Pauk Neukirchen ist der neue Hauptgeschäftsführer der fusionierten Kreishandwerkerschaft Krefeld-Viersen-Neuss.

Paul Neukirchen ist zuständig für die Region.
Paul Neukirchen ist zuständig für die Region.

Paul Neukirchen ist zuständig für die Region.

Andreas Bischof

Paul Neukirchen ist zuständig für die Region.

Krefeld. Paul Neukirchen (54 Jahre) löst Stephan Finger nicht nur als Hauptgeschäftsführer an der Spitze der Kreishandwerkerschaft (KHS) Krefeld-Viersen ab.

Er führt als Leiter der KHS Neuss beide Verbände zusammen. Auf diese Weise entsteht der mit Abstand größte Verband dieser Art in Deutschland - die Kreishandwerkerschaft Niederrhein Krefeld-Viersen-Neuss.

Herr Neukirchen, wie kamen Sie zur Verbandstätigkeit und welche Erfahrung bringen Sie mit?

Paul Neukirchen: Schon mein Vater war Geschäftsführer der KHS in Neuss. Ich absolvierte dort während meines Wirtschaftsstudiums ein Praktikum und wurde nach dem Ausscheiden meines Vaters mit einem Angebot zur Übernahme der Geschäftsführung völlig überrascht. Damals war ich 27 Jahre alt.

Dass ich weitere 27 Jahre dabei bleiben würde, habe ich mir seinerzeit nicht vorstellen können. Doch dann lernt man die Vielseitigkeit der Branchen kennen und die verantwortungsbewussten Menschen im Handwerk schätzen und findet Gefallen daran, sie zu unterstützen.

Außerdem helfe ich in mehreren Organisationen wie dem Zentralverband des deutschen Handwerks mit, das Image unserer Zunft in der Öffentlichkeit zu verbessern und nötige Änderungen voranzutreiben.

Der Zusammenschluss der beiden Verbände zur größten Kreishandwerkerschaft Deutschlands ist eine Mega-Aufgabe, die jetzt umgesetzt werden muss. Wie wollen Sie Ihr Ziel erreichen?

Die KHS Neuss und Krefeld-Viersen agieren mit Sitz in Krefeld und Niederlassungen in Viersen und Neuss. Der neue Name: Kreishandwerkerschaft Niederrhein Krefeld-Viersen-Neuss. Hauptgeschäftsführer ist Paul Neukirchen. Mitgliedsunternehmen: über 4100. Fast zwei Drittel der Handwerksbetriebe sind in der KHS organisiert. Die Mitgliedschaft ist im Gegensatz zu Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammer freiwillig.

Neukirchen: Die Diskussion um den optimalen Zuschnitt von Handwerksorganisationen ist bundesweit im Gang. Also wird man genau beobachten, wie wir den Zusammenschluss umsetzen.

Es muss nicht mehr um jeden Kirchturm eine Kreishandwerkerschaft stehen. Da bin ich mit meinem Vorgänger und Freund Stephan Finger einig, der im Übrigen hervorragende Vorarbeit geleistet und den Beteiligten die Scheu vor der Fusion genommen hat. Unser Ziel heißt Zusammenwachsen - von beiden Seiten und ohne Zeitvorgabe.

Ähnlich wie die Region Niederrhein auf der Expoauftritt. Mit der Hauptniederlassung in Krefeld und den Niederlassungen in Viersen und Neuss bleiben wir vor Ort vertreten. Unter dem Dach der Kreishandwerkerschaft können auch Innungen fusionieren. Jede entscheidet dabei autonom.

Wo sehen Sie Synergien und Chancen durch den Zusammenschluss?

Neukirchen: Beste Chancen sehe ich für unser Bildungszentrum und den Ausbau von ausbildungsbegleitenden Hilfen für die Mitgliedsbetriebe in der ganzen Region. Bei den übergeordneten Fachtätigkeiten, etwa bei den Juristen, können wir Kräfte bündeln. Wir werden allerdings kein Personal abbauen, sondern andere Dienstleistungen verstärken, zum Beispiel die Inkassobearbeitung. Hier rechne ich in den nächsten Jahren mit einer Steigerung um 50 Prozent.

Wo hat das Handwerk Probleme und benötigt Hilfe?

Neukirchen: Das größte Problem des Handwerks ist das Imageproblem. Leider ist das Berufsbild des Handwerkers in der Öffentlichkeit oft nicht positiv besetzt, gerade bei den 14- bis 18-Jährigen. Junge Menschen wollen aber von gleichaltrigen Kollegen die Bestätigung, einen tollen Beruf zu haben. Eine ganz wichtige Aufgabe ist es daher, dieses Zerrbild zurechtzurücken.

Das Handwerk glänzt durch Qualität und individuelle Arbeit, wie man sie im Möbelgeschäft - Beispiel Einbauschrank - oder mit der Fertigduschkabine aus dem Baumarkt nicht bekommt. Handwerk nutzt hochmoderne Technik und bietet umfangreiche Aufstiegschancen bis hin zur Selbständigkeit. Und in aller Regel hat man neben dem Fortkommen auch ein finanzielles Auskommen.

Welche erfolgreichen Ideen bringen Sie nach Krefeld mit?

Neukirchen: Das Handwerk hat die Bedeutung von Messen noch nicht richtig erkannt. In der Neusser Stadthalle hatten wir mit mehr als 60 Ausstellern großen Erfolg mit der "Smart Energy" rund um die energetische Gebäudesanierung. Wir haben Anhaltspunkte dafür, dass sich eine solche Präsentation in dieser Größenordnung auch auf Krefeld-Viersen übertragen lässt. Bei einer Messe kann man mit Kunden über die geplante Haussanierung reden und ihr Vertrauen gewinnen, bevor sie bereit sind, viel Geld auszugeben.

Worauf müssen sich die Betriebe einstellen?

Neukirchen: Die Probleme sind branchenspezifisch sehr unterschiedlich. Beispiele: Der Automobilmarkt wird sich nach jahrelanger Überproduktion zuerst bereinigen müssen. Das Baugewerbe muss sich darauf einstellen, dass statt Neubauten die Sanierung boomen wird - mit energiesparenden Lösungen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer