Der Velaro von Siemens wird in Russland Ende Dezember den regulären Betrieb aufnehmen.

Krefeld. Der Wanderfalke ist in den letzten Zügen der Testphase. Der Velaro RUS, den Siemens im Uerdinger Werk für die russische Bahngesellschaft RZD baut, ist der erste Hochgeschwindigkeitszug in diesem Riesenland und wird von der Bahngesellschaft "Sapsan" genannt, "Wanderfalke". Und wieder einmal heißt es, diesmal auf der russischen Breitspur: "made in Krefeld-Uerdingen."

Der Wanderfalke, der sich am Ende der Tests befindet und dann als Neuheit zugelassen wird, ist der erste von acht Zügen, die Siemens liefert. Zunächst werden die Hochgeschwindigkeitsfahrzeuge ab Ende Dezember auf der Strecke Moskau-St. Petersburg eingesetzt, später sollen sie auch zwischen Moskau und Nishni Novgorod eingesetzt werden. Vorgesehen ist eine so genannte betriebliche Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Der Wanderfalke hat bereits einen russischen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt und bei einer Testfahrt 281 km/h geschafft.

Der Zug ist speziell an die Kälte angepasst

Der "Wanderfalke" made in Uerdingen bietet in zehn Wagen pro Zug Platz für mehr als 600 Fahrgäste und wurde speziell an die technischen und klimatischen Bedingungen in Russland angepasst. Alle Elemente des Zuges wie Technik, Isolation und Schmierstoffe sind für die extremen klimatischen Bedingungen ausgelegt. So ist der "Sapsan", dessen Name auch an die ungeheure Weite in Russland erinnert, bei Außentemperaturen von bis zu minus 50 Grad Celsius betriebsfähig. Deshalb musste der Velaro RUS auch Tests im Klima-Wind-Kanal in Wien bestehen. Um alle Komponenten des Zugsvor Vereisung und Schneeverwehungen zu schützen und gleichzeitig ausreichend zu kühlen, wird im Winter die Kühlluft durch spezielle Luftkanäle vom Dach in die nahezu dichten Bodenwannen geleitet.

Mit seinen verbreiterten Drehgestellen sind die Züge auf die russische Breitspur ausgelegt und damit rund 33 Zentimeter breiter als der ICE3, ebenfalls ein Velaro von Siemens für die Deutsche Bahn. Der Velaro RUS ist mit zehn statt acht Wagen auch 50 Meter länger als sein "Kollege" in Spanien, der Velaro E. Möglich wird dies durch die längeren Bahnsteige in Russland.

Der Velaro RUS ist so stark wie 11000 Pferde

Der erste Velaro RUS, der im Herbst 2008 von Uerdingen aus nach Russland transportiert worden war, hatte vor Erreichen seines Ziels einen "Umweg" gemacht: Er wurde fast genau vor einem Jahr auf der Inno-Trans in Berlin vorgestellt. Dort wurde auch erläutert, was die Fahrgäste in Russland zunächst auf der Strecke Moskau-St. Petersburg - etwa 650 Kilometer - ab Ende Dezember täglich erleben werden: Antriebsleistung 8000 Kilowatt, vergleichbar mit rund 11000 Pferdestärken. Jede zweite Achse ist direkt angetrieben. Dieses Antriebskonzept ermöglicht auch das Befahren von steileren Streckenabschnitten.

Bislang betreiben acht Länder ein Netz für Hochgeschwindigkeitszüge. China ist mit den ersten fünf Velaros CN zu den Olympischen Spielen 2008 eingestiegen. Die Beginn der Erfolgsgeschichte des Velaro begann 2001 in Spanien: Die spanische Eisenbahn Renfe hat damals 16 Hochgeschwindigkeitszüge des Typs Velaro E bei Siemens bestellt - made in Uerdingen. Im Dezember 2008 bestellte die Deutsche Bahn AG bei Siemens 15 Velaros (Auftragsvolumen: 500 Millionen Euro), die bei der Bahn als ICE 3 fahren.

Möglich wurde das alles durch ein Programm der russischen Regierung. Dadurch kann die Bahngesellschaft RZD bis 2030 bis zu 400 Milliarden Euro in den Ausbau des Schienennetzes und in neue Züge investieren.

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