Krefelds Juden feiern Channukka und ihr Gemeinde-Vorsitzender Michael Gilad wirbt für mehr interreligiöse Kommunikation.

Krefelds Juden feiern Channukka und ihr Gemeinde-Vorsitzender Michael Gilad wirbt für mehr interreligiöse Kommunikation.
Michael Gilad und die Channukkia in der Krefelder Synagoge. Noch bis Sonntag feiern die Krefelder Juden ein fröhliches Fest.

Michael Gilad und die Channukkia in der Krefelder Synagoge. Noch bis Sonntag feiern die Krefelder Juden ein fröhliches Fest.

Dirk Jochmann

Michael Gilad und die Channukkia in der Krefelder Synagoge. Noch bis Sonntag feiern die Krefelder Juden ein fröhliches Fest.

Krefeld. Es ist purer Zufall. Naja, nicht so ganz. Channukka, fällt immer in die Monate November oder Dezember. Aber es wandert, und darum haben die Juden in Krefeld eines ihrer wichtigsten Feste in diesem Jahr am ersten Weihnachtstag gefeiert.

Enden tut es am kommenden Sonntag – gut sichtbar für jedermann. Auch wenn es vielen im ersten Moment gar nicht auffällt. Wer einen achtarmigen Leuchter mit einigen angezündeten Kerzen in einem Fenster sieht, hat höchstwahrscheinlich Channukka entdeckt.

„Ich glaube, dass die Uno derzeit andere Probleme hat, es gibt auch keine Resolution gegen Syrien oder die Ukraine, obwohl dort viele Menschen sinnlos sterben.“

Michael Gilad, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Krefeld

Michael Gilad ist Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Krefeld. Schon eine halbe Ewigkeit. Er freut sich jedes Jahr auf den Trubel rund um Channukka: „Denn das ist ein fröhliches, ein gänzlich unpolitisches Fest.“ Am ersten gibt es sogar Geschenke für die Kinder, jeden Tag wird eine weitere Kerze auf dem traditionellen Leuchter, der Chanukkia, angezündet und ebenfalls jeden Tag wird abends gemeinsam gesungen, werden mit Marmelade gefüllte Teigtaschen gegessen. Nicht nur in der Synagoge, auch in den Wohnzimmern der jüdischen Gemeinde.

Sie zählt 1000 Mitglieder in Krefeld, die meisten sind orthodox. Die Juden feiern in dieser Zeit den Sieg der Makkabäer über die Griechen, Chanukka erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem im jüdischen Jahr 3597 (164 v. Chr.). Sportfans könnten das wissen. Maccabi Tel Aviv, Maccabi Haifa. Es gibt alle vier Jahre eine Makkabiade, eine Art jüdisches Olympia. 2015 war Berlin Ausrichter. Das Lichterfest ist ein Fest der Stärke.

Und in Krefeld soll es eines der Einigkeit sein, wenn es nach Gilad geht. Im letzten Jahr waren im Rathaus neben dem Auftaktfest in der Synagoge an der Wiedstraße, das auch diesmal wieder von Natascha Wagner und Alla Trubnjakov mit viel Herzblut vorbereitet wurde, alle Konfessionen und Religionen versammelt. Um gemeinsam das erste Licht an der Channukia anzuzünden. „Eine tolle Atmosphäre“, schwärmt Gilad. „Wir alle haben gemeinsam das Oratorium von Händel gesungen.“ Dass es 2016 nicht zu einer Wiederholung kam, ist dem Termin von Channukka 2016 geschuldet.

Heiligabend eignet sich laut Gilad mit Respekt vor den Krefelder Christen nicht für eine Channukka-Feier und zwischen den Jahren ist das Rathaus geschlossen. Die Channukkia steht aber trotzdem im Foyer neben dem Tannenbaum. Und ein bisschen politisch möchte Gilad dann doch noch werden. Grad in Tagen der umstrittenen UNO-Resolution, die nicht nur Barack Obama in Israels Kritik stellt, sondern auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Mit Channukka oder ohne. „Ich glaube, dass die UNO derzeit andere Probleme hat. Es gibt auch keine Resolution gegen Syrien oder die Ukraine, obwohl dort viele Menschen sinnlos sterben. Geht es gegen Israel, sind alle schnell dabei, habe ich den Eindruck. Dabei bin ich kein Israeli. Ich bin auch nicht mit allem einverstanden, was die dortige Politik entscheidet und wie sie agiert. Ich stelle nur fest.“

Michael Gilad ist Deutscher, in Lübeck geboren, seine Eltern hatten fünf Jahre KZ überlebt und gingen nach Israel, als Gilad noch ein Junge war. Dieser kehrte dann 1969 der Liebe wegen nach Deutschland zurück. Ausgerechnet nach Deutschland, und das, obwohl der Onkel seiner Mutter der zweite israelische Staatspräsident war. „Das waren schon Widerstände“, macht er das Nähkästchen auf. Deshalb tritt er in Krefeld besonders für den Dialog ein.

„Wir müssen alle besser zueinander finden, unabhängig von Nationalität und Hautfarbe oder Religion. Man muss sich ja nicht gegenseitig in die Töpfe schauen. Das muss dringend besser werden, auch in Krefeld.“

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