In Uerdingen wird ein kleines Aluminium-Teil in den Combino-Züge ausgetauscht. Kosten: 500 Millionen Euro.

Die alten Teile aus den Combino-Bahnen werden in Uerdingen ausgebaut.

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Krefeld. Das Modell Combino wird in die Firmengeschichte von Siemens als eines der schwarzen Kapitel eingehen. "Rund 500 Millionen Euro kostet uns weltweit die Sanierung von insgesamt 475 Schienenfahrzeugen", berichtet Projektleiter Hans-Joachim Fischer beim Ortstermin im Uerdinger Werk. Dabei hält er die Ursache allen Übels in die Höhe: Ein kleines Aluminiumprofil, das als Eckversteifung in allen Wagen eingebaut wurde. Allerdings erwies es sich als nicht stoßfest und nicht frei von Rissen. "Es war noch nicht einmal ein eigenes Bauteil, sondern ein viel gepriesenes, zugekauftes."

Alle Bahnen werden komplett zerlegt und neue Teile verschweist

Aufgrund der Materialermüdung des Bauteils müssen alle Bahnen komplett zerlegt und saniert werden. Bis auf die Bodenplatten und die Fahrerhäuser werden die gesamten Fahrgastzellen mit neuen Profilen versteift und mit Schraubbolzen im Dachbereich und hochwertigen Schweißnähten im Fußraumbereich neu aufgebaut.

"Die Fahrzeuge sind mit den alten eigentlich nicht mehr vergleichbar. Es ist vielmehr eine neue Generation, bei der sogar die Fahrwerke aus Komfortgründen mit zusätzlichen Stoßdämpfern ausgestattet werden", erläutert Werksleiter Peter Ziegler.

Zumindest ein Gutes habe das Desaster: "Wir haben dabei so viel gelernt, dass wir jetzt einen technologischen Vorsprung vor dem Wettbewerb haben." Man sei auch stolz darauf, mit dem Vorfall so offen umgegangen zu sein. Dankschreiben von Bahngesellschaften wie der niederländischen aus Amsterdam hängen in der Werkshalle an der Wand und loben die gute Zusammenarbeit. "Und was kann schöner sein als das Vertrauen der Kunden, die in weitere Fahrzeuge investieren?", fragt Siemens-Pressesprecher Frank Winterfeld.

Georg Schumacher, Leiter Unternehmenskommunikation der Rheinbahn Düsseldorf, bestätigt, dass für die K-Bahn (U 76) neue Silberpfeile der zweiten Generation aus Krefeld bis 2011 bestellt sind. Das Vertrauen zu Siemens habe nicht gelitten. Derzeit werden 20 Fahrzeuge des Ursprungstyps Combino im Werk Uerdingen saniert. Bis Jahresende sollen alle 51 Modelle für die Rheinbahn erneuert sein. Immerhin blättert Siemens für die Überarbeitung allein dieser Bahnen gut die Hälfte des damaligen Auftragswerts von über 100 Millionen Euro hin.

Etwa 30 Tage dauert es, bis eine Bahn saniert und geprüft ist. "Rund 300 Mitarbeiter sind dafür in zwei Schichten im Einsatz.

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