Am vergangenen Samstag wurde die Online-Enzyklopädie Wikipedia zehn Jahre alt. Weltweit wurde gefeiert – auch in Krefeld.

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Gratulieren Wikipedia zum zehnten Geburtstag (v.l.n.r.): Purodha, FK1954, Ludger1961, Scharlih Bo, De Uli und Tom Knox.

Gratulieren Wikipedia zum zehnten Geburtstag (v.l.n.r.): Purodha, FK1954, Ludger1961, Scharlih Bo, De Uli und Tom Knox.

Andreas Bischof

Gratulieren Wikipedia zum zehnten Geburtstag (v.l.n.r.): Purodha, FK1954, Ludger1961, Scharlih Bo, De Uli und Tom Knox.

Krefeld. Die Geschichte von Krefeld in diesem Lexikon ist nur lückenhaft dokumentiert; das Entstehungsjahr lässt sich nicht mehr genau datieren. Fest steht nur: Es war vor 2004 – ältere Aufzeichnungen sind nicht überliefert.

„Wahrscheinlich ein Server-Absturz“, vermutet Tom Knox. Tom Knox heißt eigentlich Thomas Kurpjuweit und ist Krefelder. Außerdem ist er Wikipedianer – daher das Alias. Und als Krefelder Wikipedianer gehört er zu den Autoren des Artikels über die Stadt. Aber warum dessen Versions-Geschichte – anders als üblich – unvollständig ist, darüber kann er nur spekulieren.

Klar hingegen ist, warum er heute sein Glas erhebt: Wikipedia wird zehn jahre alt! Fünf Männer stoßen darauf mit ihm an – De Uli, Purodha, FK1954, Ludger1961 und Scharlih Bo. Sie alle sind registrierte Benutzer der deutschsprachigen Wikipedia – außer Scharlih Bo, der ist nur „interessierter Leser“.

„Interessierte Leser“ sind die anderen auch, vor allem aber sind sie engagierte Schreiber. Heute jedoch wird nicht geschrieben, sondern getrunken: „Auf Wiki!“, tönt es durch die Krefelder Kneipe. Zwischen ihren Gläsern, gefüllt mit Alt oder Kölsch, steht eine winzige Marzipantorte auf der sich zehn Geburtstagskerzen drängeln. Purodha hat sie mitgebracht: „Ich glaub’, die ist schon 2009 abgelaufen – egal.“

Tom Knox lacht und fummelt weiter an seinem Laptop herum: „Eigentlich herrscht bei unseren Stammtischen Computer-Verbot. Die Kommunikation leidet darunter doch sehr.“

400 Partys auf fünf Kontinenten zum zehnten Geburtstag

Die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia wurde am 15. Januar 2001 in den USA gestartet. Drei Monate später ging die deutsche Version ins Netz.

Wikipedia ist die umfangreichste Enzyklopädie aller Zeiten. Derzeit gibt es etwa 17 Millionen Artikel in mehr als 260 Sprachen und Dialekten. Die Zahl der regelmäßigen Autoren wird auf mehr als eine Million, die der Leser auf mehr als 350 Millionen geschätzt.

Bei diesem Stammtisch haben die Krefelder Wikipedianer aber eine Ausnahme gemacht. Ursprünglich, erklärt Tom Knox, sei nämlich eine Konferenz per Internet mit anderen Geburtstags-Stammtischen geplant gewesen; technische Probleme hätten das jedoch verhindert.

Das ist bedauerlich, finden doch in mehr als 400 Städten auf fünf Kontinenten ähnliche Veranstaltungen statt – teilweise zeitgleich. „Aber vielleicht“, hofft Tom Knox, „kriegen wir später noch eine Schalte nach Berlin – da findet die zentrale Party für Deutschland statt.“

Bei der „zentralen Party“ für Krefeld wird die nächste Runde bestellt. Das Gespräch streift viele Themen, die Interessen der Männer sind verschieden. Daher haben sie als Autoren auch unterschiedliche Spezialgebiete. Ludger1961 etwa kümmert sich vor allem um „Siegel, Wappen und Flaggen“.

Auch Tom Knox mag die eher abseitigen Themen. Von ihm stammt der Artikel Typengummi – „eine knetbare Masse, die zur Reinigung der Typen von Schreibmaschinen verwendet wird.“ Auch das zugehörige Foto ist von ihm: „Wenn man das vergrößert, kann man sogar meine Fingerabdrücke sehen.“

Purodha hingegen ist eher Generalist als Spezialist – er zieht von allen Anwesenden wohl die weitesten Kreise. Er hat „mal Sprachwissenschaften studiert“ und ist deshalb auch in anderen Ausgaben von Wikipedia aktiv: „Einmal habe ich sogar einen Artikel auf Portugiesisch geschrieben. Dabei kann ich gar kein Portugiesisch. Ich hab’ mir das halt so zusammengebastelt. Der Artikel wurde aber bisher nicht verändert – scheint also zu stimmen.“

Ein Thema, auf das sie sich alle einigen können, ist Krefeld. „Der Schluff zum Beispiel“, erklärt De Uli nicht ohne Stolz, „da haben wir alle dran ’rumgemacht.“ Tom Knox nickt bestätigend: „Ja, der Schluff ist schön geworden.“

Krefeld gehört zu den „lesenswerten“ Artikeln

Ebenfalls „schön geworden“ ist der Artikel über Krefeld, an dem sie natürlich auch alle mitgeschrieben haben. Sogar FK1954, er kommt aus Willich und ist damit der einzige Auswärtige.

Der Krefeld-Artikel wurde von den deutschsprachigen Wikipedianern im Jahr 2005 mit dem Prädikat „lesenswert“ ausgezeichnet. Eine große Ehre – von den knapp 1,2 Millionen Artikeln dürfen sich nur gut 3000 mit dem begehrten blauen Icon schmücken.

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