Die Krefelder Firma Devetex beliefert kleine Einzelhändler genauso wie milliardenschwere Modeunternehmen. Der Nähboom führt jetzt zu einer neuen Produktentwicklung.

Krefeld. Ob das Innere der Anzugjacke eines der größten deutschen Modelabels oder die zweite Haut unter dem Cocktailkleid einer großen deutschen Damenmodekette, sie haben ihren Weg über Krefeld genommen. Sechs Millionen Meter Futterstoffe und zunehmend auch Oberstoffe liefert die Firma Devetex jährlich von der Kleinewefersstraße am Rande des Mies van der Rohe Business Park an Abnehmer vor allem in Deutschland, aber auch in den Benelux-Ländern, Skandinavien und Osteuropa. Dazu gehören hunderte kleine Stoffgeschäfte genauso wie ein großer deutscher Stoff-Online-Shop und besagte namhafte Modedesigner und -industrielle mit Millionen- oder sogar Milliardenumsätzen. Gerade im Bezug auf Letztere bewegt sich Devetex damit in einem Markt in ständigem Wandel und voller Herausforderungen.

Die spanische Mutterfirma hat Zara und Mango als Kunden

„Die Modelabels auf dem deutschen Markt haben es schwer, viele haben Probleme zu bestehen, das Umfeld kriselt, die Konkurrenz von außen ist groß, die Anzahl der Insolvenzen steigt wieder“, sagt Devetex-Geschäftsführer René Frank über die potenziellen Abnehmer seiner Ware.

Anders sehe das bei der spanischen Mutter Sedatex, die zwei Drittel des Krefelder Unternehmens hält, aus. Zu deren Abnehmern zählen unter anderem Zara und Mango und damit Firmen, die „flexibel, schnell, in kurzen Abständen“, so Frank, immer wieder neue Produkte in ihren Läden anböten. So wollten es eigentlich auch die Modefans in Deutschland, sagt der 44-jährige Gelderner, dem ein Drittel der Firma gehört (siehe Kasten).

Krefelder haben Stretch-Variante für Hobby-Kreative erdacht

Was die Kreativen auf bundesweiter Ebene angeht, gehört für Frank deshalb zur Firmenpolitik, als „Schnittstelle unserer Mutter zum deutschen Markt“ nie in Abhängigkeit zu einzelnen Kunden zu geraten. Und was die Kreativen angeht, die an ihrer heimischen Singer-, Pfaff- oder Brother-Maschine den aktuellen Nähboom mitbegründet haben, kann sich René Frank eh nur freuen. „Das bekommen wir schon zu spüren“, sagt der gebürtige Niedersachse über den Absatz.

Die große Nachfrage mit speziellen Vorlieben in diesem Bereich hat jetzt sogar zu einer Neuentwicklung eines Stoffs geführt. Neben Neva viscon, das schon in den 1970er-Jahren in der Nähszene bekannt und beliebt war, liegt nun in den sechs Reihen von Hochregalen des 2500 Quadratmeter großen Devetex-Lagers auch Neva viscon stretch. Solche Entwicklungen unterschieden, wie René Frank betont, sein Unternehmen von vielen Mitbewerbern. Denn Devetex sei „mehr als nur ein Verkaufsbüro“.

Zu den 20 Mitarbeitern gehört beispielsweise ein dreiköpfiges Team aus Textilingenieuren mit den Schwerpunkten Weberei und Veredlung. Zwar sitze der kreative Kern ebenso wie die Produktion bei Sedatex in Spanien. Aber auch in den Krefelder Büros werden Stoffe „nach individuellen Kundenwünschen entworfen“, so Frank. „Die Anzahl der Produkte von der Stange ist stark zurückgegangen.“

„Einen schwarzen oder dunkelblauen Anzug kauft doch keiner mehr, ganz einfach, weil er schon einen hat. Aber coole Futterstoffe können einen neuen Kaufreiz schaffen.“
René Frank, Geschäftsführer der Devetex GmbH

Wer nicht selbst mit einer Grundidee für Material, Muster und Webart zu Devetex kommt, kann sich im Showroom in der ersten Etage des Richtung Kleinewefersstraße über drei Geschosse verteilten Firmenkomplexes inspirieren lassen. Im Trend lägen bei den Labels „allgemein in der Bekleidung Produkte, die sehr stark individualisiert sind“, sagt Frank. „Einen schwarzen oder dunkelblauen Anzug kauft keiner mehr. Ganz einfach, weil er schon einen hat.“ Aber über „coole bedruckte Futterstoffe“ könne man da einen erneuten Kaufreiz schaffen. „Das ist der Tenor quer durch die Bank.“ Ansonsten stünden bei seinen Kunden zunehmend Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein im Fokus.

Wer in Europa hergestellte Stoffe wie die aus Spanien und Italien kommenden von Devetex kaufe, erklärt Frank, mache das aus Unternehmensphilosophie, weil es schnell gehen müsse oder eben, weil er nur kleine Chargen brauche, für die im asiatischen Markt niemand eine Maschine laufen lassen würde.

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