dass wir jetzt vier Jahre keine betriebsbedingten Kündigungen ahben werden, ist ein toller Erfolg. Gut ist auch die Nachricht, dass Nirosta in Krefeld ein Innovationszentrum bekommen soll. Aber insgesamt muss man sagen: Krefeld blutet am stärksten. Und ich bin noch sekptisch, ob das vertraglich Festgehaltene auch wirklich mit Leben gefüllt werden wird. Deshalb sind die Kollegen heute nach Essen gefahren und haben ihre Resolution abgegeben.“

Am Mittwoch sind drei Belegschaftsversammlungen von Nirosta im Seidenweberhaus: 10, 13.30 und 17.30 Uhr. Mittags wird Thyssen-Krupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger erwartet.

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