In einem Kurs lernen Senioren, wie sie sich wehren können und am besten gar nicht erst in eine Notsituation geraten.

Selbstverteidigung
Schlagkräftig: Trainer Rainer Schages (r.) fängt mit einem Kissen die Schläge ab, die auf ihn einprasseln.

Schlagkräftig: Trainer Rainer Schages (r.) fängt mit einem Kissen die Schläge ab, die auf ihn einprasseln.

Jochmann

Schlagkräftig: Trainer Rainer Schages (r.) fängt mit einem Kissen die Schläge ab, die auf ihn einprasseln.

Krefeld. „Hau ab, hau ab, hau ab!“ Rainer Schages fängt die Schläge mit einem Kissen ab, die auf ihn einprasseln. „Erst den Mann klein machen“, sagt Schages und demonstriert auch gleich, wie das geht. Ein Tritt gegen das Schienbein, der den Angreifer ablenkt und für einen Reflex sorgt: Er krümmt sich vor Schmerz und macht sich klein. Die erste Gelegenheit, sich davonzumachen.

„Wichtig ist, dass die Teilnehmer lernen, sich der Gefahr zu entziehen“, erklärt Schages. Schließlich geht es in dem Selbstverteidigungskurs für Seniorennicht darum, der stärkste Kämpfer zu werden, sondern im Notfall richtig zu reagieren und Schaden abzuwenden.

In Rollenspielen üben die Teilnehmer Gefahrensituationen im Alltag

Schages trainiert seit Oktober 2008 die Senioren, sein ältester Schüler war 85 Jahre alt. Schages wählt die Techniken für seine Gruppe gezielt aus. Ob Karate, Judo, Boxen oder Aikido – der Jiu-Jitsu-Kämpfer weiß, was alltagstauglich ist. „Wir können hier schließlich keine Würfe machen“, sagt er. Entsprechend übt er das, was im Alltag passieren kann, auch in Rollenspielen. Wie vermeidet man Konflikte, geht mit Gedränge auf der Hochstraße um, entzieht sich einem penetranten Schnorrer?

„Die Karin wird belästigt“, ruft Schages und einer der Teilnehmer setzt Karin Wittnebel zu. „Haste mal ’nen Euro?“ Er verfolgt sie, reagiert nicht auf ihr Nein. Die kleine Frau mit den kurzen Haaren weiß aber inzwischen genau, wie sie sich zu verhalten hat. Laut werden und Aufmerksamkeit erzeugen, Umstehende direkt ansprechen und um Hilfe bitten.

Mit dem Training kommt die Sicherheit

„Ich hätte mich früher bestimmt falsch verhalten“, glaubt sie. Mit dem Kurs, den sie seit zwei Jahren besucht, kommt die Sicherheit. „Eigentlich hatte ich erwartet, dass hier mehr Frauen sind“, sagt sie schmunzelnd. „Immerhin sind wir jetzt schon zwei.“ Die Männer dominieren den Kurs, aber die Damen fühlen sich wohl. „Man bleibt fit und es macht Spaß“, bringt es Karin Wittnebel auf den Punkt.

Ob Gymnastik gegen Osteoporose, Beckenbodentraining, Qi Gong oder orientalischer Tanz – das sportliche Angebot ist groß und bietet den Teilnehmern altersgerechtes Training und soziale Kontakte. Neben einer Grundgebühr von 3,50 Euro monatlich sind noch Kursgebühren fällig.
 

 Haus 43, Moerser Straße 43
www.sport-fuer-betagte-buerger-krefeld-ev.de
 

Der Kurs ist nur einer von vielen, den der Verein Sport für betagte Bürger bietet. Das Angebot ist vielfältig und die Nachfrage groß. „Wichtig ist die Bewegung im Alter, aber auch, dass man sich nicht übernimmt“, erklärt Kurt Janiszewski vom Vorstand.

Den Verein gibt es seit 1978, die Mitgliederzahlen steigen stetig, inzwischen sind es mehr als 2300 Vereinsangehörige. Nach langem Berufsleben suchen viele soziale Kontakte und Aktivitäten, die Spaß machen und fit halten, sagt Janiszewski. Lieber als den Namen des Vereins „Sport für betagte Bürger Krefeld“ hört er daher das Motto: Aktiv ab 60.

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