Azubis von Siempelkamp haben eine Maschine des Unternehmens als Miniatur nachgebaut und die Entwicklung hautnah miterlebt.

Das Original: Diese 11 000-Tonnen-Anbiegepresse wurde bei Siempelkamp für Europipe gefertigt. Auszubildende bauten sie für ihre Firma jetzt im Maßstab 1:25 nach.
Das Original: Diese 11 000-Tonnen-Anbiegepresse wurde bei Siempelkamp für Europipe gefertigt. Auszubildende bauten sie für ihre Firma jetzt im Maßstab 1:25 nach.

Das Original: Diese 11 000-Tonnen-Anbiegepresse wurde bei Siempelkamp für Europipe gefertigt. Auszubildende bauten sie für ihre Firma jetzt im Maßstab 1:25 nach.

Wolfhard Petzold

Das Original: Diese 11 000-Tonnen-Anbiegepresse wurde bei Siempelkamp für Europipe gefertigt. Auszubildende bauten sie für ihre Firma jetzt im Maßstab 1:25 nach.

„Was die gestandenen Mitarbeiter können, können wir auch“, sagen sich im Juli 2009 einige junge Auszubildende von Siempelkamp. Sie gründen mit Hilfe ihrer Ausbilder und des Betriebsrats die Mini-Company. Ihr Ziel: ein funktionsfähiges Modell einer der größten Pressen für die Metallumformung zu produzieren.

Eine solche Maschine wurde im Vorjahr an das Mülheimer Unternehmen Europipe geliefert. Die 11.000-Tonnen-Presse, die unter anderem die Bleche für die Rohre der neuen Erdgas-Pipeline durch die Ostsee herstellt, soll originalgetreu im Maßstab 1:25 nachgebaut werden.

„Zum Aufgabenspektrum der Jungunternehmer gehörte alles, was ein echtes Projekt ausmacht“, sagt Bernhard Sander heute. Der Ausbildungsleiter zählt auf: „Bedarf ermitteln, vorkalkulieren, Kosten festlegen und während der Fertigung die Funktionsfähigkeit und Qualität überwachen. So lernen die Auszubildenden, wie ein Unternehmen funktioniert und wie kaufmännische und technische Abläufe ineinandergreifen.“

Im Schneeballsystem wird ein kleiner Fehler zum großen Mangel

Das bestätigt auch die 21-jährige Daniela Reiser, als Geschäftsführerin für den technischen Bereich des Projekts verantwortlich: „Die Arbeit hat mir vor Augen geführt, wie wichtig der Dialog zwischen den Abteilungen ist.“

So habe man von den Kollegen aus der Fertigung gelernt, dass es einfacher ist, aus einem runden ein eckiges Teil zu bearbeiten als umgekehrt. Schmerzhaft sei vor allem die Erfahrung gewesen, dass sich Fehler im Schneeballsystem zu eklatanten Mängeln auswachsen können.

Die 21-Jährige absolviert bei Siempelkamp eine kooperative Ingenieurausbildung. Sie studiert nach der Ausbildung zur technischen Zeichnerin im fünften Semester Maschinenbau. Ihr Fazit: „Dieses Projekt hat mich weit nach vorne gebracht. Darum beneiden mich meine Kommilitonen, die eine solche Chance nicht geboten bekommen.“

Simon Wahlicht Der 22-Jährige hat die duale Ausbildung zum Industriekaufmann gewählt – mit Studium im fünften Semester zum Bachelor of Arts in Business Administration. Sein Kommentar: „Wir haben so agiert, als führten wir wirklich ein eigenes Unternehmen – inklusive Personalkosten und Miete der Maschinen in der Lehrwerkstatt.“

Der Ausbildungsleiter im gewerblich-technischen Bereich: „Der Kontakt zwischen den einzelnen Abteilungen hat den Auszubildenden geholfen, Zusammenhänge zu begreifen und sich miteinander zu vernetzen.“

Der 22-jährige Geschäftsführer-Kollege Simon Wahlicht, zuständig für das Kaufmännische, berichtet: „Wir haben die Leistungen bei mehreren Lieferanten angefragt, verglichen und auf diese Weise hautnah den Eindruck von Wirtschaftlichkeit und Wettbewerb gewonnen.“ Selbst die Teilnahme an Beiratssitzungen gehörte für die Youngster zum Programm – einschließlich der Präsentation des Projekts vor den Führungskräften um Siempelkamp-Chef Hans W. Fechner.

Das Ergebnis ist beeindruckend, denn das Modell biegt wie das Original – wenn auch kleinere Bleche. Anerkennung für die Jungunternehmer gab es Ende November bei der Übergabe des Modells vom Vorsitzenden der Geschäftsführung von Europipe. „Das Original der Anbiegepresse läuft hervorragend, und die Umformergebnisse zeigen, dass das Konzept von Siempelkamp richtig ist. Deshalb präsentieren wir Besuchern sehr gerne auch das Modell“, sagt Michael Gräf.

Anerkennung gibt es aber auch aus dem eigenen Unternehmen. Denn das Projekt soll laut Fechner fester Bestandteil der Ausbildung werden – und damit zu einer neuen Chance für jeden Jahrgang.

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