Der gelernte Fleischermeister Heinz Spicker wird 90 und blickt zurück auf eine große Kunst.

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Sogar ein eigenes Wappen nennt Heinz Spicker sein Eigen. Ehrensache, dass er es in Ehren hält.

Sogar ein eigenes Wappen nennt Heinz Spicker sein Eigen. Ehrensache, dass er es in Ehren hält.

Dirk Jochmann

Sogar ein eigenes Wappen nennt Heinz Spicker sein Eigen. Ehrensache, dass er es in Ehren hält.

Krefeld. Ganze 22 selbständige Fleischereien gibt es heute noch in Krefeld. Wo ist der Rest der rund 180Fachgeschäfte geblieben, die es in den sechziger Jahren in Krefeld noch gab, als allein Karl-Heinz Spicker mit sieben Filialen ein kleines Fleischerei-Imperium im Stadtgebiet betrieb? "Die Supermärkte mit ihren Fleischtheken, die Änderung der Essgewohnheiten und der häuslichen Lagerhaltung in Tiefkühltruhen sind die Gründe", bedauert der fast 90-Jährige den Wandel. "In Anerkennung für besondere Verdienste" wurde ihm 1983 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Zu seinem 90. Geburtstag am 26.Juli wird ihm eine weitere hohe Auszeichnung zuteil - der "Diamantene Meisterbrief".

Keine Chance für Gammelfleisch oder künstliche Zutaten

Von drei Töchtern betreibt nur noch Tochter Erika in Erkelenz eine Fleischerei. Die einzige der einst sieben Krefelder Filialen, die heute noch am gleichen Standort in der Hülser Straße existiert, werde von einem ehemaligen Mitarbeiter geführt, berichtet Spicker. Ansonsten wurden alle Geschäfte nach seinem Eintritt in den Ruhestand 1988 geschlossen.

Bis zum Marktführer des Fleischerhandwerks hatte er es in Krefeld gebracht und sich 25Jahre lang als Obermeister in den Dienst der Fleischerinnung gestellt. Spicker erinnert sich, dass schon damals Fachkräfte fehlten. Selten waren zum Beispiel die "Erstverkäuferinnen", die eine Filiale führen durften. "Bei den Wurstzutaten verwendeten wir nur Naturgewürze, aber keine Zusatzstoffe - es war einfach alles frisch, wie auch heute noch oder wieder bei guten Fachgeschäften. Bei Klon- oder Gammelfleisch hätten uns die Kunden aus der Stadt gejagt."

Die Qualität der Fleisch- und Wurstwaren sei damals in der Breite besser gewesen, heute gebe es allerdings mehr Vielfalt wie Geflügelwurst. Er selbst habe für die Innung stets Auslandsfahrten organisiert und aus Paris, Budapest, Jerusalem oder gar New York und San Franzisco Anregungen mit nach Hause gebracht. Besonders befruchtend sei die Städtepartnerschaft mit dem französischen Dünkirchen gewesen, der die Krefelder die ersten Pasteten, und die Baguette-Salami zu verdanken hätten.

Auch in punkto Zusammenleben und Sozialstruktur habe sich vieles verändert. "In der Gladbacher Straße gab es außer unserem Zentralgeschäft allein neun Fleischereien", erinnert er sich gemeinsam mit Tochter Marlene Stappen.

Der Fleischerbranche ist er bis heute eng verbunden, versäumt er doch keinen Verbandstag und keine Innungsversammlung. Auch in der Mittelstandsvereinigung ist er noch aktives Mitglied. Gelegentlich trifft er sich mit seinem ehemaligen Auszubildenden Martin Hauser, den er einst losgesprochen hat, einem der letzten 22 selbständigen Fleischermeister der Stadt. Seinem Geburtstag sieht er mit Freude entgegen: "Da kommen die ehemaligen Mitstreiter, viele gute Freunde und alles was Rang und Namen hat aus der Branche in mein Stammlokal zu Kleinlosen."

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