Eine Gruppe junger Freiberufler betreibt unter dem Namen „de:seng“ ein Gemeinschaftsbüro in der Südstadt.

Arbeit
Arbeiten bei „de:seng“ eng zusammen: José Cielito Pfister, Sabrina Fromm, Frederik Schiebek, Bastian Feldkeller (von links oben), Ellen Kamp, Holger Lamers und Eveline Müller (von links unten).

Arbeiten bei „de:seng“ eng zusammen: José Cielito Pfister, Sabrina Fromm, Frederik Schiebek, Bastian Feldkeller (von links oben), Ellen Kamp, Holger Lamers und Eveline Müller (von links unten).

Dirk Jochmann

Arbeiten bei „de:seng“ eng zusammen: José Cielito Pfister, Sabrina Fromm, Frederik Schiebek, Bastian Feldkeller (von links oben), Ellen Kamp, Holger Lamers und Eveline Müller (von links unten).

Krefeld. Aufmerksame Südstädter werden es bereits bemerkt haben: In dem Eckhaus an der Südstraße 29 tut sich etwas. Wo zuletzt ein Internetcafé mit angeschlossenen Kiosk beheimatet war, arbeitet heute hinter Milchglas eine Gruppe junger Freiberufler und Selbständiger zusammen – als Kreativkollektiv „de:seng“.

Bereits der Name ist ein Hinweis auf den Lokalpatriotismus, der das siebenköpfige Team dazu bewogen hat, sich in Krefeld anzusiedeln. Denn auf Krieewelsch würde das englische Wort „Design“ wohl genau so ausgesprochen: mit E und hartem G am Ende.

Die acht Arbeitsplätze entstanden zuerst am Schinkenplatz

„Berlin und Hamburg kann doch jeder“, sagt „de:seng“-Gründungsmitglied Bastian Feldkeller lachend. „Krefeld ist hingegen leider nicht gerade als Kreativ-Standort bekannt, obwohl die Hochschule Niederrhein hier beheimatet ist. Und das sollte sich ändern.“

Vergangenen Sommer hat der 29-jährige Diplom-Ingenieur und selbst ernannte „Allround-Kreative“ beschlossen, den ersten Schritt zu machen. Seinen Uni-Abschluss hatte er da gerade in der Tasche, die Freiberuflichkeit vor sich. „Aber ich wollte auf keinen Fall alleine in meinem Kämmerlein vor mich hinarbeiten“, erklärt er. Und so wandte er sich an einige Freunde und Bekannte, die in derselben Situation waren. Acht Arbeitsplätze entstanden zuerst am Schinkenplatz, später zog die Truppe an die Südstraße um.

„Berlin und Hamburg kann doch jeder.“

Bastian Feldkeller, „de:seng“-Gründungmitglied und Lokalpatriot

Einen der acht Plätze besetzt José Cielito Pfister. Der 29-Jährige ist im Bereich Grafik- und Webdesign tätig. „Bei Menschen, die in kreativen Berufen arbeiten, sind Gemeinschaftsbüros mittlerweile gang und gäbe“, sagt er. „In Köln, wo ich studiert habe, gibt es sehr viele davon.“

Frederik Schiebek Der 31-Jährige ist Diplom-Ingenieur und freiberuflicher Softwareentwickler sowie Netzwerktechniker.

José Cielito Pfister Der 29-Jährige hat in Köln Grafik studiert und ist selbständiger Grafik- und Webdesigner. Er betreibt Coolibaa, ein Büro für visuelle Kommunikation.

Holger Lamers Gemeinsam mit Marco Pietzka führt der 29-Jährige das Streetwear-Label Illhill und die Agentur Concrete Media, die sich auf Textildruck, Gestaltung und Marketing spezialisiert hat.

Sabrina Fromm Die 22-Jährige studiert Kommunikationsdesign im sechsten Semester. 2011 hat sie bei „de:seng“ mit einer Kommilitonin den Stop-Motion-Film „Jack la Pomme“ produziert.

Ellen Kamp Die 30-Jährige ist freiberufliche Innenarchitektin und erledigt Bauzeichneraufgaben.

Eveline Müller Die 29-jährige Diplom-Designerin hat sich auf Objektdesign spezialisiert. Momentan arbeitet sie zusammen mit dem Krefelder Künstler Otto Holler an einem Projekt.

Bastian Feldkeller Der 29-jährige Diplom-Ingenieur verfolgt unterschiedliche Projekte. Kürzlich hat er die 600 Quadratmeter große Fassade des Bollwerks 107, einem Jugendkulturzentrum in Moers, gestaltet. Gemeinsam mit seinen „de:seng“-Kollegen engagiert er sich beim Horst-Festival, das jährlich umsonst und draußen in Mönchengladbach stattfindet.

www.deseng.de

Die Vorteile einer solchen Berufs-Wohngemeinschaft liegen auf der Hand: „Es gibt viele Synergieeffekte – finanziell und beruflich“, erklärt Holger Lamers, ebenfalls 29 Jahre alt, angehender Diplom-Designer und freiberuflicher Grafiker. Gemeinsam mit seinem Kollegen Marco Pietzka betreibt er das kleine, aber feine Streetwear-Label Illhill und eine eigene Siebdruckerei, die ebenfalls in dem 80 Quadratmeter großem Büroraum an der Südstraße beheimatet ist. „Man kann sich gegenseitig helfen und teilt sich viele Fixkosten, wie zum Beispiel für Internet oder Strom.“

Auch die Kunden profitieren: „Wir können günstigere Preise anbieten als große Werbeagenturen“, erklärt die 30-jährige Innenarchitektin und Bauzeichnerin Ellen Kamp. „Und weil wir hier eng vernetzt arbeiten, können unsere Kunden auf einen großen Dienstleistungspool zugreifen.“

Doch das „de:seng“-Team legt noch auf etwas anderes großen Wert: „Wir genießen die absolute Freiheit, die dieses Modell mit sich bringt“, sagt José Cielito Pfister. „Jeder ist sein eigener Chef und kann deshalb kommen und gehen, wann er möchte. Und da uns alle ein freundschaftliches Verhältnis verbindet, herrscht hier eine viel lockerere Atmosphäre als in den meisten Werbeagenturen.“

Und auch die Verbindung zu ihrem „Kiez“ – also der Südstadt – ist dem Kreativkollektiv sehr wichtig: „Wir leisten ja schon fast einen lokalpatriotischen Beitrag“, findet Holger Lamers. „Die Leute kommen einfach rein, quatschen und können sich bei uns vernetzen.“

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