Krefelder Betriebsrat bekommt Unterstützung aus der Politik. Heute zweite Verhandlungsrunde.

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Nirosta-Mitarbeiter mit dem Transparent „Wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze“ auf Finnisch. Fotos (2): Ahmet Yikar

Nirosta-Mitarbeiter mit dem Transparent „Wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze“ auf Finnisch. Fotos (2): Ahmet Yikar

Ahmet Yikar

Nirosta-Mitarbeiter mit dem Transparent „Wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze“ auf Finnisch. Fotos (2): Ahmet Yikar

Krefeld. Während Mittwochmorgen aus Unternehmenskreisen verlautete, dass eine Schließung der so genannten Flüssigphasen an den beiden Standorten Krefeld und Bochum Voraussetzung für eine Konsolidierung des Edelstahlmarktes sei, arbeiten nach der ersten Verhandlungsrunde in Krefeld mit den finnischen Managern von Outokumpu am Dienstag (die WZ berichtete) Betriebsräte und IG Metall mit Hochdruck weiter. Bei der ersten Runde waren die jeweiligen Positionen vorgestellt worden, wobei die Betriebsratsspitzen und IG-Metall-Vertreter hauptsächlich ihre Forderungen „Keine Schließung der Flüssigphasen (Schmelzöfen) in Krefeld und Bochum“ und „Keine betriebsbedingten Kündigungen“ als Bedingungen für einen Verkauf an den finnischen Konzern in klare Worte fassten. Die Atmosphäre war angespannt, war zu hören, aber ansonsten sachlich. Neben den Arbeitnehmervertretern, zu dem auch der Nirosta-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Kalwa aus Krefeld gehört, und den sechs finnischen Managern waren auch Vertreter des Thyssen-Krupp-Konzerns am Tisch.

Für Donnerstag ist die zweite Verhandlungsrunde angesetzt. Neben den Punkten Flüssigphasen und Kündigungen geht es den Arbeitnehmervertretern um das industrielle Konzept des finnischen Konzerns, das die deutschen Stahlarbeiter erwarten.

Aktionsbündnis lädt Donnerstagabend zum ökumenischen Gottesdienst

Norbert Kalwa, Vize-Betriebsratsvorsitzender von Nirosta in Krefeld, koordiniert zurzeit die Öffentlichkeitsarbeit und bereitet die Krefelder Teilnahme an der Großkundgebung in Bochum vor. „Die Teilnehmer an diesen Gesprächen wissen um die riesige Verantwortung, die sie haben. Es geht um die Existenz der Thyssen-Krupp-Edelstahlsparte Inoxum, es geht um die Existenzen der Mitarbeiter.“

Bereits MIttwoch hatte das Aktionsbündnis „Alarmstufe Rot“, bestehend aus den Vertrauensleuten und der IG Metall im Betriebsrat, zu einem Info-Abend ins Jugendzentrum Stahlnetz an der Ecke Oberschlesienstraße/Thyssenstraße eingeladen. Heute um 18 Uhr findet dort ein ökumenischer Gottesdienst für Nirosta-Mitarbeiter und ihre Familien mit Pfarrer Jörg Geyer statt.

Norbert Kalwa berichtet auch über die „sehr große Solidarität in der ganzen Stadt Krefeld“. Eines der Schreiben kam gestern vom Bundestagsabgeordneten Ansgar Heveling aus Berlin Auch er hat mittlerweile an den Vorstandsvorsitzenden des Thyssen-Krupp-Konzerns, Heinrich Hiesinger, geschrieben und u.a. den Erhalt des Krefelder Werkes angemahnt.

Gründung Gegründet wurde der heutige finnische Konzern Outokumpu 1910 als Kupferhütte. Seit 1932 ist es ein Metallkonzern. Es folgten in der jüngeren Vergangenheit Kauf von Sheffield Stainless (Großbritannien) und Avesta/Avesta Polarit (Schweden, 2002). Bis 2006 wurde das Unternehmen komplett umgestellt und ist heute einer der weltweit führenden Hersteller von rostfreien Edelstählen (Stainless). Bei der Konzentration auf rostfreien Stahl erfolgte die Beendigung aller Non-Stainless- sowie der bisherigen Bergbauaktivitäten.

Produktionsstätten Der Konzern hat heute Produktionsstätten in Finnland (Tornio), Schweden (Avesta, Nyby, Degerfors), Großbritannien (Sheffield), USA (Newcastle). Das Unternehmen hat etwa 8000 Beschäftigte weltweit, davon weniger als die Hälfte in Finnland. Tornio ist die Hauptproduktionsstätte. Wo Outokumpu außerhalb Finnlands eingestiegen ist, sind die Standorte danach kleiner bzw. geschlossen worden (Bsp. Produktion von Quartoblechen in Krefeld). Die Produkte werden von Tornio aus nach Terneuzen/Niedelande verschifft und von dort in die Welt verteilt. Von dort kehren die Schiffe mit Recylingmaterial nach Finnland zurück („integrierte Zulieferkette“). Zum Vergleich: Die Edelstahlsparte von Thyssen-Krupp hat weltweit 11 000 Mitarbeiter.
Service Center sind überall auf der Welt errichtet, mit Konzentration auf Asien und USA. Kürzlich Eröffnung eines Service Centers in Shanghai. Das nächstliegende aus Krefelder Sicht ist das Servicecenter in Willich.

Umsatz Zuletzt erzielte Outokumpu einen Umsatz von mehr als drei Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Edelstahlsparte von Thyssen-Krupp erzielte einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro.

Unterstützung Outokumpus bisherige Position beruht für Fachleute vor allem auch auf einer konsequenten staatlichen Unterstützung der Rahmenbedingungen für die industriellen Entwicklung dieses Unternehmens, unter anderem in Forschung und Entwicklung, dem privilegierten Zugang zu Rohstoffen, dem Zugang zu niedrigen Energie- und Strompreisen sowie auf der offensichtlichen gewerkschaftlichen Unterstützung des Umbaus vom Unternehmen.

Hintergrund Laut der europäischen Statistik von Eurostat lagen die Strompreise für industrielle Nutzer im Jahr 2011 in Deutschland um fast das Eineinhalbfache höher als in Finnland.

Mit Sorge hatten die Krefelder Bundestagsabgeordneten Bernd Scheelen und Siegmund Ehrmann am Montagmorgen auf dem Weg nach Berlin die Nachrichten über die Verkaufspläne der Edelstahl-Sparte an den finnischen Stahlkonzern Outokumpu verfolgt. Beide sichern ihre Unterstützung zu. Die Abgeordneten wollen den Betriebsrat dabei unterstützen, dass die Vereinbarungen zwischen Thyssen.Krupp und den Arbeitnehmern zum Schutz ihrer Arbeitsplätze eingehalten werden.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Stefani Mälzer sichert Gesamtbetriebsratsvorsitzendem Bernd Kalwa in einem Brief die Unterstützung der Krefelder Grünen zu. Geschrieben hat sie auch an Sylvia Löhrmann. Darin bittet sie die stellvertretende Landeschefin, den Thyssen-Krupp-Vorstandsvorsitzenden u.a. auf die Landesfördergelder für den Bereich der Bandgießanlagen in Höhe von 8,8 Millionen Euro hinzuweisen.

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